Merkt Ihr es nicht? Ein Appell von Rainer Kahni

„Unsre Herrn, wer sie auch sein, sähen unsre Zwietracht gern. Denn solang sie uns entzweien, bleiben sie auch unsre Herrn.“
Berthold Brecht.

Beim mittäglichen Nachrichten“studium“ stieß ich auf das nachstehend Eingestellte.
Wer Rainer Kahni (Mr. Rainer) nicht kennt…sollte ihn vielleicht kennenlernen 😉

Rainer Kahni, besser bekannt unter dem Namen Monsieur Rainer, ist Journalist und Buchautor. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières. Wer intelligente Polemik und wortgewaltigen Sarkasmus schätzt, dem seien seine Werke an’s Herz gelegt.
Ich ziehe vor diesem streitbaren, bissigen und gradlinigen Menschen jedenfalls in schöner Regelmäßigkeit meinen imaginären Hut und bedaure, viel zu spät von ihm erfahren zu haben (erstmalig durch seine „etwas andere“ Neujahrsansprache https://erbendertara.wordpress.com/2013/01/01/eine-etwas-andere-neujahrsansprache-von-rainer-kahni-auserst-lesenswert/ )

Wer Stephane Hessels „Empört Euch“ aus Überzeugung sein Eigen nennt, dem könnte auch Kahnis „Wehrt Euch“ zusagen. Bissiger zwar, „polemischer“, härter in der Wortwahl als Hessels Streitschrift, mein „Prädikat“ aber auch hier: Eine lesenswerte (gesellschafts)politische Analyse, die mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks die deutschen Defizite aufzeigt und dabei Salz in die Wunden reibt…auf dass diese sich entzünden mögen.
http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/wehrt-euch-rainer-kahni-gen-monsieur-rainer

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Merkt ihr es nicht?
Die Mächtigen wollen euch dividieren zwischen links und rechts, zwischen Moslems und Christen, zwischen Arbeitsplatzbesitzer und Arbeitslosen. „Divide et impera“, sagten die alten Römer. Der alte römische Grundsatz „teile und herrsche“ wird von den Lobbyisten und ihren Marionetten in der Politik auf perverse Art gegen die Bürger missbraucht. Die Bürger werden bewusst gegeneinander aufgehetzt, um vom eigenen Versagen abzulenken. Während sich die Bürger zerfleischen, betreiben die anderen ihr schmutziges Geschäft. Es muss also vielmehr unterschieden werden zwischen OBEN und UNTEN! Solidarisiert euch zu einem Bürger – Block und vergesst alle politischen Ideologien!
Ihr könnt ja eure Differenzen wieder austragen, wenn die Lobbyisten, Kriegshetzer, Russland – Phoben, USA – Marionetten vom Hof gejagt sind!

 

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Aufruf zur Revolte – Es reicht! Eine Rezension von Holdger Platta

Aufruf zur Revolte

Seit vorgestern kann im Internet der “Aufruf zur Revolte” von Konstantin Wecker und Prinz Chaos II. kostenlos nachgelesen und runtergeladen werden: eine ca. 40-seitige “Polemik” gegen die derzeit weltbeherrschende Politik und eine Ermutigung zum Widerstand.

Aufruf zur Revolte download

Ich hätte diese Streitschrift gerne selbst besprochen ;) doch Holdger war schneller. Und mir bleibt, wie so oft schon, nichts hinzuzufügen.
Einen Satz möchte ich aber doch noch hervorheben:
Für mich die große Kraft dieses Textes: hier wird nicht nur von Kopf zu Kopf gesprochen, sondern wieder und wieder, auf furiose Weise, von Herz zu Herz.
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Nein, kein Zufall: auch mit Blick auf die Landtagswahlen in Bayern und Hessen sowie auf die Bundestagswahlen veröffentlichen die beiden Liedermacher Konstantin Wecker und Prinz Chaos II. am 15. September ihren „Aufruf zur Revolte“ als kostenloses E-Book im Internet. Doch Anlässe wie Intentionen dieser „Polemik“ (Untertitel der Kampfschrift) reichen weit über diese Termine hinaus. Es geht um Darstellung der Weltzustände insgesamt – und um die Frage, was dem entgegenzusetzen ist.

 

Es war im März dieses Jahres, daß sich die beiden Künstler nach einem gemeinsamen Konzert zu diesem Aufruf entschlossen. Noch beglückt vom Publikumsecho, gestanden sich die beiden Sänger „in einer denkwürdigen, coming-out-artigen Situation“, daß ihre „Intuition immer lauter Alarm“ zu schlagen beginnt. Die Autoren wörtlich:

 „…wenn man alle Faktoren zusammenrechnet, die ökologische Situation, die wirtschaftliche Lage, den gigantischen, präventiv ausgebauten Repressionsapparatund auch, ja, leider, die zunehmende Verrohung und Entsolidarisierung der Menschen untereinander, dann muß einem Himmelangst werden.“

Hier nun also das Resultat: ein 40-seitiges Manifest gegen den Kapitalismus – und gegen unsere Mutlosigkeit. Es ist, natürlich, ein literarischer Text, kein kleinteilig, mithilfe marxistischer Kategorien, die Gegenwart durchanalysierender Text. Es ist aber, gleichwohl, ein Text, der mit dialektischer Akribie die Verhältnisse der Gegenwart durchleuchtet, ein Text, der die weltweiten Zusammenhänge der Krise anders, nämlich individuell wahrnehmungsnah, darzustellen vermag.

