Ihr könnt mich alle am Arsch lecken…

…ich lasse mir das nicht länger gefallen!

Diese Szene aus der – oskarprämierten und genial-bissigen – Satire „Network“ ( http://de.wikipedia.org/wiki/Network_%28Film%29 ) kommt mir in letzter Zeit immer häufiger in den Sinn.
Im Film prangert der Hauptprotagonist die Medien, die ReGierenden, deren Schamlosigkeit, schlicht, die verheerenden, gesellschaftlichen Zustände an, deren Opfer er letztlich selbst wird. Er empört sich über die mediale Manipulation und die herrschende Verlogenheit…

Fiktion vs. Realität

Wenngleich Network auch „nur“ ein Film ist und jedweder Vergleich zu den heute herrschenden Zuständen dadurch fast schon zwangsläufig hinken muss, so wünsche ich mir doch immer häufiger, dass die Menschen bundes(Europa/Welt)-weit ebenso ihre Fenster aufrissen und ihrem Zorn, ihrer Empörung zunächst einmal mit diesen drastischen Worten Luft machen.
Dass empörtes Schreien übergehen möge in vielfältige widerständische Handlungen.
Dass sich ein (vermutlich weit verbreitetes) diffuses Gefühl des „hier stimmt doch etwas nicht“ verwandelt in politisches Interresse, in Hinterfragen, Erkennen und letzten Endes in Agieren.
Dass die deutschland(Europa/Welt)-weiten Lügen und Manipulationen nicht mehr stoisch-( oder sich macht-und hilflos fühlend) abnickend hingenommen werden.

Natürlich sind nicht „alle Menschen“ lethargisch und desinteressiert. Es gibt Unmengen an kritischen Geistern, bekannte und unbekannte.
Doch deren Rufe verhallen, von der „breiten Masse“ ungehört und den Machthabern konsequent ignoriert, wie dereinst die warnenden Rufe der Cassandra.

„Gutmenschen“, Naivlinge und Verschwörungstheoretiker

Ich könnte in Teilen aufzählen, wo ich welche (medial hochgehaltenen und wiederholten) Lügen und Manipulationen als besonders widerwärtig empfinde, welche Auswirkungen diese gesamtgesellschaftlich betrachtet hatten, haben und haben werden.Ich könnte von Tibet und China schreiben, vom neu-alten Rassismus in den USA, von Hungertoten in Griechenland, von der Ukraine“Krise“, und und und…der Artikel würde dann Taschenbuchformat bekommen.
Daher belasse ich es bei Deutschland.
Diejenigen, welche die hiesigen Misstände hier unermüdlich anprangern, werden verunglimpft als – wahlweise – „Gutmensch“ (Nazi-Sprech und ob der Verdrehung der Wortbedeutung von „gut“ hin zu einem Schimpfwort zudem pervertiert), naiv, VT’ler ect…bestenfalls werden sie belächelt.
Es ist erschreckend, welche gesellschaftlichen Auswirkungen allein die (Sozial)Politik der letzten 10 Jahre – Agenda 2010/“Hartz 4″ – hatte.
Dramatische Folgen, bis in die kleinste Zelle innerhalb der zwischenmenschlichen Interaktion (Familie, Freunde) hinein.
So, wie ein morscher Baum keine guten Früchte tragen kann, so, wie auf steinigem Boden keine ertragreichen Pflanzen zu wachsen vermögen, genau so wenig kann in einem durch und durch verderbten System der Spaltung, der Diffarmierung, der Ausgrenzung, der Angst und der Lügen ein angenehmes „Mit-Menscheln“ gedeihen.
Mit dieser unsäglichen Mischung aus Entwürdigung, medialen (von Politikern wie Clement, Müntefering usw gewünschte und forcierte) In-den-Dreck-tretens von Millionen Menschen, permanenter Existenznöte wurde ein Klima der Angst geschaffen.
Angst essen Seele auf…

