Von „Schwarzköppen“, „Gutmenschen“ und der Wichtigkeit des Mitgefühls

Vorwort
Es herrschte Stille hier im Blog. Über einen längeren Zeitraum. Wieder einmal.
Nun könnte ich es mir einfach machen und lapidar eine „Schreibblockade“ als Erklärung vorschieben. Doch ganz so einfach möchte ich es mir gerade nicht machen, zudem ich ja auch recht gut weiß, worauf diese meine „Schreibblockade“ zurückzuführen ist.
Um es kurz zu machen:
Ich war und bin angewidert. Ich verspüre Ekel, großen Ekel. Ich ertrage das ganze Unrecht, die Ungerechtigkeiten und vor Allem die allgegenwärtigen Lügen kaum mehr. Dieses – für mich dem Grunde nach relativ neue – Gefühl wiegt mittlerweile tonnenschwer. Und derartige Gewichte „blockieren“…

Gewiss muss ich meinen Lesern nichts (mehr) von „Krisen“und von den großen menschlichen Nöten weltweit erzählen.Sie sind wohl mittlerweile unübersehbar geworden…im Gegensatz zu den oft versteckten Nöten derer, für die sich auch „im Jahre 10 nach Hartz“ viel zu wenig Menschen interessieren.
Die Rede ist von drangsalierten, gedemütigten und gebrochenen Menschen im Leistungsbezug des SGB2.
Von „Hartz4-Beziehern“ also.
Begleitet man diese Menschen bei ihren Besuchen im Jobcenter, versucht man, diese Menschen zu unterstützen, wird man dann häufigst mit genau dem konfrontiert, was (zumindest mir persönlich) schon allein via Presse, Internet und TV immer mehr Übelkeit, Zorn und Ekel verursacht:

Schamlose Lügen und geballte Menschenverachtung

Nein, ich werde jetzt nicht umfangreich schreiben, wie sehr es mich anwidert, wenn ich höre/sehe/lese, wie dreist den betroffenen Menschen (nach Lesart Mancher leider: Unter-Menschen) das Wort im Munde herumgedreht wird, wie man versucht, zugunsten des eigenen, aufgeblähten und dennoch kleinen Egos seine – eigentlich lächerlich geringe – „Macht“ zu demonstrieren und dabei auch vor gröbsten Lügen, widerlichsten Äußerungen und Handlungen nicht zurückschreckt.
Bis hin zur völligen, existentiellen Vernichtung des „Schmarotzers“!
Wie hinter geschlossener Bürotür so lautstark über „Schwarzköppe, Kanacken (Anm.: Migranten sind damit gemeint) und gefährliche Gutmenschen“ abgeledert wird, dass dies sogar Wartenden auf dem Flur nicht verborgen bleibt…
Nein, das unterlasse ich an dieser Stelle (noch!)
Vielmehr wollte ich festhalten, dass der folgene Satz Nietzsches (aus „Jenseits von Gut und Böse“) offenbar nichts an Bedeutung verloren hat:

„Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“

Für mich persönlich bedeuten diese Worte sehr viel, hielt ich mich doch für genug gefestigt und gefeit gegen „das Böse“.
Welch Trugschluss!
Mein Ekel vor einer ganz bestimmten „Sorte Mensch“, mein Zorn darüber, dass diese (scheinbar) ungebremst ihre schändlichen Taten fortsetzen können, ließ auch mich in manch Stunde gedanklich bereits zum „Ungeheuer“ werden…Näheres hierzu zu schreiben, verkneife ich mir…

Dank an meine Freunde in Nah und Fern

Vielen Gesprächen mit unterschiedlichen Menschen ist es letztlich zu verdanken, dass das „Ungeheuer in mir“ erkannt und (hoffentlich dauerhaft) gebannt wurde.
Das, was ich seit Jahren „predige“ 😉 (Empathie, Mitgefühl ect) ist in der Theorie schnell anzunehmen. Nur sollte mensch eben niemals das „Annehmen“ mit dem „Verinnerlichen“ gleichsetzen, denn erst in „Extrem-Situationen“ zeigt es sich wohl, ob man diese Werte auch tatsächlich zu 100% leben kann…und ich hoffe, es gelingt mir selbst auch künftig (wieder) besser, mich nicht mehr zu sehr von Ekel, Wut und Zorn vereinnahmen zu lassen.
Letztlich blockieren diese negativen Energien (bis hin zur Schreibblockade), verhindern eine klare Sicht auf die Dinge und verursachen schlechtestenfalls irreparable Schäden…bei anderen fühlenden Wesen UND sich selbst…

Ein Appell an die Empathie von Arno Grün

Die nachstehenden Worte des wunderbaren, weisen Psychologen Arno Grün möchte ich daher all den Menschen anreichen, die – wie ich selbst – das Vertrauen in den Sinn empathischen Eingehens auf „die Menschen“ ein Stück weit eingebüßt haben/hatten.
Vielleicht helfen sie dem ein‘ oder anderen Zweifler dabei, zu vermeiden, dass der Abgrund allzu tief in sie hineinblickt…
Danke für’s Lesen.
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„Wir glauben, unser Denken sei realistisch, wenn es von Mitgefühl befreit ist, von der Fähigkeit, Schmerz zu teilen, Leid zu verstehen, und vom Gefühl der Verbundenheit mit allen Lebewesen.
Denken wir aber ohne Mitgefühl, dann leben wir in einer Scheinwelt aus Abstraktionen, die Kampf und Konkurrenz zu den Triebkräften unserer Existenz machen. In dieser Welt der Abstraktionen dominiert die Gewalt.
Ein Bewusstsein, das auf Abstraktionen basiert und das Empathische verdrängt, entfernt den Menschen von der Realität. Es führt zu den uns zerstörenden gewalttätigen Kriegen, welche die Geschichte der Zivilisationen charakterisieren….
Der unmittelbare Ausdruck des Wahnsinns derer, die sich ganz ausschließlich der „Realität“ widmen, ist immer eine Art von Zerstörung. Dieser Wahnsinn verleugnet das Menschliche, wird aber öfters nicht erkannt, da es unter dem Deckmantel der scheinbaren Sorge für Menschen ausgetragen wird. Ihre Vertreter verstehen sich ein menschliches Antlitz zu geben, haben aber keinerlei entsprechende Gefühle, da sie keine Verantwortung für ihr zerstörerisches Tun akzeptieren….
Dies zu erkennen würde bedeuten, an das Fundament unserer, die Empathie unterdrückende, Zivilisation zu gelangen sowie Wettbewerb, Egoismus, Profitdenken, Wachstum und Leistung in Frage zu stellen. Wir müssen deshalb unser Bewusstsein zur Integration des Kognitiven und des Empathischen zurückführen.“
(Zitate aus „Der Wahnsinn der Normalität“)

Der Vergleich: Hartz4 vs. NS-Zeit. Darf „man“ das?

Die Antwort auf die in der Überschrift gestellte Frage beantworte ich mit einem klaren
Ja.
Ja, wenn es sachlich bleibt und verifizierbare Fakten genannt werden.
Ja, wenn man nicht vergisst, dass es sehr wohl Unterschiede gibt (wobei sich Geschichte ja wiederholt, nur eben niemals 1:1).
Ja, wenn bei aller Betroffenheit nicht der Eindruck erweckt wird, das Leid der unzähligen Opfer des NS-Regimes  relativieren zu wollen.
Ja, wenn nicht unreflektiert mit der Gleichmachungs-oder der Nazikeule zugeschlagen wird.
Und ja, wenn sich ein Artikel in der Form mit der Thematik auseinander setzt, wie es der Autor Paul Duroy tat.
Einen ungleich längeren und sehr anspruchsvollen Aufsatz zu diesem Thema hat auch der sehr geschätzte Holdger Platta geschrieben.
Nach Rücksprache mit ihm werde ich diesen auf Anfrage dem geneigten Leser zur Verfügung stellen, so ich darf.

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Arbeitsscheu Agentur

Hartz IV Über die brandgefährlichen Implikationen “moderner“ Arbeitsmarktpolitik

“Erwerbsfaehige, die angebotene Arbeitsplaetze zweimal ohne berechtigte Gruende abgelehnt oder die Arbeit zwar aufgenommen, aber ohne stichhaltigen Grund wieder aufgegeben haben, sind der Gestapo zu melden. (…) Diese Menschen sind in polizeiliche Vorbeugehaft zu nehmen. Vor allem sind hier zu beruecksichtigen:
Landstreicher, Bettler, Asoziale, Zigeuner und nach Zigeunerart herumstreunende Personen (…), die gezeigt haben, dass sie sich in die Ordnung der Volksgemeinschaft nicht einfuegen wollen.“

Heinrich Himmler in einem Schnellbrief-Erlass am 1.6.1938, zitiert aus Peter Longerich-“Heinrich Himmler-Eine Biographie“

Der Leser mag nicht erschrecken, dass zum Auftakt dieses Eintrages ein derart streitbarer Charakter zitiert wird. Dieses etwas krude Auftaktzitat darf der Leser in einem beißend grellen Lichte lesen, wenn er bedenkt, dass die “moderne“ deutsche Arbeitsmarktpolitik anno 2011 weiterhin unbeirrt auf die massive Mobilisierung der von vornherein als “arbeitsscheu“ Verdaechtigten durch den Staat setzt. Dem “modernen“ Staat ist keine “Arbeits-Maßnahme“ (die sich bereits im “Dritten Reich“ haargenau so nannte) zu schade, den doch nach der reinen Lehre eigentlich muendigen, aber derzeit arbeitslosen Buerger zu schikanieren und zu maltraetieren. Der Hartz-IV-Empfaenger ist von vornherein verdaechtig und hat, ohne Chance auf eine faire Diskussion auf Augenhoehe, von allem Anfang an eine zweifelhafte Bringschuld. Eines der ersten Essentials, welches ihm der sogenannte Arbeitsvermittler beim Erst-Antrag beibringen wird, ist die Pflicht nach Sozialversicherungsgesetzbuch, dass er im Grunde unrechtmaeßige Leistungen bezieht, fuer deren Bezug er im Gegenzug unbedingt, schnellstmoeglich und unter maximaler Zumutung eine neue Arbeit zu finden hat.
Unterschwellig wird dem Sozialgeldempfaenger suggeriert, dass er vom gesunden Volkskoerper zehrt und somit (und das Wort ist “dank“ BILD und anderen Hetz-Blaettern wieder erstaunlich salonfaehig geworden): ein “Sozialschmarotzer“. Auch wenn kein Mitarbeiter der Agentur fuer Arbeit das derart explizit ausdruecken wuerde.

1938 hatte der “Reichsfuehrer-SS“ Heinrich Himmler eine famose Idee: zur Totalisierung der kurz vor dem Eintritt in den Krieg stehenden deutschen Wirtschaft gaelte es ALLE verfuegbaren Arbeitskraefte zu maximalisieren und auszuschoepfen. Ein Ansatz war auch, das Freisein von Arbeit zu einem Verbrechen qua definitionem auszuküren: wer also nicht arbeitete oder frei umherzog, wurde gebrandmarkt als “Asozialer“, als und dies durchaus woertlich: “Sozialschmarotzer“, ein gefaehrlicher Parasit am eigentlich gesunden “Volkskoerper“. Im Zuge dieser Bemuehungen schuf Himmler ein Projekt, dem er sich nun mit Feuereifer zu wandte: das sogenannte “Projekt“ mit der etwas krumm klingenden Bezeichnung: “Arbeitsscheu Reich“.

Menschen, die als “Asoziale“ stigmatisiert wurden, die nach heutigen Begriffen psychisch krank waren, wurden demgemaeß in KZ’s zur Zwangsarbeit eingezogen (eben den sogenannten “Maßnahmen“ und man beachte uebrigens wie inflationaer die Agentur fuer Arbeit diesen Begriff in ihren Info-Broschueren benutzt), sie waren vogelfrei und konnten jederzeit nach einem “Sondererlass“ (oftmals sogar ohne einen solchen aus reiner Willkuer) wegen Faulheit (!) erschossen werden.