 

Typisch in dieser Hinsicht schon der Textbeginn: die Verfasser setzen an bei unserer Alltagserfahrung, bei dem, was der Erkenntnis der Zusammenhänge im Wege steht, den weltweit praktizierten Verdrängungsmechanismen,  „Illusionsabfällen und Betäubungsmittel aller Art“, dem nächsten „Sportgroßereignis oder einer neuen Terrorwarnung“ etwa. Um dann vorzustoßen zu eben diesen verdrängten Problemen. Da werden dann zum Beispiel die Finanzkrise angesprochen und die Weltnaturkatastrophe, die Kriegstreibereien und der Überwachungsskandal, das Flüchtlingselend und die illegitime Macht der Weltkonzerne. Und dieses jeweils im Kontrast zur propagandistischen Verdrängungsschreiberei.

 

Zum Beispiel: über die Brutalität Erdogans gegen Occupy Gezi in Istanbul empöre man sich „unisono“, doch der „himmelschreiend brutale Polizeieinsatz gegen Blockupy in Frankfurt am Main (…) mit mehr als 400 Verletzten“ sei fast totgeschwiegen worden. Oder: man beklage immer noch die 139 Berliner Mauertoten –  28 Jahre danach -, aber wo läse man in gleicher Extensität von den rund 2000 Toten, die heutzutage an den europäischen Grenzen ums Leben kommen, jährlich –  Flüchtlinge, gegen die eine Kriegsflotte der EU auf dem Mittelmeer ihre barbarische Arbeit verrichtet?

Der Aufruf zeigt: hier stimmen die Maßstäbe nicht. Er zeigt: hier funktioniert ungeheuer vieles im Dienste westlicher Profitinteressen. Und er zeigt: dem muß nicht nur Gesellschaftstheorie entgegengesetzt werden – da bleiben Konstantin Wecker und Prinz Chaos II. eher vorsichtig -, sondern vor allem auch aufgeklärte Menschlichkeit. Für mich die große Kraft dieses Textes: hier wird nicht nur von Kopf zu Kopf gesprochen, sondern wieder und wieder, auf furiose Weise, von Herz zu Herz.

Deswegen ist dieser Aufruf auch beides: ein aufwühlender Text und klug! Deswegen schürt das Manifest mit seinem Doppelcharakter nicht nur die Hoffnung, sondern er spart auch die Gefahr unseres Scheiterns nicht aus. Deswegen begegnen wir hier immenser Empathie und Realismus. Zum Beispiel:

 „Nüchtern betrachtet sind die Risiken der Revolte weitaus geringer als die mitmathematischer Sicherheit katastrophalen Ergebnisse eines weiteren tatenlosenZuschauens uns Mitlaufens. Und wenn wir endlich auch in Deutschland den Mut zurRevolte fassen (…), dann werden wir eine andere Intensität des Lebens erfahrendürfen (…): den Zauber wirklicher Freiheit.“

Dabei versteht sich von selbst: die Autoren setzen nicht nur auf Wahlen – der Zeitpunkt dieser Veröffentlichung stellte insofern ein Missverständnis dar -, sondern vor allem auf eine neue große außerparlamentarische Bewegung. Und sie setzen auf die Inspiration und Intelligenz der vielen Einzelnen in dieser Bewegung, nicht aber auf sogenannt-charismatische Führerfiguren. Ein humaner Anarchismus ist kennzeichnend für diesen Aufruf, Orientierung an Graswurzelarbeit, ohne sich in Kontraposition zu bringen auch – auch! – zu parlamentarischer Tätigkeit. Hier geht es nicht um ein Entweder-Oder, sondern um ein im besten Sinne hellwaches Sowohl-Als auch. Bei allem Blick auf das Große und Ganze schreiben Wecker und Prinz Chaos II. nicht über das Kleine und Kaputte hinweg, aber bei allem Ernstnehmen der Alltagserfahrungen ganz unten wird auch das Treiben derer da oben analysiert. Das ist Gesellschaftskritik ohne das gewohnte Wissenschaftsvokabular und dennoch wissenschaftlich hochinformiert (Beispiel: die Analyse der Situation im vor-revolutionären Frankreich gegen Ende des 18. Jahrhunderts). Hier werden Geschichte und Politik auf allen Ebenen zur Sprache gebracht, und auf allen Ebenen sollten wir uns dem verkehrten Gang der Dinge in den Weg stellen – für mich die Kernaussage, um die es bei diesem Aufruf zur Revolte geht. Im Interesse einer Welt ohne Freiheitsberaubungen und Menschenschinderei, ohne Herrschaft des Geldes und abgehobener Cliquen, ohne Elend und Angst.