Stimmen

Es mag an dieser Stelle genügen, wenn ich Menschen zitiere, welche – obschon „gebildeter“, „klüger“ oder schlicht mehr in der politischen Materie zuhause als ich – meine „gefühlte“ Auffassung(en) bekräftigen. Meine Worte sind letztlich „nur“ die einer – irgendwie – Mit-Betroffenen der (A-Sozial)-Politik, eher emotional denn sachlich. Eine Stimme unter vielen.
Lassen wir also ein paar der eher Rationalen bzw. der Nicht-Betroffenen zu Wort kommen ->

Götz Werner (Gründer der DM-Drogerie-Kette und Antroposoph) Zitat:

„Hartz IV ist offener Strafvollzug. Es ist die Beraubung von Freiheitsrechten. Hartz IV quält die Menschen, zerstört ihre Kreativität.“ – Interview mit dem stern, 18. April 2006

Prof. Dr. Christoph Butterwegge (Politikwissenschaftler), Zitat:

„…Hartz IV war ein Gesetz der Angst und hat aus unserer
Gesellschaft eine Gesellschaft der Angst geformt. Sie ist rauer und härter
geworden. Durch die Agenda 2010 werden die Reichen immer reicher und die
Armen immer ärmer. Als Folge dieser sozialen Kluft ist auch eine zunehmende
politische Spaltung zu beobachten. Hartz-IV-Bezieher gehen inzwischen
deutlich seltener zur Wahl als Menschen, die in gesicherten materiellen
Verhältnissen leben. Die Armen ziehen sich zurück, weil sie nicht ganz zu
Unrecht den Eindruck haben, dass in der Politik ihre Interessen immer
weniger vertreten werden. Hartz IV war für viele von ihnen ein Einschnitt,
ein Symbol für den Abbau des Sozialstaates…

komplettes Interview -> http://www.aachener-nachrichten.de/news/politik/hartz-iv-hat-eine-gesellschaft-der-angst-geformt-1.961585#plx2001431037

Bernd Riexinger (Bundesvorsitzender Die Linke) Zitat:

„…Nicht nur die Prekarisierten, also die, die total von der kulturellen und
gesellschaftlichen Teilhabe ausgegrenzt werden, sind betroffen, sondern
alle. Wenn die Kernbeschäftigten, die noch unter Tarifverträge fallen und
soziale Absicherung haben, immer mehr eingekreist werden durch prekär
Beschäftigte, dann drückt das Löhne und Arbeitsbedingungen. Außerdem führt
es inzwischen bei den Lebensverhältnissen nicht nur zur sozialen und
kulturellen Ausgrenzung, die schlimm genug ist, sondern dazu, dass Menschen
politisch abgehängt werden...“

Konstantin Wecker (Liedermacher, Poet, Rebell und Pazifist) Zitat:

„…Im Moment habe ich das Gefühl, wer dieses System nicht angreift, kann nicht bei Verstand sein. Mich hat am meisten die Prognose für das Jahr 2016 erschüttert. Ein Prozent der Menschheit wird dann so viel besitzen wie die übrigen 99 Prozent zusammen. Das finde ich ungeheuerlich! Man kann nur noch zu dem Schluss kommen, dass die Menschheit restlos versagt hat. Wir erleben eine so ungeheuerliche Ungerechtigkeit, die jedem denkenden Menschen sofort auffallen muss, aber kaum etwas passiert. Ich frage mich, wie man immer noch ein System verteidigen kann, das solche Zustände hervorbringt und zulässt.“

Quelle: http://www.melodieundrhythmus.com/mr-3-2015/konstantin-wecker-tabubrueche/

Fazit

Empört Euch ( Stéphane Hessel , Konstantin Wecker) !
Wehrt Euch (Rainer Kahni ) !
Ein lautstarkes, zig-tausend(millionen)faches