Meine eigene Erfahrung mit der Agentur ist zB, dass ich damals, als ich mich fuer ein halbes Jahr selbst auf Hartz IV begeben und mir irgendwann die Schmach antun musste, meiner “Vermittlerin“ zu erklaeren, dass mir aus psychischen Gruenden das ganze Verfahren absolut gegen den Strich geht (ich hatte zuvor allerdings auch ganz offen, unbedarft und ueberzeugt politisches Widerstreben ins Rennen gefuehrt), sie mir erklaerte, ich muesse erkennen, dass ich fortan vorrangig den Fokus auf den Erwerb eines neuen Jobs zu legen habe oder auf klardeutsch uebersetzt:
„Dass es Ihnen angeblich psychisch nicht gutgeht, habe ich ueberhoert, Sie fauler Sack, suchen Sie sich einen Job und es geht Ihnen wieder besser.“

Ja, da habe ich sofort bei mir bemerkt: vielleicht ist aufgezwungene Arbeit doch ein wahres Therapeutikum, vielleicht macht Arbeit, zumal nach allen Gesetzen des Neoliberalismus, doch frei und unbeschwert. “Arbeit macht frei“, dieses ermutigende Spruchband koennte nach der bestechenden Alleinstellung der Arbeit doch ueber allen Agentur-Eingaengen stehen, so dachte ich mir.

Absolut gaensehauterregend ist die (wenn auch unbewusste) Kontinuitaet quasi-faschistischen Denkens, das hinter dieser Glorifizierung der Arbeit als politisch-soziales Allheilmittel steckt und die strenge und konsequente Sanktionierung bei Nicht-Beachtung des auferlegten Prinzips. Heutzutage fuehrt der Weg der sanktionierten Faulheit zwar nicht mehr ins Arbeitslager und zur Gestapo, sondern in die kalte Ueberlassenheit der Markt-Gescheiterten, man wird dann eben zum Paria, zum Ausgestoßenen, zum Vagabunden und Landstreicher. Man wird nur abgestempelt und von den Medien stigmatisiert und marginalisiert als asozialer Einzlfall, als Schaedling am bundesrepublikanischen und doch eigentlich so gesunden Volkskoerper. Vorzeige-Asoziale werden als gewuenschte Marionetten dieses Zerrbildes im Fernsehen vorgefuehrt, quod erat demonstrandum. Die wiederum schueren einen Zorn der immer so leicht zu erregenden Mittelschicht, die sich absolut bestaetigt sieht in ihrer beschraenkten Weltsicht: fuer sie ist der Hartz IV-Empfaenger per se asozial, die alleinerziehende Mutter, die “Leistung“ bezieht, eine arbeitsscheue Halbmutter, die schon das naechste asoziale Individuum auf Staatskosten heranzieht.

Besorgniserregend ist beim Blick auf die “moderne“ Arbeitsmarktpolitik der Bundesrepublik, dass der freie Buerger als souveraenes Individuum als Empfaenger staatlicher Transferleistungen von einem Moment auf dem anderen zum verwalteten und zur Disposition stehenden Objekt verkommt. Die Transferleistung ist ploetzlich nicht mehr “Wohlfahrt“ und somit eine saekularisierte Form staatlicher milder Gabe, sondern eine Art von Minimal-Alimentation, die von vornherein grobe Verdaechtigungen gegen das verwaltete Objekt, den Transferempfaenger, aussendet.
Zur Disposition steht der Transferempfaenger in ALLEN Belangen: fast jeder Job ist zunaechst einmal zumutbar, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er Leih-/Zeitarbeiter wird und von dem Personaldienstleistungsunternehmen nach freier Verfuegung hin und her disponiert wird und, sollte der Empfaenger partout nicht arbeiten koennen/wollen, steht er zur gesellschaftlichen Disposition: dann erfolgt die Leistungssperre, der unausgesprochene Ausschluss aus der Gesellschaft, die “dispositio“, die der Lateiner mit “Entfernung“ uebersetzt. Man beachte auch, dass “waste disposal“ im Englischen “Muelldeponie“ bedeutet. Der Mensch ist zu Muell geworden, seine Arbeitskraft erschoepft und womoeglich ausgebeutet, das nunmehr asoziale Element wird der kalten und “bereinigenden“ Hand des Marktes ueberlassen. Diesselbe Hand wischt den nunmehr Verfemten leichterdings an den alleräußersten Rand der Gesellschaft.[…]

weiterlesen auf

http://www.freitag.de/autoren/paul-duroy/arbeitsscheu-agentur

Wer betrügt, der fliegt

 

Mit dem Slogan „Wer betrügt, der fliegt“ startete die CSU zum Beginn des Doppelwahljahrs 2014 eine Kampagne gegen Armutsmigration aus Osteuropa.
Dieser Art geistiger Brandstiftung kann mensch auf vielerlei Arten begegnen. Launig und schwarzhumorig ist eine Möglichkeit, von der gerade „im Netz“ viel Gebrauch gemacht wird.


Auch mir schossen da sofort einige bajuwarische Zeitgenossen durch den Kopf, seien es der „Gel-Gutti“

oder der FC-Bayernpräsident, hier ein BILD nach seinem Flug

Kein Stück witzig…

sind hingegen Ereignisse im Freistaat, die durchaus (auch) auf derartige und ähnliche geistige Brandstiftung zurück zu führen sein können.
Feuer im Asylbewerberheim Gmünden (Unterfranken)

Intelligent-eloquent, mit Biss ohne bissig zu sein…

…so möchte ich die Abhandlung zu diesem Thema bezeichnen, welche der von mir sehr geschätzte Autor Holdger Platta hierzu verfasste.
Auf diesem Weg nochmals herzlichen Dank für die Erlaubnis, diese veröffentlichen zu dürfen 🙂

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“Wer betrügt, fliegt”

Holdger Platta ©

 Gestern, jawohl, musste sogar ich einmal einen dieser ‚Businessliner’ nehmen, einen ‚Flieger’ von Hannover nach Berlin. Unaufschiebbare Familiensache, hier nicht weiter von Belang. Aber was traf ich da so alles auf diesem Flug in die bundesdeutsche Hauptstadt? Und was hörte ich da so alles? Ich füge hinzu: widerwillig genug!

 Nun, ich bediene mit meinem Bord-Service erstmal unser aller Augensinn.

 Fast nur Männer waren in diesem Flugzeug zu sehen. Und fast alle im Anzug, in hellen Hemden und edlen Schuhen, mit obligater Krawatte unter dem Hals. Nahkampfkleidung also der bundesrepublikanischen Geschäftswelt, Deutschlands Wirtschaftselite im feinen Zwirn. Und diese Gesichter! Können Gesichter aus Routine bestehen? Diese Gesichter konnten es. In einer Mixtur aus Eiseskälte und Höflichkeit, aus Glätte, Härte und Schlaumeierei. Das gibt es nicht? – Doch, das gibt es! Hier gab es das! Irgendwie trugen fast alle dieselben Gesichter. Nennen wir’s mal so, was ich da über den Schlipsen sah! Und was bitte teilte mir mein Hörsinn mit?

Selbstverständlich, viele der Herren waren bald mit ihren Laptops beschäftigt, versanken also rasch in eine abgeschlossene Lautlosigkeit. Doch viele andere redeten auch. Einige miteinander, einige in ihre Handys hinein. Und wieder und wieder vernahm ich da Halbsätze, Einzelwörter, hin und wieder auch klirrendes Lachen, kasernhofkurz – es gibt auch ein Lachen mit Händen an der Hosennaht! Hier hörte man es! -, gehorsamsgeil oder auch befehlsgewohnt. Zackig und auf Zack! Und das alles hörte ich da, die Wiedergaben sind gekürzt:

„Feindliche Übernahme“, „müssen wir reingehen“, „durchgezogen“, „Kaimaninseln“, „übers Limit getrieben“, „hatter dumm ausgesehen“, „im Vertrag bitte ganz hinten“, „Märchensteuer rausstreichen“, „dem schmeißen wir doch nicht noch unsere Caritas hinterher“, „rüberschieben nach Übersee“, „soll er selbst sehen“, „sind wir ein Wohltätigkeitsverein“, „Schweiz bitte nicht, auch nicht Luxemburg, Guernsey geht noch, am besten Bahamas…“

Seit diesem Flug weiß ich: die CSU hat Recht! – Nein, nicht so, wie sie es meint, nicht als Bestrafungsmaxime für Armutsmigranten aus Bulgarien, Rumänien oder sonstwo. Aber als Beschreibung alltäglicher Wirklichkeit über den Dächern unserer Republik:

Wer betrügt, fliegt!

 

Tabubruch Wahl“Outing“ – Warum ich am Sonntag die Linke wähle

Vorab:
Nein, der nachstehende Artikel ist nicht von mir.
Ja, und zwar ganz entschieden, zu der Argumentation
des Autoren Jens Berger

(…) Wenn es eine Partei gäbe, die zu einhundert Prozent meine Positionen teilt, dann hätte diese Partei wohl nur ein einziges Mitglied und wohl auch nur einen einzigen Wähler – und zwar mich. Es ist vollkommen klar, dass die konkrete Wahlentscheidung stets eine Abwägung verschiedener Positionen und Argumente ist. Dies kann man als die Wahl des größten gemeinsamen Nenners oder auch etwas boshafter als die Wahl des kleinsten Übels bezeichnen. Für mich ist die Linke, vor allem wegen ihres Programms, kein kleineres Übel, sondern eine gute Wahl.

Quelle und ganzer Artikel NachDenkSeiten

Und noch ein Ja: Auch meine Wahlentscheidung fiel  nicht schwer, auch ich wähle Die Linke…

Alarmierende Studie: 68 Prozent aller Erstwähler können keinen Stift mehr bedienen :)

 

Achtung Satire 😉 wenngleich…gar so unrealistisch ist dieser Artikel nicht mal.
Wie auch immer, einmal mehr köstlich, der Artikel im Postillon

Berlin (dpo) – Eine Studie des Instituts für Demokratie (IfD) hat ergeben, dass mehr als zwei Drittel aller Erstwähler nicht mehr imstande sind, einen Stift zu bedienen. Junge Menschen, aufgewachsen mit Joypad, Computermaus, Tastatur und Touchdisplay, scheitern demnach kollektiv daran, auf Wahlunterlagen mit Bleistift oder Kugelschreibern ihre Wunschpartei anzukreuzen. Einige verletzten sich sogar selbst (…)

(…) Auch ein Vorschlag der Piratenpartei, Tablets in den Wahlkabinen auszulegen, auf denen nur ein „Gefällt mir“-Button neben der jeweiligen Partei angetippt werden muss, droht zu scheitern. Erste Tests ergaben, dass diese von Wählern über 40 mit mitgebrachten Kugelschreibern zerkratzt werden.

weiterlesen und lachen

Holdger Platta – Auf dem Weg in einen „kalten Faschismus“?

Auf diesem Weg zunächst herzlichen Dank an Holdger Platta für die Überlassung des erweiterten Auszugs aus dem Buch Kaltes Land
In diesem Buch setzen sich über ein Dutzend Autoren mit der Zerstörung der gesellschaftlichen Solidargemeinschaft, auch „Sozialstaat“ genannt auseinander und werfen die Frage auf, ob die bundesdeutsche Gesellschaft auf einem Weg in einen „kalten Faschismus“ (Platta) ist und ob Harz IV als „Ein Bürgerkrieg der politischen Klasse gegen die arm Gemachten“ definiert werden muss (Prof. Hengsbach).