Zweifellos: ein packendes und aufklärendes Manifest. Und ich füge hinzu: ein Glücksfall, daß es noch solche politisch-engagierten Künstler gibt. Mögen viele Menschen diesem Beispiel folgen.

Demokratie lebt von unten her oder gar nicht.

 

Konstantin Wecker und Prinz Chaos II. rufen zur Revolte auf.

Am 15.en September erscheint ein kostenloses E-Book.
Weitere Informationen dazu unter Aufruf zur Revolte
Auf diesem Weg zunächst einmal wieder herzlichen Dank an Holdger Platta, der mir diese – wie ich finde, wichtige – Information mailte, Auszug:

…der Ehrenvorsitzende unserer Initiative für eine humane Welt Konstantin Wecker veröffentlicht in den nächsten Tagen – zunächst als kostenloses E-Book im Internet – gemeinsam mit seinem Co-Autor, den ebenfalls politisch immens engagierten Liedermacher Prinz Chaos II., einen

Aufruf zur Revolte

Ich bitte Euch alle, die beigefügte Ankündigung zu diesem Buch mit Euren Mitteln weiterzuverbreiten. Nicht zuletzt im Blick auf die Bundestagswahlen in gut zwei Wochen wäre das wunderbar. Und auch die beiden Landtagswahlen in Hessen und Bayern dürften ja ein entsprechender Anlaß sein.

Das Buch, an dem auch ich mit zahlreichen anderen HelferInnen ein bißchen mitgearbeitet habe, verdient, so meine ich, die Unterstützung aller, denen es an einer einer grundlegenden Veränderung und Verbesserung der Politik liegt, die immer brutaler Millionen Menschen und ganze Staaten in den Abgrund treibt.

 

Holdger Platta – Auf dem Weg in einen „kalten Faschismus“?

Auf diesem Weg zunächst herzlichen Dank an Holdger Platta für die Überlassung des erweiterten Auszugs aus dem Buch Kaltes Land
In diesem Buch setzen sich über ein Dutzend Autoren mit der Zerstörung der gesellschaftlichen Solidargemeinschaft, auch „Sozialstaat“ genannt auseinander und werfen die Frage auf, ob die bundesdeutsche Gesellschaft auf einem Weg in einen „kalten Faschismus“ (Platta) ist und ob Harz IV als „Ein Bürgerkrieg der politischen Klasse gegen die arm Gemachten“ definiert werden muss (Prof. Hengsbach).

Hier die dezidierte Stellungnahme Plattas zu einem häufig kontrovers dikutierten Thema:

Immer mehr Menschen in der Bundesrepublik stellen sich eine besorgte Frage:

Gibt es Entwicklungsprozesse  im heutigen Deutschland, die uns denken lassen an die Endphase der Weimarer Republik und an das Dritte Reich? Und: ist es nicht nur möglich, Vergleiche anzustellen zwischen dieser Vergangenheit mit unserer Gegenwart, sondern könnte dieses Vergleichen sogar erforderlich sein – und zwar erforderlich gleich aus einem doppelten Grund:

 

  • sachlich, weil eine derartige Diagnose –  es gibt Entsprechungen zwischen damals und heute – auch einer Prognose gleichkommen könnte und weil
  • zweitens und in ethischer Perspektive diese Diagnose mithin eine dringliche Warnung vor einer humanitären Katastrophe enthielte.

Die Frage hinter meiner Frage lautet daher: gibt es – in der Tat: ich riskiere dieses Wort! – Entmenschlichungstendenzen in der Bundesrepublik, die den Faschisierungstendenzen während der Weimarer Republik ähneln,, und diese Entmenschlichungstendenzen bedrohen womöglich schon jetzt die humane Integrität der Bundesrepublik?

Rechte Faschismusvorwürfe: Bagatellisierung der Geschichte

Eines dürfte wohl unzweifelhaft sein: die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland mit ihrem Grundrechtekatalog stellt historisch nicht nur die politische Antwort dar auf das Dritte Reich, sondern diese politische Antwort hatte auch eine klare ethische, eine eindeutig humane Dimension. Faschismus, das war – und ist bis heute – nicht nur ein immens wichtiger Sachbegriff, Faschismus ist auch ein Wertungsbegriff. Faschismus, das ist nicht nur ein Begriff aus der Regimenlehre, nicht nur eine wertungsneutrale Kategorie zur Kennzeichnung bestimmter Gesellschaftssysteme, sondern ein Begriff der Kritik, der sich eng auf die Naturrechtsinteressen der Menschen stützt und bezieht. Faschismus war und ist in dieser Hinsicht stets auch gerichtet gegen die Maximen der Menschenwürde und der Menschenrechte schlechthin.  Freilich, ich füge hinzu:

Um so wichtiger wird es deshalb auch sein, beides voneinander zu unterscheiden: die sachliche von der ethischen Dimension. Es geht nicht um ein Entweder-Oder, es geht um ein Sowohl-Als auch. Was also hat es mit der Vergleichbarkeit/Unvergleichbarkeit der Bundesrepublik mit der Endphase der Weimarer Republik und den Anfängen des Dritten Reichs auf sich – sachlich wie ethisch gefragt?