„Ihr könnt mich alle am Arsch lecken, ich lasse mir das nicht länger gefallen!“

könnte ein erster, kleiner und doch mutiger Schritt sein…Hoffnung habe ich diesbezüglich aber leider nur sehr wenig. Und doch gestatte ich mir diesen „Traum“…

 

MainArbeit Offenbach – „Zwickt’s mi…

…i glaab, i draam“ 😀

So lautet ein Titel von Wolfgang Ambros.
Für diejenigen, welche mit dem Wiener Dialekt so gar nichts anfangen können:
Übersetzt bedeutet das, es gibt Momente, die derart unglaublich erscheinen, dass man gezwickt werden möchte, um über diesen „Schmerz“ zu begreifen, dass man nicht nur träumt.
Das funktioniert in beide Richtungen, positiv als auch negativ.
Der heutige Artikel hat ausschließlich positiven Charakter!

14-Tage-Rückblick

Wie im vorherigen Artikel über „Bubi und Tracey“ angedeutet, hatte ich kurzfristig ein junge Frau bei mir aufgenommen, die – weitestgehend unverschuldet! – obdachlos wurde.
Die Hintergründe hierzu sind komplex und interessieren an dieser Stelle eher nicht.
Die Unterbringung in einer der berühmt-berüchtigten Notunterkünfte Offenbachs funktionierte „einigermaßen gut“, dem Thema Unterbringung werde ich dennoch einen zornigen Artikel widmen in der Hoffnung, dass der ein oder andere Leser mir vielleicht Input geben kann zu Fragen wie der Vereinbarkeit von Art. 2 GG und Inhalten der Menschenrechtskonvention vs. „Hausrecht von privaten Unterkunftsbetreibern“…
Mit diesem Thema bin ich noch lange nicht durch, einem „gewissen Treiben“ sollte endlich Einhalt geboten werden!

Neben der Begleitung dieser jungen Frau, aka „Tracey“, fand und findet die intensive Unterstützung einer „Neu-Alleinerziehenden“ statt, hier überlappen gleich mehrere Rechtsgebiete, das SGB 8 (Kinder-und Jugendhilfe), das SGB 2 und das Familienrecht. Und weil das noch nicht kompliziert genug ist, erweitert sich mein Arbeitsfeld hier auch noch um den Bereich des Dolmetschers 😉

Eine „Langzeit-Klientin“ kommt dazu, auch hier schien es notwendig, erneut zum Gespräch begleiten.
Der übliche „Kleinkram“ (Bescheide prüfen, Widersprüche andenken, online Auskunftserteilung, mit Fachanwälten Rücksprache halten ff ) läuft parallel dazu, im Hintergrund quasi, mit…

Summa sumarum:
Es waren anstrengende Tage für uns Alle.
Zumindest aber ist meine mentale Belastung hinsichtlich des Verdachtes auf Gehirntumor bei meinem Sohn beendet, denn das MRT war ergebnislos.
Wenngleich die Zungentumore und weitere gesundheitliche Einschränkungen noch immer der fachärztlichen Klärung bedürfen, so war es doch ungeheuer befreiend, dass sich zumindest der schlimmste Verdacht nicht bewahrheitet hat. Das gab und gibt mir die Kraft, mich auch weiterhin um Hilfestellung für andere fühlende Wesen bemühen zu können 😀

Lob, wem Lob gebührt!