Hier die dezidierte Stellungnahme Plattas zu einem häufig kontrovers dikutierten Thema:

Immer mehr Menschen in der Bundesrepublik stellen sich eine besorgte Frage:

Gibt es Entwicklungsprozesse  im heutigen Deutschland, die uns denken lassen an die Endphase der Weimarer Republik und an das Dritte Reich? Und: ist es nicht nur möglich, Vergleiche anzustellen zwischen dieser Vergangenheit mit unserer Gegenwart, sondern könnte dieses Vergleichen sogar erforderlich sein – und zwar erforderlich gleich aus einem doppelten Grund:

 

  • sachlich, weil eine derartige Diagnose –  es gibt Entsprechungen zwischen damals und heute – auch einer Prognose gleichkommen könnte und weil
  • zweitens und in ethischer Perspektive diese Diagnose mithin eine dringliche Warnung vor einer humanitären Katastrophe enthielte.

Die Frage hinter meiner Frage lautet daher: gibt es – in der Tat: ich riskiere dieses Wort! – Entmenschlichungstendenzen in der Bundesrepublik, die den Faschisierungstendenzen während der Weimarer Republik ähneln,, und diese Entmenschlichungstendenzen bedrohen womöglich schon jetzt die humane Integrität der Bundesrepublik?

Rechte Faschismusvorwürfe: Bagatellisierung der Geschichte

Eines dürfte wohl unzweifelhaft sein: die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland mit ihrem Grundrechtekatalog stellt historisch nicht nur die politische Antwort dar auf das Dritte Reich, sondern diese politische Antwort hatte auch eine klare ethische, eine eindeutig humane Dimension. Faschismus, das war – und ist bis heute – nicht nur ein immens wichtiger Sachbegriff, Faschismus ist auch ein Wertungsbegriff. Faschismus, das ist nicht nur ein Begriff aus der Regimenlehre, nicht nur eine wertungsneutrale Kategorie zur Kennzeichnung bestimmter Gesellschaftssysteme, sondern ein Begriff der Kritik, der sich eng auf die Naturrechtsinteressen der Menschen stützt und bezieht. Faschismus war und ist in dieser Hinsicht stets auch gerichtet gegen die Maximen der Menschenwürde und der Menschenrechte schlechthin.  Freilich, ich füge hinzu:

Um so wichtiger wird es deshalb auch sein, beides voneinander zu unterscheiden: die sachliche von der ethischen Dimension. Es geht nicht um ein Entweder-Oder, es geht um ein Sowohl-Als auch. Was also hat es mit der Vergleichbarkeit/Unvergleichbarkeit der Bundesrepublik mit der Endphase der Weimarer Republik und den Anfängen des Dritten Reichs auf sich – sachlich wie ethisch gefragt?

Vielleicht überrascht es an dieser Stelle ja: mein Beitrag setzt inhaltlich ein mit einer Verteidigung unserer Kanzlerin Merkel. – Angela Merkel hatte im August 2010 das Sarrazin-Buch[1] mit den Worten kritisiert, daß diese Publikation „nicht hilfreich“[2] sei. Diese zarte Immerhin-doch-Distanzierung bedachte der Journalist Henryk M. Broder daraufhin, in der Sendung „Maybrit Illner“ am 2. September 2010, mit dem Satz: wenn „eine nicht für die Abgabe literarischer Urteile gewählte Kanzlerin ein Buch als nicht hilfreich“ bezeichne, grenze das „an die übelste Tradition der Reichschrifttumskammer des Dritten Reichs.“[3] Nicht nur der anwesende Grünen-Chef Cem Özdemir empfand diesen Vorwurf als „absurd“.[4] Ich komme darauf noch zurück. Vorher noch weitere  Beispiele für Bewertungen der Gegenwart, die sich unverkennbar auf unsere faschistische Vergangenheit beziehen.

Am Montag, den 27. Oktober 2008 – die weltweite Finanzkrise hatte einen ersten Höhepunkt erreicht – äußerte sich der Münchener Wirtschaftswissenschaftler und Ifo-Chef Hans-WernerSinn in einem Interview mit dem Berliner „Tagesspiegel“ folgendermaßen: man habe mit den „persönlichen Angriffen“ auf Bankmanager „nur Sündenböcke“ gesucht[5]. Und im weiteren Text wörtlich: „Damals“ – gemeint ist die erste große Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 folgende – „Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager.“[6] Auch hierauf gab es entsetzte Reaktionen in der Öffentlichkeit – doch später mehr dazu. Hier zunächst noch Beispiel Nummer drei für „vergangenheitsbezogene“ Einschätzungen der Gegenwart. Ich spreche vom Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff.

Dieser Politiker – damals, im Jahre 2008, noch niedersächsischer Ministerpräsident – äußerte sich keine zehn Tage später nach dem Statement des Ifo-Chefs Sinn ganz im Sinne von Sinn[7]: in der N24-Talkshow „Studio Friedman“ stellte sich Wulff mit dem folgenden Satz vor die weltweit in die Kritik geratenen Manager (Michel Friedman hatte den CDU-Politiker im übrigen nach dessen Verständnis von Gerechtigkeit gefragt):

            „Ich finde, wenn jemand 40 Millionen Steuern zahlt und Zehntausende Jobs

            schafft, dann muss ich nicht gegen den eine Pogromstimmung entwickeln,

            sondern dann kann ich sagen, er leistet einen wesentlichen Beitrag zu

            unserem Land und zu unserem Gemeinwesen.“[8]

Am Donnerstag, den 6. November 2008, war das, drei Tage vor dem Gedenktag an die nazistischen Pogrome im Jahre 1938, an jene Ereignisse also, da in Deutschland die Synagogen brannten, Hunderte von Juden ermordet, Tausende von Juden gefoltert und Zehntausende von Juden darauf des Landes vertrieben wurden.

Auch hier reagierte unter anderem der Zentralrat der Juden in Deutschland und forderte den Rücktritt des Ministerpräsidenten Wulff[9], auch hier gab es – soll man sagen: selbstverständlich? – eine Entschuldigung[10] wie im Falle Hans-Werner Sinn[11], auch hier wurde dabei eine geschichtstotalisierende Behauptung aufgestellt, die „fragwürdig“ zu nennen eher eine fragwürdige Beschönigung ist. Hatte Sinn in seinem „Offenen Brief“ an den Zentralrat der Juden geschrieben:

            „Die Suche nach vermeintlich Schuldigen führt stets in die Irre.“[12]

– – – man fragt sich: gilt das auch für Hitler, für Eichmann, für Höß, und gab es

bei der Krise 2008 keine Akteure? – Standen wir also bei diesem Wirtschaftsgeschehen vor einer Krise ohne Personal? Das Spielcasino war menschenleer gewesen? – – – Während Ifo-Chef Sinn also das Wirtschaftsgeschehen in die Anonymisierung schickte, verstieg sich Wulff in seinem Totalrückzug zu dem folgenden Satz:

            „Nichts kann und darf mit der Judenverfolgung und den schrecklichen

            Pogromen gegen die Juden verglichen werden…“[13]

Nichts, wirklich nichts? – Doch hier zunächst eine andere Frage, bevor uns das Wulff-Zitat beschäftigen wird. Wieso kommt es im Kontext mit deutscher Schuld im Dritten Reich immer wieder zur Erforderlichkeit von Entschuldigungen im Nachkriegsdeutschland?

Psychoanalytisch betrachtet, könnte man von einem Wiederholungszwangsprechen, der sich da geltend macht, von einem Vorgang also, der die Betroffenen nötigt, immer wieder eine Vergangenheit zu rekonstellieren, die doch eigentlich abgewehrt werden soll. Man  reiht sich mit Bemerkungen wie denen von Wulff und Hans-Werner Sinn gleichsam auf der Opferseite ein und entlastet sich damit – als Nachfolgegeneration der Eltern auf der Täterseite – von dem Druck, der auf einem selber noch liegt. Und beschwört gerade dadurch ein weiteres Mal die Entfremdung von den jüdischen Opfern damals herauf. Aber: es gibt eine Erklärung dafür, die einfacher ist und auf die ich später zurückkommen werde. Hier sei zunächst einmal das Folgende festgestellt:

Selbstverständlich liegen alle genannten Personen mit ihren Äußerungen falsch. Die äußerst zurückhaltende Kritik der Kanzlerin an dem Sarrazin-Buch in die „übelste“ Tradition der nazistischen „Reichsschrifttumskammer“ zu stellen, kommt einer Äußerung aus dem Tollhaus gleich. Die Reichsschrifttumskammer des Naziregimes hatte vor allem die Aufgabe, unliebsamen, vor allem jüdischen, SchriftstellerInnen den Weg zur Veröffentlichung ihrer Bücher zu versperren, diese Kammer organisierte also reichsweit das Berufsverbot für sogenannte „Feinde“ des Regimes[14]. Wo, bittteschön, hätte das Merkel getan? Sie hat ein Buch kommentiert, recht zaghaft zudem, das Alfred Grosser[15], der deutsch-französche Politologe, am 9. November 2010 in der Frankfurter Paulskirche als „sozialrassistisch“ bezeichnet hat[16]. Ganz gewiß stand Angela Merkel in diesem Falle ideologisch nicht auf der Seite der Faschisten von einst, sondern hatte Gegenposition bezogen zu deren Ideologie. Mit anderen Worten: hier wurde durch Broder ausgerechnet einer antifaschistischen Selbstpositionierung Faschismus unterstellt. Broder mag äußerst „scharfzüngig“ sein; „scharfsinnig“ war Broder in diesem Fall nicht. Mit seiner spitzen Zunge bediente er hier lediglich die stumpfesten Ressentiments. Und kennt sich offenbar beim Unterschied zwischen Zensur und Zensuren nicht aus.


[1]  Thilo Sarrazin: Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen. München 2010

[4] Siehe Anmerkung 2!

[6] Siehe Anmerkung 5!

[8] Siehe Anmerkung 7!

[9] Siehe Anmerkung 7!

[10] Siehe Anmerkung 7!

[12] Siehe Anmerkung 11!

[13] Siehe Anmerkung 7!

 [16] http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:EsS47dV

zum weiterlesen ab Seite 5 bitte auf den link klicken Holdger Buch Platta Auszug

Erich Kästner – Ansprache an Millionäre

Vor über 80 Jahren erschien von Kästner „Ein Mann gibt Auskunft“. Darin findet sich die „Ansprache an Millionäre“. Diese flammende Rede in Versform hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt, wenngleich man heute titeln müsste:
Ansprache an Milliardäre.

Der sozialkritische Lyriker Kästner hat, wie weise, damals bereits nicht an das Mitgefühl der Reichen appelliert. Er wies brilliant darauf hin, dass eine zunehmend in arm und reich gespaltene Gesellschaft auch für die Habenden gefährlich werden wird.
Er appelliert damit nicht an „das Gute“ im reichen Menschen, vielmehr an deren Geschäftssinn. Ich kommentierte hier unlängst noch im ganz ähnlichen Tenor, denn auch mir erscheint eine Aufrechterhaltung dieses turbokapitalistischen und menschenverachtenden Systems nicht nur für unfassbar ungeheurlich, vielmehr ist es auch im Höchstmaß töricht.
Kästners Appell hatte ich dabei gar nicht auf dem Schirm…

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Ansprache an Millionäre von Erich Kästner
Warum wollt ihr so lange warten,
bis sie euren geschminkten Frauen
und euch und den Marmorpuppen im Garten
eins über den Schädel hauen?

Warum wollt ihr euch denn nicht bessern?
Bald werden sie über die Freitreppen drängen
und euch erstechen mit Küchenmessern
und an die Fenster hängen.

Sie werden euch in die Flüsse jagen.
Sinnlos werden dann Schrei und Gebet sein.
Sie werden euch die Köpfe abschlagen.
Dann wird es zu spät sein.