Vielleicht überrascht es an dieser Stelle ja: mein Beitrag setzt inhaltlich ein mit einer Verteidigung unserer Kanzlerin Merkel. – Angela Merkel hatte im August 2010 das Sarrazin-Buch[1] mit den Worten kritisiert, daß diese Publikation „nicht hilfreich“[2] sei. Diese zarte Immerhin-doch-Distanzierung bedachte der Journalist Henryk M. Broder daraufhin, in der Sendung „Maybrit Illner“ am 2. September 2010, mit dem Satz: wenn „eine nicht für die Abgabe literarischer Urteile gewählte Kanzlerin ein Buch als nicht hilfreich“ bezeichne, grenze das „an die übelste Tradition der Reichschrifttumskammer des Dritten Reichs.“[3] Nicht nur der anwesende Grünen-Chef Cem Özdemir empfand diesen Vorwurf als „absurd“.[4] Ich komme darauf noch zurück. Vorher noch weitere  Beispiele für Bewertungen der Gegenwart, die sich unverkennbar auf unsere faschistische Vergangenheit beziehen.

Am Montag, den 27. Oktober 2008 – die weltweite Finanzkrise hatte einen ersten Höhepunkt erreicht – äußerte sich der Münchener Wirtschaftswissenschaftler und Ifo-Chef Hans-WernerSinn in einem Interview mit dem Berliner „Tagesspiegel“ folgendermaßen: man habe mit den „persönlichen Angriffen“ auf Bankmanager „nur Sündenböcke“ gesucht[5]. Und im weiteren Text wörtlich: „Damals“ – gemeint ist die erste große Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 folgende – „Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager.“[6] Auch hierauf gab es entsetzte Reaktionen in der Öffentlichkeit – doch später mehr dazu. Hier zunächst noch Beispiel Nummer drei für „vergangenheitsbezogene“ Einschätzungen der Gegenwart. Ich spreche vom Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff.

Dieser Politiker – damals, im Jahre 2008, noch niedersächsischer Ministerpräsident – äußerte sich keine zehn Tage später nach dem Statement des Ifo-Chefs Sinn ganz im Sinne von Sinn[7]: in der N24-Talkshow „Studio Friedman“ stellte sich Wulff mit dem folgenden Satz vor die weltweit in die Kritik geratenen Manager (Michel Friedman hatte den CDU-Politiker im übrigen nach dessen Verständnis von Gerechtigkeit gefragt):

            „Ich finde, wenn jemand 40 Millionen Steuern zahlt und Zehntausende Jobs

            schafft, dann muss ich nicht gegen den eine Pogromstimmung entwickeln,

            sondern dann kann ich sagen, er leistet einen wesentlichen Beitrag zu

            unserem Land und zu unserem Gemeinwesen.“[8]

Am Donnerstag, den 6. November 2008, war das, drei Tage vor dem Gedenktag an die nazistischen Pogrome im Jahre 1938, an jene Ereignisse also, da in Deutschland die Synagogen brannten, Hunderte von Juden ermordet, Tausende von Juden gefoltert und Zehntausende von Juden darauf des Landes vertrieben wurden.

Auch hier reagierte unter anderem der Zentralrat der Juden in Deutschland und forderte den Rücktritt des Ministerpräsidenten Wulff[9], auch hier gab es – soll man sagen: selbstverständlich? – eine Entschuldigung[10] wie im Falle Hans-Werner Sinn[11], auch hier wurde dabei eine geschichtstotalisierende Behauptung aufgestellt, die „fragwürdig“ zu nennen eher eine fragwürdige Beschönigung ist. Hatte Sinn in seinem „Offenen Brief“ an den Zentralrat der Juden geschrieben:

            „Die Suche nach vermeintlich Schuldigen führt stets in die Irre.“[12]

– – – man fragt sich: gilt das auch für Hitler, für Eichmann, für Höß, und gab es

bei der Krise 2008 keine Akteure? – Standen wir also bei diesem Wirtschaftsgeschehen vor einer Krise ohne Personal? Das Spielcasino war menschenleer gewesen? – – – Während Ifo-Chef Sinn also das Wirtschaftsgeschehen in die Anonymisierung schickte, verstieg sich Wulff in seinem Totalrückzug zu dem folgenden Satz:

            „Nichts kann und darf mit der Judenverfolgung und den schrecklichen

            Pogromen gegen die Juden verglichen werden…“[13]

Nichts, wirklich nichts? – Doch hier zunächst eine andere Frage, bevor uns das Wulff-Zitat beschäftigen wird. Wieso kommt es im Kontext mit deutscher Schuld im Dritten Reich immer wieder zur Erforderlichkeit von Entschuldigungen im Nachkriegsdeutschland?