Dem Jobcenter MainArbeit Offenbach spendiere ich in meinen Berichten eher selten ein Lob.
Das muss nicht verwundern, denn zum Einen finden sich „naturgemäß“ bei mir eher selten Mitmenschen ein, welche keine massiven Probleme mit den dortigen Mitarbeitern haben.
Zum Anderen ist die repressive Gesetzgebung schlechthin für Mißstände verantwortlich, und zum Dritten stinkt gerade in Offenbach der sprichwörtliche Fisch ja noch immer vom Kopf her.
Aus letztgenanntem Grund muss(te) nicht nur ich in all den Jahren immer wieder die Erfahrung machen, dass ohne Krampf und Kampf selbst glasklare gesetzliche Vorgaben, gefestigte Rechtsprechung des BSG usw. ignoriert wurden und noch immer werden.
Umso angenehmer ist es – auch aufgrund des Seltenheitswertes – daher, mich auch einmal wohlwollend äußern zu können. Einziger Wermutstropfen dabei:
Zu gerne würde ich die Mitarbeiter namentlich belobigen, welche mir positiv auffielen. Sie könnten dem Gros der – wahlweise – eher unprofessionellen, abgestumpften und unempathischen Kollegen als Vorbild dienen. Doch genau damit würde ich den „Guten“ leider einen Bärendienst erweisen, daher bleibt es bei den für mich üblichen Umschreibungen und Metaphern…ich vermute aber, „man(n)“ wird sich und die von mir gemeinten Kollegen (m/w) dennoch wiedererkennen 😉

In Sachen „Tracey“: Bitte weiter so…

…“meine“ Damen und Herren aus der Leistungsabteilung.
Im Falle von „Tracey“ zeigten sich Teamleitung und Mitarbeiter rechtskonform, flexibel und bürgernah. Realitätsbewusstsein war vorhanden und die pragmatische Abwicklung nicht zu beanstanden.
Somit konnte ich feststellen, dass zumindest hier das Peter-Prinzip noch nicht umgesetzt ist, dass auch ein Löwe nicht immer ein furchterregender Gegner ist und  „Tracey“ somit nicht den (sprichwörtlichen) …Bach hinunterging 😀 .
Ein „Facebook-likes“ Daumen hoch auch für die (entsprechenden) Mitarbeiterin(nen) der ZAS. Die dortige Abwicklung von „Traceys Fall“ (Erstvorsprache) zeigte zum wiederholten Male, dass der Begriff „blondes Gift“ nicht zwingend stimmen muss. Freundlichkeit statt „Giftigkeit“  waren hier angezeigt.
Mit dieser Feststellung werte ich „die Brünetten“ übrigens keineswegs ab, aber diese wurden ja bereits früher in einem anderen Artikel positiv erwähnt… 😉

Empathie Fehlanzeige? Diesmal nicht

Dass der recht komplizierte „Fall“ der zuvor erwähnten, alleinerziehenden Mutter nicht zu einem familienrechtlichen Desaster ausartete, ist auch den Mitarbeitern einer anderen Leistungsabteilung zu verdanken.
Das im gesetzlichen Rahmen vorgesehene Ermessen wurde hier zugunsten der Betroffenen ausgelegt, Teamleiter und Mitarbeiter zogen da „an einem Strang“. Auch unwürdiges Procedere (hiermit ist auch die „grundsätzliche Vorverdächtigung bzgl. potentiellen Sozialbetrugs“ und die entsprechende Einschaltung des sog. „Ermittlungsdienstes“ gemeint) wurde vermieden.
Die Bewilligung der Erstausstattung für die neu angemiete Wohnung ging binnen sagenhafter 10 Stunden über die Bühne, das ist rekordverdächtig!
Man kennt mich eher nicht als „sprachlos“ 😉 hier bin ich es, noch immer.
Sachbearbeiter und Teamleiter können sich, bar jeder Eitelkeit, auf ihre Fahne schreiben, dass der Betroffenen dank ihnen ein großer Felsbrocken (oh je, diese Metapher hinkt 😉 ) von der geplagten Seele plumpste.
Mich freut in diesem Zusammenhang ganz besonders, dass diese rechtskonforme und doch flexible Vorgehensweise ziemlich eindeutig aussagt:
Nicht alle Mitarbeiter vorverurteilen.
Nicht alle haben ihr Mitgefühl verloren.
Nicht für jeden Mitarbeiter besteht das Offenbacher Klientel nur aus potentiellen „Betrügern, Gestörten, Asozialen, Kanacken und Schwarzköppen“…wenngleich es zu derartigen menschenverachtenden Äußerungen seitens Einiger immer wieder kommt.
Dass es auch bei der MainArbeit noch empathische Mitarbeiter gibt, das gibt mir die Kraft, weiterhin den eingeschlagenen Kurs fortzuführen, der da heißt:
„Stellvertreterkämpfe“ in aller Härte und Verbissenheit, wenn es nicht anders geht.
Aber zunächst werde ich weiterhin jedem Menschen auf der „anderen Seite des Schreibtischs“ auch die Chance einzuräumen, sich als mitfühlender und mitdenkender Mensch einzubringen…das (gebundene) Ermessen gibt dies nämlich noch IMMER her…(Jobcenter)-mensch muss es nur WOLLEN.