Dann wird sich der Strahl der Springbrunnen röten.
Dann stellen sie euch an die Gartenmauern.
Sie werden kommen und schweigen und töten.
Niemand wird über euch trauern.

Wie lange wollt ihr euch weiter bereichern?
Wie lange wollt ihr aus Gold und Papieren
Rollen und Bündel und Barren speichern?
Ihr werdet alles verlieren.

Ihr seid die Herrn von Maschinen und Ländern.
Ihr habt das Geld und die Macht genommen.
Warum wollt ihr die Welt nicht ändern,
bevor sie kommen?

Ihr sollt ja gar nicht aus Güte handeln!
Ihr seid nicht gut. Und auch sie sind’s nicht.
Nicht euch, aber die Welt zu verwandeln,
ist eure Pflicht!

Der Mensch ist schlecht. Er bleibt es künftig.
Ihr sollt euch keine Flügel anheften.
Ihr sollt nicht gut sein, sondern vernünftig.
Wir sprechen von Geschäften.

Ihr helft, wenn ihr halft, nicht etwa nur ihnen.
Man kann sich, auch wenn man gibt, beschenken.
Die Welt verbessern und dran verdienen –
das lohnt, drüber nachzudenken.

Macht Steppen fruchtbar. Befehlt. Legt Gleise.
Organisiert den Umbau der Welt!
Ach, gäbe es nur ein Dutzend Weise
mit sehr viel Geld…

Ihr seid nicht klug. Ihr wollt noch warten.
Uns tut es leid. ihr werdet’s bereuen.
Schickt aus dem Himmel paar Ansichtskarten!
Es wird uns freuen.

Weisheiten in Kurzformat

Verbunden mit einem herzlichen Dankeschön an Holdger Platta möchte ich die mir überlassenen „Kürzest-Geschichten“ hier veröffentlichen.

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Holdger Platta ©

Über das Unglück

Der steinreiche Rothschild ließ einmal den alten Rabbi Yezzel zu sich kommen, denn der Ruf von dessen Weisheit war auch zu dem großen Bankier gedrungen. Rothschild zeigte sein großes Haus: die kostbaren Gemälde, die herrlichen Möbel, die teuren Gobelins, das wunder-bare Geschirr. Endlich sagte Rabbi Yezzel zu Rothschild: „Wie unglücklich mußt Du sein, um es so schön haben zu müssen.“

Dichten lernen

Kam ein Schüler zum berühmten Zen-Budhisten und Lyrik-Lehrer Ramsha  und fragte ihn: „Wie lange dauert es bei Dir, bis ich das Dichten gelernt habe?“ „Drei Jahre!“ antwortete der. „Und wenn ich mich anstrenge?“ „Zehn!“ erwidert Ramsha.

Wieviel Arbeit braucht der Mensch – Aufsatz von Prof. Dr. Marianne Gronemeyer

Ich halte meine Einleitung kurz, denn der nachstehende Aufsatz ist lang und äußerst bemerkenswert. Ich bitte meine Leser, diese – in vieler Augen gewiss „ketzerische“ – Abhandlung mit aller Ruhe zu lesen…und mit noch viel mehr Ruhe zu reflektieren, so Ihr mögt.

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Wieviel Arbeit braucht der Mensch?

Von Prof. Marianne Gronemeyer
Professorin für Erziehungswissenschaften und Buchauotrin

Der Titel, zu dem ich hier ein paar Überlegungen vortragen soll, ist gut gewählt, denn er bringt mit nicht mehr als fünf Worten die vollkommene Absurdität unserer Arbeitsverhältnisse auf den Begriff. In früheren Zeiten, als unsere Ahnen noch das zum Leben Notwendige zusammenjagten und -sammelten, war diese Frage leicht beantwortet, wenn sie sich denn überhaupt stellte: Man musste so lange ‚arbeiten‘ bis man satt zu essen hatte. Es wäre vollkommen sinnlos, ja sogar in höchstem Maße existenzgefährdend gewesen, wenn man versucht hätte, ein Mehr zu erwirtschaften durch mehr Arbeit; denn ihr Dasein konnten unsere frühen Vorfahren nur sichern, wenn sie sich ihre Beweglichkeit erhielten, unbehindert von einem Ort zum andern ziehen konnten, um das Lebensnotwendige zu finden. Weder Besitz noch Vorsorge waren dem Selbsterhalt zuträglich. Tragbarkeit, portability, nicht Besitz und Vorrat, war darum der höchste Wert. Jeder Besitz war beschwerlich.


Es wird von Anthropologen glaubhaft versichert, dass die Jäger- und Sammlerinnen- Kulturen in vorkolonialer Zeit, also bevor ihnen ihr traditionelles Wandergebiet  streitig gemacht wurde, nicht mehr als zwei bis fünf Stunden täglich für ihre Existenzsicherung aufwenden mussten. Die übrigen Stunden des Tages standen für Palaver, Schlaf und Gelage zur Verfügung.

► WIEVIEL ARBEIT BRAUCHT DER MENSCH

Noch in der bäuerlichen, sesshaften Lebensweise ist die Frage danach, wie viel Arbeit der Mensch braucht, offenkundig verrückt. Arbeit braucht man nicht, die hat man, und das einzige was über sie zu sagen ist, ist, dass sie getan werden muss. Arbeit ist nicht Gegenstand des Begehrens, sondern das Mittel, das dazu taugt, sein Dasein zu fristen. Sie ist ein notwendiges Übel oder einfach nur notwendig, und sie wird vom Winter, vom Feierabend und Festtag unterbrochen. Das Gegenstück der Arbeit ist also die Muße.

In der biblischen Tradition ist sie der Fluch Gottes, der über den erkenntnishungrigen Menschen gesprochen wird. Aber sie ist auch ein Segen, denn in ihr waltet ein Gesetz der Mäßigung, das eine Balance erhält zwischen den Kräften, die man verausgaben kann und dem Begehren, das an diesen Kräften seine Grenze findet. Ich komme darauf zurück.

Noch im 19. Jahrhundert konnten intelligente Leute darüber spotten, dass die Zeitgenossen versessen auf Arbeit waren, dass sie einer krankhaften Arbeitssucht verfallen und in eine geistige Verwirrung geraten waren. Als Heilmittel gegen diese Verirrung empfahl Paul Lafargue, der Schwiegersohn von Karl Marx, den Arbeitswütigen den wohltuenden Müßiggang und stimmte ein Lob der Faulheit an.

► ARBEIT SIEHT MANCHMAL ZIEMLICH ARMSELIG AUS

Bis ins späte zwanzigste Jahrhundert erhält sich diese Einstellung gegenüber der Arbeit. Hannah Ahrendt stellt sie in ihrer „Vita activa“ den anderen beiden Formen des menschlichen Tätigseins gegenüber, dem ‚Herstellen‘ nämlich und dem ‚Handeln‘. Und im Vergleich zu diesen beiden schöpferischen Formen der Tätigkeit sieht die Arbeit ziemlich armselig aus. Während aus dem Herstellen eine Welt von dauerhaften Dingen hervorgeht, die den Menschen in seiner ursprünglichen Unbehaustheit zu schützen vermag, ihm Geborgenheit und Heimat bietet; während das Handeln jener Teil des menschlichen Tuns ist, mit dem die Menschen ihr Miteinander und ihr soziales und politisches Leben regeln, dient die Kärrnerarbeit in nicht endendem Wiederholungszwang der Notdurft des Körpers, der nun einmal immer wieder aufs Neue unerhörte Anstrengungen zu seiner Aufrechterhaltung fordert: Nahrung, Kleidung, Wohnung. Arbeit ist weit davon entfernt, den Menschen zu seiner höheren Seinsbestimmung zu adeln. Er ist in animalischer Abhängigkeit an sie gefesselt um seiner nackten Selbsterhaltung willen. Genuin menschliche Tätigkeiten, die den Menschen vom animal laborans, vom arbeitenden Tier unterscheiden, sind nur das Herstellen und das Handeln.

In den 70iger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde, wie ich mich erinnere, über die tägliche Fron mit einem ‚Hoch lebe die Arbeit, so hoch, dass keiner rankommt‘, gewitzelt. Und 1978 veröffentlicht Ivan Illich in seinen ‚Fortschrittsmythen‘ einen großen Essay über ‚Schöpferische Arbeitslosigkeit‘, der trotz vollkommen veränderter Lebenslage nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Und nun hat auf einmal die Frage: „Wie viel Arbeit braucht der Mensch?“, die so tut, als sei die Arbeit ein wahrer Segen und als könne man dem Menschen nichts besseres tun, als ihn mit Arbeit zu beglücken, gar nichts Anstößiges mehr. Sie scheint geradezu den Kern aller menschlichen Begehrlichkeit zu treffen. Und tatsächlich steht der drohende Verlust der Arbeit sehr hoch oben auf der Rangliste der Befürchtungen, von denen Menschen heimgesucht werden. Weder der Klimawandel noch Kriegsgefahr können da mithalten, allenfalls unmittelbare gesundheitliche Gefährdung.

Was ist geschehen, dass die Arbeit von einem notwendigen Übel zu einem hochrangigen Lebensziel, dem alle in scharfer Konkurrenz nachjagen, mutieren konnte? Die Antwort ist bestürzend einfach: Es geht in der Frage gar nicht um Arbeit und Arbeit ist auch nicht erstrebenswert. Es geht um Geld. Die Frage: „Wieviel Arbeit braucht der Mensch?“ und jene andere: „Wieviel Geld braucht der Mensch?“ sind gleichbedeutend. Arbeit haben heißt Geld haben. (Mehr oder weniger, versteht sich, aber das lassen wir jetzt einmal beiseite.)

Mit der Gleichsetzung von Arbeit und Geld erfährt die Arbeit eine unerhörte Entwertung, obwohl sie scheinbar so begehrenswert ist wie nie zuvor in der Geschichte. Von den unendlich vielen Weisen, sein Dasein zu sichern durch verschiedenste, an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten angepasste Unterhaltstätigkeiten und von den verschiedensten Weisen, das gesellschaftliche Miteinander zu gestalten, ist nur die Arbeit für Geld übrig geblieben. Überhaupt sind die Menschen in der industriellen Gesellschaft auf drei Tätigkeitsformen festgelegt, die alle drei verheerende Folgen haben für die Menschen, die radikal entfähigt werden, und für ihre Lebensgrundlagen, die radikal geplündert werden.

► MENSCHEN WERDEN HILFLOSER UND ABHÄNGIGER

Tagsüber sind diejenigen, die Jobs haben, Produzenten von Waren und Dienstleistungen in hochspezialisierten Arbeitsprozessen, in denen sie weder Sinn noch Bedeutung finden können, deren letzter und einziger Sinn darin besteht, dass man dafür Geld bekommt, denn die Verfügung über Geld ist nun einmal die einzige Weise, sich am Leben zu erhalten in einer Gesellschaft, in der alles bewirtschaftet und alles zur Ware geworden ist. Hauptresultat aller modernen, industriellen Gesellschaften ist die „Abwertung der individuell-persönlichen Fähigkeit, etwas zu tun oder zu schaffen, die der Preis jedes zusätzlichen Quantums an Warenüberfluss ist“, schreibt Ivan Illich. Also je mehr Substitute für eigenes Tun industriell erzeugt werden, desto hilfloser und abhängiger werden die Menschen, während sie jedoch glauben, durch die Ersparnis von Mühsal immer unabhängiger und freier zu werden.

Abends, nach der Arbeit sind die Produzenten Konsumenten, und noch wenn sie schlafen, konsumieren sie, garagiert neben ihren abgestellten Autos, gleichsam auf Transitstation ihre Unterbringung und produzieren an sich selbst so viel Erholung, dass sie anderntags wieder produzieren und konsumieren können. Die Konsumzeit wird gewöhnlich für arbeitsfreie Zeit, für Freizeit erachtet, aber tatsächlich ist das Konsumieren einerseits selbst eine herbe Untertanenpflicht, der sich niemand ungestraft entziehen kann. Und andererseits müssen wir, um überhaupt konsumieren zu können, immer mehr Schattenarbeit verrichten, jene unbezahlte Arbeit, die notwendig ist, um uns die Marktofferten zugänglich zu machen, um unzulängliche/wertdefiziente Waren oder Dienstleistungen so aufzubessern, dass wir sie brauchen oder verbrauchen können.