Psychoanalytisch betrachtet, könnte man von einem Wiederholungszwangsprechen, der sich da geltend macht, von einem Vorgang also, der die Betroffenen nötigt, immer wieder eine Vergangenheit zu rekonstellieren, die doch eigentlich abgewehrt werden soll. Man  reiht sich mit Bemerkungen wie denen von Wulff und Hans-Werner Sinn gleichsam auf der Opferseite ein und entlastet sich damit – als Nachfolgegeneration der Eltern auf der Täterseite – von dem Druck, der auf einem selber noch liegt. Und beschwört gerade dadurch ein weiteres Mal die Entfremdung von den jüdischen Opfern damals herauf. Aber: es gibt eine Erklärung dafür, die einfacher ist und auf die ich später zurückkommen werde. Hier sei zunächst einmal das Folgende festgestellt:

Selbstverständlich liegen alle genannten Personen mit ihren Äußerungen falsch. Die äußerst zurückhaltende Kritik der Kanzlerin an dem Sarrazin-Buch in die „übelste“ Tradition der nazistischen „Reichsschrifttumskammer“ zu stellen, kommt einer Äußerung aus dem Tollhaus gleich. Die Reichsschrifttumskammer des Naziregimes hatte vor allem die Aufgabe, unliebsamen, vor allem jüdischen, SchriftstellerInnen den Weg zur Veröffentlichung ihrer Bücher zu versperren, diese Kammer organisierte also reichsweit das Berufsverbot für sogenannte „Feinde“ des Regimes[14]. Wo, bittteschön, hätte das Merkel getan? Sie hat ein Buch kommentiert, recht zaghaft zudem, das Alfred Grosser[15], der deutsch-französche Politologe, am 9. November 2010 in der Frankfurter Paulskirche als „sozialrassistisch“ bezeichnet hat[16]. Ganz gewiß stand Angela Merkel in diesem Falle ideologisch nicht auf der Seite der Faschisten von einst, sondern hatte Gegenposition bezogen zu deren Ideologie. Mit anderen Worten: hier wurde durch Broder ausgerechnet einer antifaschistischen Selbstpositionierung Faschismus unterstellt. Broder mag äußerst „scharfzüngig“ sein; „scharfsinnig“ war Broder in diesem Fall nicht. Mit seiner spitzen Zunge bediente er hier lediglich die stumpfesten Ressentiments. Und kennt sich offenbar beim Unterschied zwischen Zensur und Zensuren nicht aus.


[1]  Thilo Sarrazin: Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen. München 2010

[4] Siehe Anmerkung 2!

[6] Siehe Anmerkung 5!

[8] Siehe Anmerkung 7!

[9] Siehe Anmerkung 7!

[10] Siehe Anmerkung 7!

[12] Siehe Anmerkung 11!

[13] Siehe Anmerkung 7!

 [16] http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:EsS47dV

zum weiterlesen ab Seite 5 bitte auf den link klicken Holdger Buch Platta Auszug

Im Netz der Soziopathen

Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich nicht zuletzt daran, wie sie mit den schwächsten Mitgliedern umgeht.

Diese Worte von Altkanzler Kohl sind -unabhängig von seiner Person- schlichte Wahrheit.
Die neuesten „Wertevorstellungen“, wie mit den Schwachen umgegangen werden soll, publizierte ich bereits vor Tagen in Form der aktuellen Dienstanweisungen der Bundesagentur für Arbeit.

Am Montag dann eröffnete die „BILD“  das „Halali auf erwerbslose Blaumacher“. Die Dienstanweisungen wurden als „Geheimdokumente“ bezeichnet, der Inhalt in gewohnt hetzerischer Manier verbreitet.Die Empörung über das geplante Vorgehen gegen erkrankte Leistungsbezieher war (selbst unter den Bild-Kommentatoren)  entsprechend groß.
Da ich seit Beginn der Einführung des SGB2 bereits warne, dass das Ende der sozialen Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist, sind auch die neuerlichen Entrechtungs- und Entwürdigungsversuche bei erwerbslosen Menschen für mich absehbar gewesen.
Vor 5-6 Jahren unterstellte man mir Paranoia, als ich warnte … ja, ich wäre jetzt – rückblickend – sogar sehr gerne paranoid gewesen… denn dann wären meine damaligen Befürchtungen Hirngespinste geblieben.

Kluge Bewertungen

gibt es mittlerweile zuhauf. Ich habe stellvertretend zwei Autoren herausgegriffen, welche als (ehemals) Betroffene mit spitzer Feder die neuerlichen Perversitäten gegenüber Erwerbslosen skizzieren.
Es sind der Schriftsteller Roberto de Lapuente – er kennt den Umgang mit „Hartzern“ aus eigener, früherer Erfahrung – und Thomas M. , ein entrechteter Leistungsbezieher nach SGB12, welcher unermüdlich die Mißstände publik macht trotz größter körperlicher Einschränkungen und Repressionen seitens der Sozialbehörden.
Daher kann ich getrost auf eine weitere, eigene Stellungnahme verzichten. Ich gehe am Ende dieses Artikels lieber auf (un)mittelbare Zusammenhänge zwischen entarteter A-Sozialpolitik und kranken Persönlichkeitsstrukturen ein.

http://www.scharf-links.de/41.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=34465&tx_ttnews[backPid]=7&cHash=524e718725

von Thomas M.