Arbeitsvermittlung Team U25

Auch hier lief ein Beratungstermin ( „Langzeit-Klientin“) entgegen aller Ängste der Betroffenen ausnehmend gut. Nicht ohne Grund schrieb ich deshalb das Wort Beratung hier ausnahmsweise einmal nicht in „Gänsefüßchen“. Der Berater mit dem Namen, der dem Pseudonym von Martin Luther äußerst ähnelt 😉 , ist somit ebenfalls positiv zu „bewerten“

Nein, ich habe nicht „die Seiten gewechselt“…

mir hat auch niemand das Gehirn gewaschen 🙂 das werden die kommenden Artikel erneut unter Beweis stellen.
Aber:
Ich bin ein großer Freund der (nicht nur) Skinner’schen Theorie von „positiver Bestärkung“.
Und wenn ich schon geregelt bei den gleichgültigen, unempathischen, „fiesen und miesen“ Mitarbeitern verbal „draufschlage“, wenn ich das Schlechte vor Ort sowohl anprangere als auch dagegen ankämpfe, dann ist es nur recht und billig, die „guten Handlungen“ seitens mancher MainArbeiter nicht einfach unter den Tisch fallen zu lassen.
Das ist ein – für mich –  schlicht folgerichtiges Vorgehen.
Gerechtes Denken und Handeln ist niemals eine Einbahnstrasse!
Denn ebensowenig wie es DEN „Hartzer“ gibt, gibt es auch DEN Mitarbeiter. Gleichmacherei ist meiner Ansicht nach niemals (!) sinnvoll…wenngleich natürlich Eines für mich unverändert gilt:

Es gibt kein richtiges Leben im falschen (Adorno)
Der Artikel in der „Zeit“ vermag diese Aussage ein wenig zu erklären -> http://www.zeit.de/2001/19/200119_ka-philo-.xml

Jeder Mitarbeiter der Jobcenter ist demnach – unabhängig von seinem persönlichen Verhalten – noch immer ein Unterstützer des menschenverachtenden „Hartz-Systems“, denn keine Uhr könnte funktionieren, wenn die kleinen Zahnräder blockieren!

Ob und wann die Zahnräder sich mehrheitlich nicht mehr drehen wollen, weiß ich nicht.
Solange aber dieses „System“ noch Bestand hat, gilt das, was ich einem anderen (eher unschönen) „Beratungs“gespräch erwähnte:

Würde man sich in der MainArbeit (und natürlich auch andernorts) zumindest an die Gesetzgebung und die gefestigte Rechtsprechung halten,
würde das durchaus vorhandene Ermessen zugunsten (!) der Betroffenen ausgeübt,
würde nicht jede „handgestrickte Dienst/Fachanweisung der Marke Lex Schulze-Boeing“ unkritisch abgenickt und umgesetzt, dann hätten sich ca 75% der Mißstände schon erledigt.
Wäre das nicht vorteilhaft, liebe mitlesenden MainArbeiter? Für die Betroffenen, aber auch für Euch und Euer ramponiertes Image?
Vielleicht denkt Ihr mal darüber nach…

 

 

 

 

Interview mit Prof.Dr.Klaus Dörre – Hartz IV = für Betroffene wie ein Stigma

Es ist schon irgendwie bezeichnend:
Unzählige anerkannte Wissenschaftler, Soziologen, Richter (a.D.) ff haben mittlerweile – jenseits eigener Betroffenheit – den, durchaus als empirisch nachgewiesen zu bezeichnenden, Beweis erbracht, dass „Hartz4“ auf ganzer Linie versagt hat.