Ivan Illich, der diese Art von Arbeit präzise analysiert und identifiziert hat, schreibt: „Schattenarbeit wird geleistet von dem Konsumenten, insbesondere im konsumierenden Haushalt. Als Schattenarbeit bezeichne ich all jene Tätigkeiten, durch die der Verbraucher gekaufte Waren in ein nutzbares Gut umwandelt. Schattenarbeit umfasst die Zeit und Mühe, die wir aufwenden müssen, um der gekauften Ware jenen Wert hinzuzufügen, ohne den sie für den Gebrauch untauglich wäre.“ [1] Schattenarbeit wird insbesondere im Dienstleistungssektor geleistet. Schularbeitenhilfe für die Kinder, Transport der Kinder zu den zahlreichen nachmittäglichen Förderungsmaßnahmen, die Heimwerkerei des Ikea-Kunden, das Warten im Sprechzimmer des Arztes, der Gang zur Berufsberatung, die therapeutischen Maßnahmen, die notwendig werden, damit Kinder und Erwachsene ihren institutionellen Alltag überhaupt überstehen können, die Wartung des Autos, die Bedienung des häuslichen Maschinenparks, die Mülltrennung, das Pendeln zum Arbeitsplatz, das Warten vor der roten Ampel usw. usw.

► SCHATTENARBEIT UNBEZAHLBAR

All dies sind Tätigkeiten, die nicht mir selbst oder dem Mitmenschen gelten. Sie sind viel mehr ein Dienst an den Institutionen, die den Menschen die Zuständigkeit für ihre eigenen Angelegenheiten überhaupt erst entzogen haben. Durch Schattenarbeit richten sich die Konsumenten/Produzenten selbst und gegenseitig für ihre Institutionen- und Maschinentauglichkeit zu. Schattenarbeit macht immer mehr Teilprozesse von Dienstleistungen, die wir ja bezahlen müssen, zur unbezahlten Obliegenheit der Konsumenten. Inzwischen müssen wir den Banken die Arbeit durch Tele-Banking erleichtern, der Bahn AG durch die Selbstbedienung im Internet, der Telekommunikation ihren Konkurrenzkampf durch penible Preisvergleiche ermöglichen.

Immer mehr Zeit muss in diese Handlangerei für den Apparatus investiert werden, Zeit die den Wohltaten, die wir einander gewähren könnten, abgeht. Das also ist die heilige Dreifaltigkeit moderner Arbeit: Produktion, Konsumtion und Schattenarbeit. Die Frage, wie viel Arbeit der Mensch brauche, könnte unter diesen Umständen zum Stoßseufzer, zur Frage danach werden, wie er der Knechtung durch Produktion, die ihn bis zur Lebensuntüchtigkeit spezialisiert, durch Konsumtion, die ihn gierig und vollständig abhängig, ja erpressbar macht, und durch Schattenarbeit, zu der er in einem Akt der Geiselnahme gezwungen wird, entgehen könne. Sie könnte uns daran erinnern, dass Arbeit keineswegs erstrebenswert ist, jedenfalls nicht die Arbeit, die wir für Geld tun müssen. In ihr könnte sich der Wunsch nicht nach einem Mehr an Arbeit, sondern nach einem Weniger an Arbeit ausdrücken.

Moderne Arbeit, auf die alle so scharf sind, dass sie zum obersten Bedürfnis avanciert ist, hat schwerwiegende Folgen für den arbeitenden Menschen, die sich gegenseitig bedingen und aufheizen. Sie macht  Zeit knapp, sie macht Menschen hilflos und bedürftig, sie macht Begehren maßlos, und sie bedroht den sozialen Frieden durch rücksichtslose Konkurrenz aller mit allen um die knappen Ressourcen.

Die Zeit wird knapp, denn sie wird in der Dreifaltigkeit unserer Pflichten buchstäblich aufgerieben. Andererseits aber gehen wir mit der immer knapper werdenden Zeit immer verschwenderischer um: Die Zeit, die wir in sinn- und bedeutungslosen Arbeitsvollzügen zubringen, geben wir als Lebenszeit schon verloren. Das sind also mindesten 8 Stunden täglich, die wir schon abgeschrieben haben und die wir nolens volens als den Preis erachten, den wir nun einmal für die Segnungen der Freizeit zu entrichten haben. Arbeitszeit fällt als Zeit sinnerfüllten Lebens aus, wie sehr wir auch bemüht sein mögen, sie uns als sinnvoll verbrachte Zeit schmackhaft zu machen. Wir tendieren ja dazu, Arbeiten zu unterscheiden je nachdem, wie viel  Befriedigung sie uns zu geben vermögen.

► SINNERFÜLLTE ARBEIT

Ist die Arbeitszeit des Chirurgen, des Hochschullehrers, des Politikers, des Landwirts oder Programmierers nicht unendlich viel sinnerfüllter als die Arbeitszeit des Fließbandarbeiters, der Putzfrau oder des Müllwerkers. Interessanterweise werden die Arbeiten, die als sinnstiftend und befriedigend eingeschätzt werden, in unserer Gesellschaft ja entschieden besser entlohnt, als die niederen Arbeiten, die keiner machen will, während es doch gerade umgekehrt sein müsste. Aber die sinnvolle Arbeit müsste sich nicht nur an dem persönlichen Wohlbefinden desjenigen, der sie verrichtet bewähren, sondern daran, dass sie gute Arbeit ist, das heißt solche, die nützt und nicht schadet.

Meine zugegebenermaßen anstößige These ist nun die, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der es so gut wie keine gute, berufsmäßige, also für Geld verrichtete, Arbeit gibt. Dass alle Arbeit, die der industriellen Erzeugung von Waren und Dienstleistungen gewidmet ist, mehr schadet als nützt. Wer könnte heute noch sagen, dass er gute Arbeit verrichtet. Alles was wir heutzutage berufsmäßig tun, schadet mehr als es nützt: die Landwirtschaft zerstört den Boden, den sie beackert, verseucht und vergiftet ihn oder bringt ihn ganz zum Verschwinden. Die technischen Errungenschaften zerstören unsere Lebensgrundlagen oder reparieren allenfalls, was sie gerade zerstört haben, um so unbedenklicher weitere Zerstörung anzurichten.

Medizin macht krank, Schulbildung verdummt und macht die sogenannt  ‚Gebildeten‘ unsozial, Rat und Hilfe führen geradewegs in immer perfektere Verwaltung, die Spitzenkräfte der Wissenschaft stellen ihr Know How der Vernichtungsindustrie zur Verfügung (mehr als 40 Prozent der hervorragend ausgebildeten Wissenschaft stehen in irgend einer Form im Dienst der Rüstungsindustrie.) Ich bin sicher, dass Sie mir diese These als steil und haltlos ankreiden werden, aber es ist sicher der Mühe wert, sie minutiös zu untersuchen. Wenn ich recht habe mit meiner These, dann ist Arbeitszeit verlorene Zeit, selbst wenn sich die Arbeitenden fidel und vergnügt damit arrangieren und allen Ehrgeiz daran setzen, schlechte Arbeit noch besser zu machen.

► WIR VERNACHLÄSSIGEN FÄHIGKEITEN

Moderne Arbeit macht die Menschen – zweitens – hilflos und bedürftig. In dem Maße, in dem wir, versorgt mit Waren und Dienstleistungen aller Art, uns nur noch darum kümmern müssen, dass wir gute Geldverdiener sind, spezialisieren wir uns auf die Tätigkeit, die Geld heckt, und vernachlässigen alle anderen Fähigkeiten, die uns zu mehr Daseinsmächtigkeit verhelfen könnten. Wir werden kriegende Menschen, das heißt solche, die das, was sie zum Leben brauchen, kaufen, also kriegen müssen. Die Industriegesellschaft ist ihrer eigenen Dynamik nach darauf angelegt, ihre Mitglieder lückenlos mit allem zu versorgen, und die Menschen der Selbstsorge und der Zuständigkeit für ihre eigenen Angelegenheiten völlig zu entheben.

Es ist gelungen, die Menschen glauben zu machen, dass dies ein großer Gewinn an Freiheit sei, während es doch ein enormer Zuwachs an Abhängigkeit von den ‚Segnungen‘ der Versorgungskultur ist, die die Menschen der Verfügungsgewalt über ihre eigenen Belange vollständig beraubt. Ich muss mich nur in meiner eigenen Lebensgeschichte umsehen, um mich darüber zu entsetzen, wie viele von den Lebens- und Sterbensverrichtungen, die in meiner Kindheit noch ganz selbstverständlich in der Verfügung von  jedermann und jederfrau waren, von der Reparatur der Dinge des täglichen Bedarfs über die Kurierung von Kinderkrankheiten bis zum Sterbebeistand von mir ausgeführt worden sind. Sie fallen heute in die Zuständigkeit von Experten, die sie als Dienstleistungsware feilbieten und jeden Versuch, davon keinen Gebrauch zu machen, nicht nur mit professioneller Strenge entmutigen, sondern sogar scharf sanktionieren.

Bedürftige Menschen sind – drittens – unersättlich. Denn der Zusammenhang zwischen dem, was wir kaufen, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen, geht vollständig verloren: Unsere Versorgung steht immer unter dem Vorbehalt des Ungenügens. Sie macht die Versorgungsansprüche unersättlich und verlangt angesichts der Bedrängnis meines prekären Lebens immer ‚Mehr-vom-gleichen-Versorgungsmuster‘: mehr Lebensjahre, mehr Gesundheitsmaßnahmen, mehr Leidvermeidung, mehr Zerstreuung und Ablenkung, mehr Supermarkt, mehr Sicherheitsgarantien und mehr Geld, das vor allem. Wir haben uns um unserer Versorgtheit willen unser Tun stehlen lassen, und das ist verhängnisvoll.

Im eigenverantwortlichen Tun waltet ein inneres Gesetz der Mäßigung: es kostet Zeit und Kräfte. Beides steht uns Menschen nur in einem begrenzten Umfang zur Verfügung. Die Verführung besteht darin, diese Grenzen zu sprengen. Mit Hilfe der Arbeitsteilung und dem Einsatz von ‚Energiesklaven‘ (H.P.Dürr), die uns von unserem Tun entfremden und uns zu Geldverdienern machen, hat unsere Befehlsgewalt eine überwältigende Steigerung erfahren. Mit einem einzigen Knopfdruck, einem einzigen Schalterkippen, einer minimalen Handhabung können wir ganze Kolonnen von Arbeitskräften in Dienst stellen, die wir nie kennenlernen werden, denen wir nicht einen einzigen Befehl zurufen.

Ich drehe den Wasserhahn auf und beschäftige eine unübersehbare Fülle von dienstbaren Mensch-Maschine Komplexen, von denen ich nicht einmal weiß, dass es sie gibt. Ich schalte Licht an, und lasse die Puppen tanzen, ohne mir Rechenschaft über ihre Existenz geben zu müssen. Das einzige, das mich mit diesen dienstbaren Gespenstern verbindet, ist eine gewisse Summe Geldes, die ich irgendwo hinterlege und deren Beförderung an die zuständige Empfangsstelle wiederum Hunderte von Dienstleistern mobilisiert.