Zitat (…)Und wieder sind es oft unfähige, weil schlecht ausgebildete und falsch motivierte, Sachbearbeiter, die entscheiden sollen, wem die Prüfer auf den Leib rücken und wem in Folge dann empfindliche Kürzungen des Nötigsten drohen. Und ausgerechnet der MdK der Krankenkassen, der ja in den letzten Jahrzehnten oft dadurch aufgefallen ist, dass er zugunsten der Krankenkassen kranke Menschen wieder besseren Wissens gesund schrieb, soll als Bock zum Gärtner gemacht werden.

Vergessen wird dabei, dass der MdK selbst im Auftrag der Krankenkassen keine Ent- scheidungen treffen darf, sondern lediglich Empfehlungen ausspricht. Mehr darf er auch für die Jobcenter nicht tun. Diese Empfehlungen, aber auch die Folgerungen der Job- center können aber weder eine Krankschreibung aufheben noch ein Attest. Im Gegenteil muss hier in der Konsequenz ein korrektes medizinisches Gutachten erstellt werden. Nur wie soll das in der Praxis funktionieren?

Ein Sozialstaat am Stammtisch – von Roberto de Lapuente

Zitat (…) „… wenn sie eines Tages einen Weg finden, wie man ohne Briefkasten auskommt, werden wir eine Menge Probleme los sein“, schrieb Charles Bukowski mal in einer Kurzgeschichte. Dieser Satz klingt wie das Flehen sämtlicher Hartz IV-Bezieher.

Ist dieser Alpdruck schon Krankheit? Reicht das für Krankschreibung? Aber genau das ist das Perfide an dieser Diskussion. Denn es gibt keine „Krankschreibung“, sondern lediglich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Krankheit im klassischen Sinne ist nur ein Aspekt von Arbeitsunfähigkeit. Das verschweigt man in dieser Debatte aber. Es gehört zum Blendwerk der Behörden und ihrer Helfer im Boulevard, Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit zu ersetzen, um damit Assoziationen wie Blaumachen oder Bettlägerigkeit zu erzeugen. Um zu suggerieren, dass da jemand nicht krank ist, obgleich er krankgeschrieben wurde. Aber arbeitsunfähig kann auch der sein, der psychisch seinem Alltag nicht gewachsen ist. Deshalb muss er nicht krank sein und macht trotzdem nicht blau.

Die ewige Frage nach dem Warum

Warum sind manche Menschen unfähig, die Tragweite ihrer schlimmen Handlungen zu erfassen?
Warum rennen solchen Menschen, wenn diese sich in Führungspositionen befinden, so Viele hinterher wie einstmals Ratten hinter dem Rattenfänger?
Warum wird unsere Gesellschaft immer „seelenloser“?
Das nachstehend verlinkte Interview (lang aber wirklich lesenswert) mit den  Herausgebern der Les Editions Pilule Rouge Ausgabe des Buches Politische Ponerologie versucht, Antworten zu geben.
Wenngleich manchesmal ein Hauch „Verschwörungstheorie“ anhaftet, so ist die wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung des „Bösen“ für mich sehr interessant.
Die moralische Wertung aus Sicht diverser Philosophien ist die eine Seite…und hier haderte ich sowohl mit der christlichen Version als auch mit der buddhistischen.
Beide Überlegungen gehen davon aus, dass der „Mensch an sich“ gut sei ( „göttlicher Funke“ bzw „Buddhanatur“) zumindest aber zunächst als „neutrales“ Wesen geboren wird.
Dass Einflüsse von außen, Geistesgifte ihn verderben.
Das bejahe ich auch weiterhin, mit einer Ausnahme: Ich war schon immer der Meinung, dass es einen gewissen Anteil Menschen gibt, bei denen gewisse Defizite von Geburt an da sind.
Ganz früher bezeichnete ich solche Menschen als „ohne Seele geboren“.
Der Autor des Buches „Politische Ponerologie“ geht von ca. 6% solcher Menschen aus.

politeia.org – Die Psychopathen und ihre Herrschaft über die Welt

Politische Ponerologie präsentiert das Thema auf radikal andere Art als die anderen Texte über Psychopathie und schlägt vor, dass der Einfluss der Psychopathen und anderer [psychologisch] Abweichender nicht nur einer der vielen Einflüsse auf unsere Gesellschaft ist, sondern, unter passenden Umständen, der Haupteinfluss ist, der unsere Lebens- und Denkweise und unser Urteilsvermögen, was rund um uns vorgeht, prägt. Wenn man die wahre Natur dieses Einflusses zu verstehen beginnt – dass sie gewissenlos, emotionslos, selbstsüchtig, kalt, berechnend und ohne jegliche moralische oder ethische Standards ist – , wird man richtiggehend entsetzt; aber gleichzeitig beginnt alles, Sinn zu machen. Unsere Gesellschaft wird immer seelenloser, weil die Menschen, die sie führen und das Beispiel abgeben, selbst seelenlos sind – sie haben buchstäblich kein Gewissen.