Viele der Millionen „namenlosen“ Betroffenen haben ihr Leid nach aussen kommuniziert. Sie sind quasi der lebende Beweis für dieses Versagen. Kritische Stimmen von Mitarbeitern bei BA und Jobcentern sind deutlich zu hören und unterstreichen damit nochmals die Glaubwürdigkeit bzgl. des Versagens dieses (A)Sozial-Systems.

Dass dennoch seitens der ReGierenden mit aller Macht daran festgehalten wird, dass Mißerfolge als Erfolge gefeiert und getreu Orwell’schem Neusprech auch ansonsten mit seltsamen, wohlfeilen Worthülsen die (Noch)Nichtbetroffenen eingelullt werden (sollen), spricht nur eine Sprache:

Es ist die Sprache der Menschenverachtung

Es scheint mir manchmal fast schon müßig, weitere Erkenntnisse ähnlich lautenden Inhalts von weiteren, ähnlich versierten Köpfen hier zu verbreiten.
Es dennoch zu tun (wie so Vieles, was auf den ersten Blick nutzlos erscheint), ist in meinen Augen  richtig.
Wenngleich Worte (egal von wem) zunächst auch wirkungslos erscheinen mögen, so ist es doch „das Wort“, welches immer fast am Anfang steht.
Aus Gedanken werden Worte, aus Worten oft Taten.
Nicht mehr zu schreiben oder Geschriebenes nicht mehr zu verbreiten, käme der Verhinderung potentieller Veränderung durch Taten gleich. So  sehe zumindest  ich das…

Daher hier das Interview mit Prof.Dr. Klaus Dörre, der sich mit seinen Aussagen in guter Gesellschaft (Spindler,Nescovic,Butterwegge ect.) befindet. Und deutlichst die Empfindungen sehr vieler Betroffener wiedergibt.

Zitate

(…)Den Hartz-Reformen liegt das Bild zugrunde der faulen, passiven Langzeitarbeitslosen, die es sich in der Hängematte des Wohlfahrtsstaates bequem machen. Das können wir nicht feststellen.

(…)Es gibt lediglich eine kleine Gruppe mit einem Anteil von acht bis zehn Prozent der Leistungsbezieher, die nicht mehr kann und nicht mehr will. Bei ihnen kann man auch mit Sanktionen nicht viel bewirken. Deswegen ist ein solch teurer Überwachungsapparat unsinnig. Eine reiche Gesellschaft muss so eine Gruppe aushalten.

(…)Man strampelt enorm, wendet enorme Energie auf, kommt aber nicht von der Stelle. Es gibt eine größer werdende Gruppe von Menschen, die an oder unterhalb der Schwelle der Respektabilität lebt – das ist Hartz IV – und sie kommen da nicht mehr heraus.

(…)Man trifft sich immer häufiger mit seinesgleichen und entwickelt einen Überlebenshabitus, der der Gesellschaft die Stigmatisierung erleichtert. Das führt dazu, dass man sich immer weiter isoliert und es immer schwerer wird, zur Mehrheitsgesellschaft zu gehören. Das ist eine Spirale nach unten.

(…)Der erste Schritt müsste sein, die Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger aufzuheben. Ein solcher Gängelungsapparat, der bis in private Lebensbereiche hineinwirkt, ist unsinnig und rechtfertigt die Kosten nicht. Der zweite Punkt ist: Es muss sinnvolle Beschäftigung geschaffen werden. Es gibt im Dienstleistungssektor großen Nachholbedarf bei pflegenden, erziehenden und bildenden Tätigkeiten. Und wir brauchen einen gesetzlichen Mindestlohn.