► ZWIEBELN AUF DEM KÜCHTENTISCH

Ich kaufe ein paar Zwiebeln, die mich – so will es das Gesetz – über ihre Herkunft informieren müssen, und ich lese, dass sie weit gereist sind. Sie kommen aus Argentinien. An der Kasse zahle ich ein paar Cent. Und mit diesem Scherflein habe ich Piloten, Kopiloten, Flugüberwachung, Beladungspersonal, Flugzeugbauer und -konstrukteure, die Ölindustrie mit ihrer gesamten Entourage,  Agrobusiness, Speditionsfirmen für den Landtransport, die Lastwagenfahrer und die Lastwagenbauer, das Personal der WTO, das die Handelabkommen austüftelt und zuguterletzt auch die miserabel entlohnten argentinischen Bauersfrauen und Tagelöhner zu meinen‚ Söldnern‘ gemacht. Vollkommen aussichtslos, eine auch nur annähernd komplette Liste derjenigen zu erstellen, die daran beteiligt sind, dass mein Pfund Zwiebeln auf meinem Küchentisch landet. Denn auch ich bin ja mit meinem Auto auf Straßen, die gewartet und überwacht werden, in den Supermarkt gefahren, dessen Personal meinen Einkauf und meinen Zahlungsverkehr ermöglicht.

Ich habe mein Geld von der Bank geholt, hinter der ebenfalls ein gewaltiger Apparat steht und so weiter und so weiter. Und wie lächerlich geringfügig ist mein Einsatz für diese allgemeine Mobilmachung von Mensch und Maschine: die paar Cent, die ich in Bruchteilen einer Stunde mit meiner Arbeit ‚verdient‘ habe, genügen als Gegenleistung für diese ungeheure Mobilisierung von Kräften. Ein überwältigendes Missverhältnis gibt sich, wenn auch nur schemenhaft zu erkennen, und lässt mich ahnen, dass zwischen meinem Versorgtsein und  meinem Tun keinerlei Verbindung mehr besteht, weder in der Erfahrbarkeit noch in der Größenordnung, deren Dimensionen gigantisch sind.

Kein Wunder, dass mich das um den Verstand bringt, will sagen, um das Gespür für Angemessenheit und um das Gefühl dafür, wann etwas genug ist. Stellen wir uns nur einen Augenblick lang jene anderen Zwiebeln vor, die ihrer Art nach völlig unvergleichlich mit den argentinischen sind. Ich meine jene Zwiebeln, die in meinem Garten gedeihen, auf dem Boden, den ich bearbeitet habe, mit dem Kompost, den ich übers Jahr gesammelt habe, gedüngt, deren Gedeihen ich beobachtet und deren Erntereife ich geduldig erwartet habe und die dann vom Garten in die Küche getragen werden und eine Mahlzeit bereichern. An diesen Zwiebeln kann ich meine Ansprüche ausrichten, denn ich weiß um die Mühe und den Aufwand an Zeit, und um die nicht in meiner Verfügung stehenden Kräfte ihres Wachsens, den Regen und die Sonne, und alles was im Boden kriecht und wirkt.

Oder: stellen wir uns das Wasser vor, das die afrikanischen Jungen morgens bei Sonnenaufgang von der nahen oder weiter entfernten Wasserstelle herbeigetragen haben im Vergleich zu jenem, dass aus unseren Wasserhähnen läuft. Wie einfach ist es für diese Jungen zu ermessen, was genug sein bedeutet, denn sie wissen um die Anstrengung, derer es bedarf, um mehr zu haben. Solange alle unsere Anstrengung dem Gelderwerb gilt, haben wir unsere Urteilskraft in der Frage, was wir brauchen eingebüßt. Vom Geld kann man halt nie genug haben.

► LATENTER KRIEGSZUSTAND

Konsumenten sind – viertens – ‚kriegende‘ Menschen, so haben wir festgestellt. Kriegende Menschen sind aber nicht nur solche, die alles, was sie zu brauchen glauben, kriegen müssen, sondern auch solche, die mit allen anderen im latenten Kriegszustand leben. Denn alle anderen sind genau so darauf angewiesen, von den knappen Vorräten genug abzukriegen. Jeder Vorteil des einen ist nur zu haben um den Nachteil des anderen. Und so ist das Prinzip der Verfeindung die Grundlage der konsumistischen Gesellschaft.

Die Frage: wie viel Arbeit braucht der Mensch ist also einerseits getrieben von der Sorge, mir meinen Vorteil auf dem Markt der knappen Ware ‚Arbeit‘ zu sichern und andererseits von dem Überdruss an einem Tätigsein gezeichnet, das mich als Person leer ausgehen lässt, wie viel Geld auch dabei herausspringt.

Und noch eine Bemerkung zum Schluss: Wenn ich mit der These recht habe, dass wir heute in jedweder beruflichen Tätigkeit mehr Schaden anrichten als nützen, dann können wir getrost unser Verhältnis zu den Arbeitslosen, die wir gern als Gescheiterte ansehen, überdenken. Nicht sie, sondern die im Arbeitsleben Stehenden hätten sich dann die Sinnfrage zu stellen und stünden in einer vollkommenen Umkehrung der Beweislast unter Rechtfertigungszwang.  (Text: M.Gronemeyer)


 

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► Fußnote und Quellenangabe


[1]  Ivan Illich: Genus. Zur einer historischen Kritik der Gleichheit. München 1995, S. 31.

Quelle:   Denk-doch-mal.de  


http://www.kritisches-netzwerk.de/sites/default/files/u17/Denk_doch_mal_Netzwerk_Gesellschaftsethik.png  http://www.denk-doch-mal.de/




Getreten, geprügelt, mit Reizgas bekämpft: Blockupy Frankfurt, drei Erlebnisberichte

Vorab: Ich selbst war diesmal nicht dabei.
Der Erlebnisbericht ist die sehr emotional geprägte Verschriftlichung der persönlichen Eindrücke eines 64jährigen Ökonomen.

Normalerweise hätte ich auch dieses Jahr wieder an der Demo teilgenommen. Warum mein Sohn mich eindringlich warnte und regelrecht ängstlich wirkte bei dem Gedanken, ich könne wie so oft für unsere Rechte auf die Strasse gehen, weiß ich nicht. Bauchgefühl, Vorahnung?
Ich habe ihn noch ein wenig veräppelt ob seiner Eindringlichkeit, sah selbst die Gefahr eher für den Tag zuvor (Blockade der EZB) und keinesfalls für die Demo.
War ich doch der irrigen Meinung, die hessische Führung hätte aus dem Desaster der letzten  Blockupy-Tage gelernt, denn die Ohrfeige des Verwaltungsgerichtes zu den damaligen grundrechtswidrigen Aktionen war doch schallend. Und dieses Jahr war schließlich alles genehmigt, einschließlich der Route…
Da ich mich dann am Samstag körperlich alles andere als fit fühlte, habe ich dem Drängen meines Nachwuchses schließlich nachgegeben, eher etwas verärgert darüber, mich nicht stabil genug zu fühlen für den Marsch.
Tja, ob das vielleicht eine – für meine Restgesundheit vermutlich positive – Entscheidung war, die mir da von meinem Körper abgenommen wurde? Ich weiß es nicht….

Diesen „schwarzen Samstag“ zu bewerten, erspare ich mir. Das Netz ist voll mit Berichten und Videostreams, der (ab)geneigte Leser kann sich sein eigenes Bild davon machen und selbst beurteilen, ob unser Grundgesetz noch das Papier wert ist, auf dem es geschrieben steht…

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Um 12 Uhr herum setzte sich der Zug in Bewegung. Nur 20 Minuten später und lediglich dreihundert Meter weiter, ging nichts mehr. Die Demonstration stand in einer öden Hochhausschlucht.

Was war passiert? Eine Armada von hochgerüsteten und vermummten Polizeikriegern hatte im ersten Teil der Demonstration den Block der Interventionistischen Linken aus dem Nichts heraus brutal überfallen und eingekesselt. Mit FreundInnen stand ich unmittelbar an der Nahtstelle. Vor mir fünf dichtgedrängte Reihen schwarzer Repressionskräfte. Dahinter der Kessel mit vielen hundert DemonstrantInnen und einem Lautsprecherwagen. Links und rechts vielgeschossige Häuserwände, davor schließlich das Ende der Demonstrationswelt in Form einer massiven Wand von furchterregend mit Helm, Schlagstöcken, Chemiesprayern, Pistolen etc. bewaffneten Hundertschaften.

weiterlesen auf  Demobericht Ffm 1.6.13

passend dazu http://wkaffo.blogsport.eu/2013/06/02/blockupy-ffm-erster-kurzbericht-eines-aktivisten/

zum heulen  ericht eines Demo-Sanitäters

Das Glück und die Freude – eine Geschichte…

…welche eine liebe Bekannte verfasst hat und die ich sehr gern veröffentliche.
Eine Bitte:
Sollte diese Geschichte Euch gefallen und Ihr möchtet sie weiterverbreiten, bitte fragt zuvor bei mir an, so dass ich die Anfrage weitergeben kann, denn das copyright liegt ausschließlich bei der Autorin Regina H.
Danke dafür.

Das Glück und die Freude

Eines Tages begegneten sich das Glück und die Freude zufällig auf der Straße.
Das Glück schillerte in allen Farben und wusste sich prächtig zu präsentieren.
Es zog jede Menge Leute an, die ihm in Scharen folgten: Glücksritter, Lottospieler, Pechvögel mit großer Hoffnung, das Glück endlich zu erreichen, Gaukler, Mitläufer und Statisten, ein buntes Sammelsurium.
Das Glück schillerte, lachte, sang und rief laut. „Kommt her! Hier findet ihr mich!“

Die Freude kam eher unscheinbar daher. Sie kleidete sich in ein taubengraues Gewand, lächelte still vor sich hin und summte ab und zu leise eine kleine Melodie.

„Ich“, sagte das Glück voller Stolz, „bin reich und bin zu beneiden. Mir folgen die Leute. Du dagegen, schau dich doch an. Ganz allein gehst du deines Weges“.

„Ach“, sagte die Freude, „das ist schon in Ordnung. Wer mich sucht, wird mich finden. Ich brauche keine Gefolgsleute. Es reicht, dass ich da bin, dass es mich gibt“.

„Das glaubst du doch wohl selbst nicht“, lachte das Glück die Freude aus. „Wenn dir niemand folgt, wie willst du dann wissen, dass du überhaupt existierst?“

„Ich bin“, antwortete die Freude, „denn sonst könnten wir jetzt nicht miteinander reden.“

„Und wenn schon!“ tönte das Glück. „Gefolgschaft ist alles! Je mehr Leute mir folgen, desto besser. Bei mir spielt die Musik! Hier ist immer was los!“

„Wie lange werden sie dir folgen?“ fragte die Freude. „Ist es nicht so, dass sie sich von dir abwenden werden, wenn du dein Gesicht vor ihnen verbirgst? Noch haben sie die Hoffnung, dir zu begegnen und dich zu ergreifen. Doch auch die Hoffnung wird eines Tages sterben, und du wirst allein sein.“

„Na und? Lasst uns den Tag leben, so wie er kommt! Jetzt lacht das Glück! Was morgen ist, ist doch egal!“

„Wenn du dich da mal nicht täuschst“, sagte die Freude leise. „Was bleibt denn, wenn du nicht mehr da bist? Unglück? Pech? Katastrophen? Ich, die Freude, werde all das überdauern“.

„Unsinn“ konterte das Glück. „Ich bleibe auch da. Auch wenn ich vielleicht nicht aktiv bin. Oder ich bin grade woanders und bringe jemand anderem Glück“.