Wenn man zu verstehen beginnt, dass die Zügel der politischen und wirtschaftlichen Macht in den Händen von Leuten ruhen, die kein Gewissen, keine Fähigkeit zu echter Empathie haben, eröffnet das eine komplett neue Sichtweise auf das, was wir als “böse” bezeichnen. “Böses” ist nicht länger ein moralischer Standpunkt; es kann nun wissenschaftlich analysiert und verstanden werden.

Irre – wir behandeln die Falschen / Buchtip

Am Nikolaustag mussten einige Bücher aus dem Wandregal vorübergehend der Weihnachtsdeko weichen. Und so nahm ich ein Präsent aus dem letzten Jahr mal wieder in die Hand.
Irre – von Manfred Lütz.
Dieses fachlich fundierte, dennoch warmherzige und teils kabarettistisch anmutende Sahnestückchen möchte ich meinen Lesern gerne an’s Herz legen, ihm einen Platz auf dem Wunschzettel einzuräumen ist gewiss keine falsche Entscheidung 😉

Leseprobe

Wenn man als Psychiater und Psychotherapeut abends
Nachrichten sieht, ist man regelmäßig irritiert. Da geht es um
Kriegshetzer, Terroristen, Mörder, Wirtschaftskriminelle, eiskalte
Buchhaltertypen und schamlose Egomanen – und niemand
behandelt die. Ja, solche Figuren gelten sogar als völlig
normal. Kommen mir dann die Menschen in den Sinn, mit
denen ich mich den Tag über beschäftigt habe, rührende Demenzkranke,
dünnhäutige Süchtige, hochsensible Schizophrene,
erschütternd Depressive und mitreißende Maniker,
dann beschleicht mich mitunter ein schlimmer Verdacht: Wir
behandeln die Falschen! Unser Problem sind nicht die Verrückten,
unser Problem sind die Normalen!

Autor
Lütz, Manfred
Verlag
Guetersloher Verlagshaus
Auflage
15
Jahr
2009
Seiten
208
Sprache
Deutsch
Bestellnummer
B4344915
EAN
9783579068794
ISBN 10
3579068792
Maße
22.1×15.0x2.3cm
Gewicht
380 g
Einband
Gebunden

Was man für Geld nicht kaufen kann

Erst gestern hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit -ich nenne es jetzt einmal so 😉 – einem der letzten (Quer)Denker Offenbachs.
Wie es sich meist ergibt, kamen wir vom eigentlichen Thema Kommunalpolitik, hier insbesondere der sozialpolitische Bereich, auf „die Welt“ schlechthin zu sprechen,auf das grundsätzliche Übel, jeden und alles zu ökonomisieren. Nichts wird mehr ausgelassen, selbst die Natur als solches hat keinen grundsätzlichen Wert mehr, gemessen wird auch sie unter Verwendung von Kriterien wie Verwertbarkeit und Profit.
http://www.rosalux.de/natur-als-beute.html
Kein Lebensbereich bleibt ausgespart, ethisch-moralische „Grenzen“ verschwinden, die „Gesetze des Marktes“ machen vor nichts halt.
Dies ist in meinen Augen so widernatürlich, so respektlos, so inhuman, so erschreckend…
Ich weiß selbst, dass ich dagegen nichts tun kann, ausser beständig meinen  (aus kapitalistischer Sicht gewiss hoffnungslos veralteten) Prinzipien zu folgen und für mich Entscheidungen zu treffen. Doch das ist wohl ähnlich einem Sandkorn in der Sahara…unbedeutend letztlich als einzelnes…

Und jetzt stoße ich bei meiner morgendlichen www-Lektüre auf das

Plädoyer des Moralphilosophen Michael Sandel gegen Kommerzialisierung aller Lebensbereiche

Auszug:

Niemand fragt nach den moralischen Grenzen des Systems. Wie weit sollte der Markt in den Bildungsbereich hineinspielen, in die medizinische Versorgung, den Umweltschutz, in private Beziehungen und ins gesellschaftliche Leben? Das wäre die eigentliche Debatte!“

http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/sendung/ndr/2012/sandel-104.html

Ich selbst habe das Buch sofort auf meine Wunschliste gesetzt und spreche (mache ich sehr selten) auch ohne es gelesen zu haben jetzt schon eine Empfehlung aus.