„Bist du nicht von vielen äußeren Faktoren abhängig?“ fragte die Freude. „Die Leute sagen ‚oh wir haben Glück, denn die Sonne scheint’ oder ‚ich hatte Glück, ich habe in der Lotterie gewonnen’. Doch wie gewonnen, so zerronnen. Ist es denn ein Unglück, wenn die Sonne mal nicht scheint, sondern es regnet? Ist der Regen nicht ein Glück für die Landwirtschaft? Ist es denn ein Unglück, wenn das Los, das du in der Lotterie gezogen hast, eine Niete ist? Ist deine Niete nicht ein Glück für den Lotteriebetreiber?“

„Quatsch“ sagte das Glück „du willst mich nur durcheinander bringen“. Aber es sah schon viel unsicherer aus den Augen und sein Schillern ließ ein wenig nach.

„Ich“, sagte die Freude „bin da, auch im Unglück. Ich kann einen Menschen trösten, wenn er äußerlich gesehen kein Glück hat. Ich mache den Menschen Mut, wenn sie verzweifelt sind. Manchmal bin ich nur wie ein ganz kleiner Funke. Man übersieht mich gerne in meinem grauen Kleid, mit meiner leisen Stimme und meinem stillen Lächeln. Aber ich bin da. Ganz tief drinnen, im Inneren des Menschen. Wenn der Mensch still wird und sich auf mich besinnt, wird er mich entdecken. Er wird mich entdecken im Lachen eines Kindes, in den Worten eines Liedes, in den Farben einer Blume am Wegrand.

Er wird mein Lächeln sehen, und wenn er mich eine Weile anschaut, wird er selbst beginnen zu lächeln. Er wird mich leise meine Melodie summen hören, und wenn er eine Weile zuhört, wird er ebenso leise in meine Melodie einstimmen. Er mag nach außen hin weiterhin unglücklich und grau erscheinen. Nichts Schillerndes von dir, dem Glück, wird an ihm sein. Und dennoch wird mein Lächeln aus ihm heraus leuchten und meine Melodie aus ihm heraus klingen. Das wird viele Menschen erreichen und berühren.“

Das Glück wusste, wann es sich geschlagen geben musste. Es wurde ganz still, drehte sich um und ging leise davon. Doch bevor es den ersten Schritt tat, schaute es noch ganz schnell der Freude ins Gesicht. Es öffnete seine Ohren weit für die leise Melodie, und es öffnete sein Herz.
So ging die Freude mit, als das Glück weiter seines Weges zog.

© Regina H.

Eine Geschichte – Die Blinden und der Elefant

Zum Wochenausklang hier eine kleine Geschichte über den Sinn von …lest einfach selbst

Es waren einmal fünf weise Gelehrte. Sie alle waren blind. Diese Gelehrten wurden von ihrem König auf eine Reise geschickt und sollten herausfinden, was ein Elefant ist. Und so machten sich die Blinden auf die Reise nach Indien. Dort wurden sie von Helfern zu einem Elefanten geführt. Die fünf Gelehrten standen nun um das Tier herum und versuchten, sich durch Ertasten ein Bild von dem Elefanten zu machen.

Als sie zurück zu ihrem König kamen, sollten sie ihm nun über den Elefanten berichten. Der erste Weise hatte am Kopf des Tieres gestanden und den Rüssel betastet. Er sprach: „Ein Elefant ist wie ein langer Arm.“ Der zweite Gelehrte hatte das Ohr des Elefanten ertastet und sprach: „Nein, ein Elefant ist vielmehr wie ein großer Fächer.“ Der dritte Gelehrte sprach: „Aber nein, ein Elefant ist wie eine dicke Säule.“ Er hatte ein Bein des Elefanten berührt. Der vierte Weise sagte: „Also ich finde, ein Elefant ist wie eine kleine Strippe mit ein paar Haaren am Ende“, denn er hatte nur den Schwanz des Elefanten ertastet. Und der fünfte Weise berichtete seinem König: “ Also ich sage, ein Elefant ist wie eine riesige Masse, mit Rundungen und ein paar Borsten darauf.“ Dieser Gelehrte hatte den Rumpf des Tieres berührt.

Nach diesen widersprüchlichen Äußerungen fürchteten die Gelehrten den Zorn des Königs, konnten sie sich doch nicht darauf einigen, was ein Elefant wirklich ist. Doch der König lächelte weise: „Ich danke Euch, denn ich weiß nun, was ein Elefant ist: Ein Elefant ist ein Tier mit einem Rüssel, der wie ein langer Arm ist, mit Ohren, die wie Fächer sind, mit Beinen, die wie starke Säulen sind, mit einem Schwanz, der einer kleinen Strippe mit ein paar Haaren daran gleicht und mit einem Rumpf, der wie eine große Masse mit Rundungen und ein paar Borsten ist.“

Die Gelehrten senkten beschämt ihren Kopf, nachdem sie erkannten, dass jeder von ihnen nur einen Teil des Elefanten ertastet hatte und sie sich zu schnell damit zufrieden gegeben hatten.

Verfasser unbekannt

Zwei Wölfe in meinem Herzen – eine Geschichte

Ein alter Indianer saß mit seinem Enkelsohn am Feuer. Nach einer langen Weile des Schweigens sprach er bedächtig: „In meinem Herzen wohnen zwei Wölfe. Der eine ist grausam, gierig, gewalttätig und machtbesessen. Der andere ist sanftmütig und edel, auf das Wohl seines Rudels bedacht und freigiebig. Diese beiden befinden sich im ständigen Kampf miteinander.“ Der Junge fragte: „Und welcher von den beiden wird den Sieg davontragen?“ Der Alte antwortete: „Es kommt darauf an, welchen ich füttere.“
(Verfasser unbekannt)

Gedanken über die Wichtigkeit von Demut

Ich fand diesen Artikel (oder fand er mich 😉 ? ) eher „zufällig“. Um so mehr war ich angetan davon, dass sich auch jenseits der (monotheistischen) Glaubenslehren Menschen mit diesem Thema auseinandersetzen. Lesenswert…

Weil es wichtig ist

Der Kirchenvater Augustinus nannte sie die „Mutter aller Tugenden“. Immanuel Kant sah in ihr den „Indikator für die eigentliche Würde des Menschen als eines freiheitlichen Vernunftwesens“. Friedrich Nietzsche verglich sie mit der „Sklavenmoral, als Haltung eines kriechenden Wurms, der nichts anderes im Sinn habe, als nicht getreten zu werden“. Erich Fromm wiederum sah in ihr „die der Vernunft und Objektivität entsprechende emotionale Haltung als Voraussetzung der Überwindung des eigenen Narzissmus“.

Die Rede ist von der Demut, einer Geisteshaltung, ja auch eines Lebensprinzips, das sich heute für die meisten von uns eher schlecht anfühlt. Auf den ersten Blick will niemand von uns mehr demütig sein. So ist es mir ergangen, als ich in meinem persönlichen Umfeld die Menschen auf Demut ansprach: Der Begriff ist durchweg negativ besetzt. Ein müdes, irritiertes Lächeln auf meine Frage war noch die vornehmste Antwort. Mehrheitlich wird Demut mit Unterwerfung gleichgesetzt. „Mit Demut macht man sich selber so klein“. Wir sind aber gerne groß, wir Menschen, viel zu gerne größer als unsere Zeitgenossen.

In einer Zeit, in der alle ethischen und moralischen Schranken durchbrochen sind, scheint Demut fehl am Platze. Sie ist nicht die Haltung, die unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zugrunde liegt, sie kann es nicht sein. Alles will/soll ins unermessliche wachsen, da ist Demut (die doch in der Einsicht der Begrenztheit allen Seins gründet) hinderlich. Nein, Demut ist geschäftsschädigend, das haben die Protagonisten des großen Geldes längst erkannt. Deshalb werden sie auch nicht gerne auf Demut angesprochen!

Nun sind es gerade diese Zeitgenossen, der Demut so fern, denen Millionen Menschen ihre Verelendung zu „verdanken“ haben. Doch die Geschundenen haben ein Gespür dafür entwickelt, dass in dieser Welt etwas falsch läuft, möglicherweise auch etwas fehlt. Dieses etwas bleibt oft noch diffus, hat noch keinen Namen. Noch verdeckt der Schleier der Moderne uralte Weisheiten des Menschengeschlechts.

Modern sind heute unsere Möglichkeiten der Informationsbeschaffung, das Internet scheint einen schier unendlichen Fundus an Wissen bereitzustellen. Es ist ein leichtes, nach Demut zu googeln, fast zweihunderttausend Treffer lassen sich so in Windeseile erzielen. Und dennoch erschließt sich uns nicht unmittelbar ihre Bedeutung, wir müssen tiefer graben, denn ganz oben im Ranking werden zu aller erst die missbräuchlichen Zwecke der Demut feilgeboten.

Das hat Tradition, den Missbrauch gab es auch schon vor der Moderne. Für Augustinus ist der Demütige der Dienende vor Gott. Der Gläubige ergibt sich als Diener Gottes weil er es für richtig hält. Erst der Aufklärung gelang es, die Menschen von dieser göttlichen Instanz zu befreien und der Demut eine neue Deutungsweise zu erschließen. Und die tut heute Not.

Weil das wichtig ist!

Weil die Menschen spüren, dass dieser Welt etwas fehlt. Weil sie erahnen, dass uns der Laden ohne die Neubesinnung auf Werte wie Solidarität, Gerechtigkeit, Respekt (auch und gerade vor der Schöpfung), ohne Toleranz und Achtung bald um die Ohren fliegen wird. Weil der kulturelle Niedergang unübersehbar ist.

Deshalb ist die Neue Demut so wichtig!

© Norbert Wiersbin (2013)

Quelle: der Blog von Norbert Wiersbin

Dichtkunst gestern, heute, zeitlos

Angeregt durch ein Gespräch, suchte ich eigentlich nach neuen poetischen Texten oder Gedichten, die heute auch in Form  öffentlicher Wettbewerbe vorgetragen werden.

Ich werde mir einen solchen sog. Poetry Slam demnächst einmal anschauen, ich sah so etwas bislang nur einmal im TV und fand es doch ziemlich spannend. Nach meiner Einschätzung gibt es eine Anzahl wirklich interessanter, junger Künstler, die Aufmerksamkeit verdienen.Und es erinnert mich ein wenig an die battles aus den Anfängen der Rapkultur, nichtkommerziell, irgendwie etwas „underground“. Aus dieser Szene sind seinerzeit auch eine Menge guter Künstler hervorgekommen.

Nun fand ich eine Seite, auf der junge Künstler ihre Texte veröffentlichen. Ich bin mir recht unsicher, ob es erlaubt ist, diese Texte auch an anderen Orten zu verbreiten und setze daher nur einen link zu dem Gedicht, welches mich sehr berührt hat, es heißt
Der Bittende

Irgendwie recht passend erscheint mir dazu das nachfolgende Gedicht von Bertolt Brecht


An die Nachgeborenen

Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
deutet auf Unempfindlichkeit hin.
Der Lachende hat die furchtbare Nachricht
Nur noch nicht empfangen.

Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
Der dort ruhig über die Straße geht
Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde
Die in Not sind?

Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich sattzuessen.
Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren.)

Man sagt mir: iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
Ich dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
Und doch esse und trinke ich.

Ich wäre gerne auch weise.
In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen
Auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten
Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen
Gilt für weise.
Alles das kann ich nicht:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!

Warum es ist, wie es ist ;) ein Märchen über menschliche Gefühle u. Eigenschaften

Der Anlass, weshalb ich diese Geschichte jetzt einstelle, ist mehr als banal.

Als mein Laptop defekt war, gab ich ihn zur Reparatur. O.k., ich gebe zu, dass ich mit PC und co sehr (nach)lässig umgehe. So verwundert es diejenigen, die mich kennen, vermutlich eher nicht, wenn ich schreibe: erst Monate später stellte ich fest, dass viele „eigene Dokumte“ verschwunden sind.
Das ist ziemlich ärgerlich und ich hoffe, es lässt sich irgendwie doch noch wiederherstellen…
Im Zuge dieser traurigen Erkenntniss habe ich jetzt alle Textdokumente „durchwühlt“, um festzustellen, was ausser vielen Bilddateien denn noch fehlt.
Und so stieß ich auf dieses liebevoll geschriebene Märchen, welches ich vor etwa 2 Jahren irgendwo in den Weiten des www fand und abspeicherte.
Ich möchte es Euch nicht vorenthalten…

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Es wird erzählt, dass alle Gefühle und Qualitäten der Menschen ein Treffen hatten.
Als die Langeweile zum dritten Mal gähnte, schlug der Wahnsinn, wie immer sehr gewitzt
vor: „Lasst uns Verstecken spielen!“

Die Intrige hob die Augenbraue, und die Neugierde konnte sich nicht mehr zurückhalten
und fragte: „Verstecken? Was ist das?“ – „Das ist ein Spiel“, sagte der Wahnsinn.
„Ich verstecke mein Gesicht und fange an zu zählen, von eins bis eine Million.
Inzwischen versteckt ihr euch. Wenn ich das Zählen beendet habe, wird der erste von
euch, den ich finde, meinen Platz einnehmen um das Spiel danach fortzusetzen“.

Die Begeisterung und die Euphorie tanzten vor Freude. Die Freude machte so viele
Sprünge, dass sie den letzten Schritt tat um den Zweifel zu überzeugen.
Sogar die Gleichgültigkeit, die sonst keine Interessen hatte, machte mit. Aber nicht
alle wollten teilnehmen: Die Wahrheit bevorzugte es sich nicht zu verstecken, wozu?
Zum Schluss würde man sie immer entdecken und der Stolz meinte, dass es ein dummes
Spiel wäre (im Grunde ärgerte er sich, dass die Idee nicht von ihm kam)
und die Feigheit zog vor, nichts zu riskieren.

„Eins, zwei, drei … “ , der Wahnsinn begann zu zählen. Als erste versteckte sich
die Trägheit, die sich wie immer hinter den ersten Stein fallen ließ. Der Glaube
stieg zum Himmel empor und die Eifersucht versteckte sich hinter dem Schatten des
Triumphes, der es aus eigener Kraft geschafft hatte, bis zur höchsten Baumkrone
zu gelangen. Die Großzügigkeit schaffte es kaum sich zu verstecken, da sie bei allen
Verstecken, die sie ausfindig machte, glaubte, ein wunderbares Versteck für einen ihrer
Freunde gefunden zu haben. Ein kristallklarer See, ideal für die Schönheit. Der Spalt
eines Baumes, ideal für die Angst. Der Flug eines Schmetterlings, das Beste für die
Wolllust. Ein Windstoß… großartig für die Freiheit und sie versteckte sich auf
einem Sonnenstrahl. Der Egoismus dagegen fand von Anfang an einen sehr guten Ort,
luftig gemütlich… aber nur für ihn allein. Die Lüge versteckte sich im Meeresgrund
(stimmt nicht, in Wirklichkeit versteckte sie sich hinter dem Regenbogen). Die Leidenschaft
und das Verlangen, im Zentrum des Vulkans. Die Vergesslichkeit…
ich habe vergessen wo sie sich versteckte, aber das ist nicht so wichtig.

Als der Wahnsinn 999.999 zählte, hatte die Liebe noch kein Versteck gefunden.
Alle Plätze schienen besetzt zu sein… bis sie den Rosenstrauch erblickte und gerührt
entschloss, sich in seinen Blüten zu verstecken. „Eine Million“, zählte der Wahnsinn und
begann zu suchen. Die erste, die entdeckt wurde, war die Trägheit, nur drei Schritte
vom ersten Stein entfernt.

Danach hörte man den Glauben, der mit Gott im Himmel über Theologie diskutierte.
Die Leidenschaft und das Verlangen hörte man im Vulkan vibrieren. In einem unachtsamen
Moment fand er die Eifersucht und so natürlich auch den Triumph. Den Egoismus brauchte
er gar nicht zu suchen, ganz allein kam er aus seinem Versteck, das sich als Bienennest
herausstellte. Vom vielen Laufen empfand er Durst und als er sich dem See näherte
entdeckte er die Schönheit. Mit dem Zweifel war es noch einfacher, er fand ihn auf
einem Zaun sitzend, da dieser sich nicht entscheiden konnte, auf welcher Seite er sich
verstecken sollte.

So fand er einen nach dem anderen.
Das Talent hinter dem Frischen Gras, die Angst in einer dunklen Höhle,
die Lüge hinter dem Regenbogen (stimmt nicht, sie war im Meeresgrund) und sogar die
Vergesslichkeit, die schon wieder vergessen hatte, dass sie Verstecken spielte.

Nur die Liebe tauchte nirgendwo auf.

Der Wahnsinn suchte hinter jedem Baum, in jedem Bach dieses Planeten auf jedem Berg
und als er schon aufgeben wollte, erblickte er die Rosen. Mit einem Stöckchen fing er
an die Zweige zu bewegen, als auf einmal ein schmerzlicher Schrei aufkam. Die Dornen
hatten der Liebe die Augen ausgestochen. Der Wahnsinn war hilflos und wusste
nicht, wie er seine Tat wieder gut machen sollte. Er weinte, entschuldigte sich bei ihr
und versprach der Liebe, für immer ihr Begleiter zu sein.

Seit dieser Zeit, seitdem das erste Mal auf Erden Verstecken gespielt wurde,
ist die Liebe blind und der Wahnsinn immer ihr Begleiter.

Autor:Seelenherz

 

Kinder müssen funktionieren oder…Auf neoliberalen Bildungswegen

Ausser – „Zustimmung zu diesem Artikel“ – bleibt mir nicht viel zu sagen oder zu schreiben. Ich habe es bereits vor geraumer Zeit drangegeben, zu warnen, zu versuchen, Eltern klar zu machen, dass einer 8jährige Schülerin ein ausgebuchter Terminkalender (gleich dem eines Managers) nicht unbedingt zum Wohle gereicht…

…oder wie Wecker es so treffend schrieb in seinem Lied „Absurdistan“:
…Und ich glaub´ an Elite und an BWL
und vor allem an G 8.
Denn wir brauchen Kinder, die funktionieren.
Wer braucht schon ein Kind, das lacht?…

Ein Artikel von Roberto de Lapuente

Der Rektor sprach beim Elternabend davon, dass die Kinder funktionieren müssten. Er tat das im Kielwasser von rhetorischen Ausbünden wie jenem, dass man als Elternteil und Schüler sozusagen Kundschaft sei und er als Rektor Anbieter einer Leistung. Aber funktionieren müssten die Kinder in jedem Falle.
Nach den Regeln seiner Schule. Funktionieren sie nicht, tanzen sie aus der Reihe und das letztlich vielleicht sogar dauerhaft, so würde hart durchgegriffen, um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Er erzählte etwas von einem Schüler, der keine Schule in Hessen mehr besuchen dürfe, weil der einem Mitschüler via sozialem Netzwerk Gewalt angedroht habe. Um das Funktionieren von Unterricht, Lehrkraft und Schüler zu gewährleisten, sind solche Maßnahmen nicht abzulehnen.

Ich weiß nicht, was da genau passierte, mit diesem Schüler, dem man die Schulpflicht gekappt hatte, aber was hatte das beim Elternabend als Vorwort zu suchen? Drohung, Einschüchterung schon zu Beginn? Natürlich alles in flapsiger Form vorgetragen, alles in scheißfreundlicher Weise, zwar nicht pädagogisch, aber doch nicht schroff und boshaft, sondern um Verständnis heischend. Man kennt es ja, das lächelnde Konterfei des Neoliberalismus…

weiterlesen auf ad sinistram -> http://ad-sinistram.blogspot.de/2012/10/auf-neoliberalen-bildungswegen.html

Das große Opfern

Ohne Einleitung, ohne Kommentierung von mir – ich habe dem Artikel von Lapuente nichts hinzuzufügen –

Hartz IV und sein Sanktionsrepertoire, das der teils willkürlichen Auslegung von Kommunen und Sachbearbeitern unterordnet ist, hat eine Front geschaffen. An dieser Front gibt es Opfer verschiedener Provenienz. Meist sind es stumme Opfer, die keiner körperlichen Gewalt ausgesetzt werden, sondern der finanziellen Garotte, die langsam aber sicher die Atemwege zuschnürt. Und manchmal sind es Opfer in fortissimo, was heißt: nicht sie sind laut, sondern der Rummel um sie, um die körperlichen Übergriffe an ihnen. Wie sich letzte Woche zeigte, können diese Übergriffe auch tödlich sein.

Die Front scheint gnadenlos. Sie bringt Menschen in Stellung, sie läßt in Gräben, die wir Jobcenter getauft haben, Bürger aufeinander zielen. Sie macht Hass und Abneigung und manifestiert Feindschaften…

weiterlesen auf ad sinistram

Gedanken zu devoten Bütteln, Paragraphenreitern und unliebsamen Vergleichen – R. de Lapuente

Passend zu (auch meinem) Besorgtsein, den – ich nenne es jetzt einmal – Ängsten – und der Verweigerung des Herzens, das anzunehmen, was intellektuell längst begriffen wurde…
Passend auch zu den jüngsten Ereignissen – irgendwie –

Irgendwann in den letzten ,auch emotional durchaus aufwühlenden Tagen, fiel mir einmal mehr Hannah Arendt ein

Die Banalität des Bösen

Und ich erinnerte mich, dass vor Jahren bereits R. de Lapuente einen Artikel schrieb, der treffender nicht hätte sein können. Ich möchte Euch diesen nicht vorenthalten. Weiterlesen

Dystopie pur – eine Kurzgeschichte, geschrieben von Fairina

Schon vor Jahren las ich den Anfang der Geschichte bei Tacheles, sah damit meine schlimmsten Ängste in dystopischer Erzählung niedergeschrieben. Huxley, Orwell lassen grüßen….
Heute nun habe ich die Ehre, sie veröffentlichen zu dürfen, inklusive der Fortschreibung, welcher ein sehr beklemmender Umstand zugrunde liegt.

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Diese Geschichte darf unter der Maßgabe das sie genauso übernommen wird, inkl. dieses Vortextes und dem Namen Fairina als Autor weiter gegeben werden. Irgendwann werde ich sie nochmals fortführen.

07.09.2012 Fairina

Die Geschichte von Günther S.

Hier ist der Text:          und er stammt von mir aus dem Jahr 2003. Den Teil von Big Easy (SB und auch hier allseits bekannt als T..) findet sich hier:
http://www.forum-sozialhilfe.de/board/show_thread.php?id=50436&PHPSESSID=45b7f326acfb91fe3b93c969c1b72ade

Fortführung Deiner Geschichte Big Easy – Teil 1
Hi Big Easy,
leider hättest Du die Geschichte weiter erzählen sollen: Weiterlesen

kritischerkommilitone

Nicht nur Kritik am Arbeitsamt

campogeno und der einsiedler

mein leben zwischen gestern und morgen

altonabloggt

Themen rund um und aus Altona und Hamburg

tombbloggt

Kritisches Mitgefühl

Kritisches Mitgefühl

Glamour Bitch

live a life less ordinary

ad sinistram

Kritisches Mitgefühl

Kein Wietpas!

Deutschsprachige Informationen zur Cannabispolitik der Niederlande

gabrielewolff

Unnützliche Kommentare zur Welt

uhupardo

Das kommt mir Spanisch vor!

Jasminrevolution

Nobody expects the Spanish Revolution صفاقس‎

Der Mensch - das faszinierende Wesen

quergedacht - umgewendet - auf der Finde nach einer besseren Welt

mein name ist mensch

gegen Lohndumping, Ausbeutung, Hartz IV und gemachte Armut!! es gibt einen Weg - Solidarität ist unsere stärkste Waffe!

Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen

Meine Meinung, meine Erlebnisse, meine Phantasien etc.

Das Erbe der Tara

Kritisches Mitgefühl