Auszug:

Sandel ist überzeugt, dass bedingungslose Marktgläubigkeit letztlich die Demokratie bedroht, weil sie schleichend den Sinn für Gemeinschaft zerstört. Das Geheimnis seines Erfolges sind Sandels Fragen. Antworten gibt er nicht. Weshalb die Lektüre seines Buches bisweilen frustierend ist. Aber er macht Lust auf eine Debatte, die auch in Europa, spätestens seit der Finanzkrise, überfällig ist.“

 

Info-Box: Buchtipp
„Was man für Geld nicht kaufen kann. Die moralischen Grenzen des Marktes“
von Michael J. Sandel
Ullstein Verlag (9.11.2012)
ISBN: 978-3550080265
Preis: 19,99 Euro

Buchtip – Owen Jones: Prolls. Die Dämonisierung der Arbeiterklasse

In England ist man uns mal wieder einen Schritt voraus.
Zu den verachtenswerten Unterschichtlern gehören nicht (mehr) nur die Erwerbslosen.
Ich denke, dass ich mir das Buch Monatsende kaufen werde.

http://www.freitag.de/buch-der-woche/prolls

Zitat aus der Einleitung des Buches:

Wir alle kennen das. Man ist unter sich, und plötzlich lässt jemand
eine ungeheuerliche Bemerkung fallen. Einen kleinen Satz ganz
nebenbei, einen geschmacklosen Kommentar. Das Beunruhigende ist nicht
einmal so sehr die Bemerkung selbst, sondern die Tatsache, dass sie
offenbar sonst niemanden stört. Kein sorgenvoller Blick. Keiner zuckt
zusammen. Weiterlesen

Buchtip – Die Vorsorgelüge von Holger Balodis/Dagmar Hühne

Lesenswert für alle die, die ihren Kopf noch zum Denken nutzen und sich nicht von falschen Behauptungen wie „Demographiewandel aka Rentnerschwemme“ in die Irre führen lassen (wollen)

Wie Politik und private Rentenversicherungen uns in die Altersarmut treiben.

Riester-Rente, Kapital-Lebensversicherungen usw.: Die Modelle privater Vorsorge wurden geschaffen, damit die Menschen trotz der angeblich unter Druck stehenden Rentenkassen im Alter ein angemessenes Auskommen haben. Die Wahrheit ist: Den Profit streichen allein die Versicherer ein. Die Beitragszahler werden genau in die Altersarmut getrieben, die eigentlich verhindert werden sollte.

http://www.ullsteinbuchverlage.de/econ/buch.php?id=42061&page=suche&auswahl=a&pagenum=1&page=buchaz

Bücher von Thomas Wieczorek…

…beim Umräumen fielen mir  2 etwas ältere Werke in die Hände.Da kam mir der Gedanke, sie weiter zu empfehlen…

Wieczorek, der sich selbst als „radikalen Humanisten“ versteht 😉 schreibt eulenspiegelig, scharfzüngig und leicht verständlich. Wenn er als „linkspopulistisch oder tendenziös“ bezeichnet wird liegt das vermutlich daran, dass er mit klaren Worten den Finger in die vielfachen Wunden Deutschlands legt und mit Worten wie neoliberal,Lobby ect. nicht eben sparsam umgeht.

Polemik? Arroganz? Das wird ihm zwar in Rezensionen unterstellt, aber sagen vermeintlich „überhebliche“ Titel wie Die verblödete Repuplik  oder  Einigkeit und Recht und Doofheit das wirklich aus?

Oder sind sie nicht vielmehr eine, wenngleich unangenehme, Wahrheit?

Der geneigte Leser möge sich sein eigenes Bild machen…

 

engagez vouz! Die zweite Streitschrift von Stephane Hessel

Nun, fast könnte man Stephane Hessel für einen praktizierenden Buddhisten halten 😉 …denn folgerichtig fordert er nach der ersten Streitschrift Empört Euch – ( als download )  zum Handeln auf:

Engagiert Euch, engagez vouz!

Mein etwas augenzwinkernder Vergleich mit Teilen der buddhistischen Philosophie begründet sich unter Anderem darin, dass in dieser ein „Sinn“  negativer Emotionen wie Wut, Ärger -und, wenn auch nicht explizit genannt, Empörung- nur dann bejaht wird, wenn aus derartigen Emotionen anschließend  konstruktive Handlungen erwachsen, welche sich gegen die Ursache von eben Wut/Verärgerung usw. richten im Versuch, eine zum Positiven gewandte Änderung herbeizuführen.

Hier ein Auszug aus „Engagiert Euch!“:

Die zweite, ebenso schlimme, ja vielleicht noch schlimmere Gefahr ist die, dass wir unsere Erde, unseren Planeten so ohne jede Angst um die Zukunft ausgebeutet haben, dass es, wenn es so weitergeht, in ein paar Jahren zu spät sein wird, um maßgebende und nachhaltige Korrekturen vorzunehmen! Das Wasser wird nicht reichen, die Zerealien werden zu teuer sein, und der Energieverbrauch wird so ansteigen, dass eine schreckliche Verschmutzung unserer Umwelt die unausweichliche Folge sein wird. Diese Gefahren sind also da. Weiterlesen