Empört, böse und polemisch – Mein offener Brief an die BA wg. Inge Hannemann…

…ich konnte nicht anders, sonst wäre ich „geplatzt“

————————————————————————————————————————————-

Sehr geehrter Herr Alt, sehr geehrte Damen und Herren Pressesprecher,

ich nehme Bezug auf Ihre Presseerklärung vom 14.06.2013, in welcher Sie Stellung nehmen zu den Sachverhaltsdarstellungen bzgl. „der Jobcenter“ – geschrieben und veröffentlicht von der  Bürgerin Inge Hannemann.
Lassen Sie es mich vorweg nehmen:
Ich bin empört. Ich bin empört und zutiefst angewidert. Dies aus mannigfachen Gründen.

Frau Hannemann selbst hat ja bereits zu den einzelnen Punkten Ihrer „Presseerklärung“ dezidiert Stellung genommen, somit reduziere ich meinen Brief auf das, was Sie getrost Polemik nennen dürfen, qui dicit que vult, audit que non vult, nicht wahr?


Meine Empörung ist zu groß, als dass ich mich auf die Sachebene zurückziehen will und im Gegensatz zu den Vertretern Ihrer Anstalt denke, fühle und schreibe ich selbst, bediene mich somit auch keiner unverständlichen Textbausteine.

Was haben Sie – das „wenn überhaupt“ setze ich hier wohlwollend voraus – sich bei dieser Pressemitteilung eigentlich gedacht?
Zunächst einmal bedienen Sie sich eines Duktus‘, welcher nach meinem Empfinden dem „völkischen Beobachter“ oder dem „Stürmer“ durchaus zur Ehre gereicht hätte.
Sie diffarmieren und diskreditieren Frau Hannemann auf eine Art und Weise, die aus meiner Sicht an hetzerische Schmähkritik grenzt.
Warum?
Es steht zu vermuten, dass Frau Hannemann mit ihrer öffentlichen Kritik den neuralgischen Punkt der BA getroffen hat. Es darf Ihnen -nebenbei- konstatiert werden, dass die Bürgerin (!) Hannemann damit lediglich von ihrem grundgesetzlich verbürgten Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat – nicht mehr und nicht weniger –

Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff?

Versuche ich Ihre „Presseerklärung“ nachzuvollziehen, so scheint mir, dass die mediale Aufmerksamkeit – gerichtet auf eine Mitarbeiterin – Ihnen offenbar weitaus unangenehmer ist als die von Betroffenen selbst zahllos aufgezeigten Mißstände.
Es dürfte auch Ihnen klar sein, dass es Nicht-Betroffenen des Verelendungssystems Hartz4 noch immer leichter fällt, einer „Beamtin vom Arbeitsamt“ zu glauben als einem Leistungsbezieher.
Dass nun auch diejenigen „genauer hinschauen“, welche (noch) nicht an der Zitze des Jobcenters saugen müssen.
Dass auch innerhalb der Jobcenter die Mitarbeiter ihr Gewissen (wieder)entdecken.
Dass ein Umdenken stattfinden könnte.
Nur so kann ich mir Ihre, an Boshaftigkeit und (!) trauriger Lächerlichkeit kaum zu übertreffende Pressemitteilung erklären.

Tatsachen ver- und Strick drehen

Abschließend sei Ihnen noch Folgendes in’s Stammbuch geschrieben:
Frau Hannemann gefährdet nicht einen Mitarbeiter, schon gar nicht Tausende. Das Gegenteil ist der Fall.
Allein aus der Tatsache heraus, dass Betroffene endlich (!) erkennen können, die „andere Seite des Schreibtischs“ besteht nicht ausschließlich aus empathielosen, emotionalen Amöben (mit einer Haltung, die Hannah Arnedt vorzüglich in ihrem Buch „Die Banalität des Bösen“ beschrieb) ist für die übrigen Mitarbeiter schon viel gewonnen.
Und noch etwas sei gesagt:
Mit Ihrer stoisch-verweigernden Haltung, die oft grottenschlechte und häufig willkürliche Umsetzung eines ohnehin schlechten Gesetzes anerkennen zu wollen, strafen Sie Tausende und Abertausende Betroffene und deren Helfer nochmals ab.
Indirekt bezichtigen Sie nämlich nicht nur Frau Hannemann der Lüge mit dieser, Ihrer Erklärung, sondern Tausende von Menschen, welche unter den gegebenen Bedingungen Höllenqualen litten und leiden.
Obendrein wollen Sie auch dem (noch) arbeitenden Volk erneut die Mär von „Alles in Ordnung in den bundesweiten Jobcentern“ auftischen.
Das ist nicht nur arrogant, es ist auch dreist sondersgleichen. Glauben Sie wirklich, die Menschen seien noch immer so gutgläubig-naiv, Ihnen das weiterhin abzukaufen?
Lassen Sie sich gesagt sein: Der Stammtisch und die Ewiggstrigen werden weniger!
Daran wird auch eine „Presseerklärung“ nichts ändern.

Ein Positives jedoch hatte Ihr Schreiben:
Heute habe ich gelernt, was das Wort „Fremdschämen“ bedeutet.

Mit durchaus unfreundlichen Grüßen

Bürgerin Ellen Vaudlet

Kritik unerwünscht – welche Konsequenzen drohen Inge H., Jobcentermitarbeiterin aus HH ?

Wer ist Inge H.?
Inge H. ist Bloggerin. Aber sie ist in erster Linie Mitarbeiterin eines Jobcenters in Hamburg.
Inge H. ist kritisch, sehr kritisch. Sie ist mutig. Ihr „Brandbrief“ – und vermutlich nicht nur der – sind der Stein des Anstoßes, weshalb die Personalleitung nun zum Gespräch „bat“

Inge H. klagte an – mit Empathie und spitzer Feder –  das Hartz-System  verstoße gegen die Menschenwürde  und  die Sanktionspraxis treibe Menschen in den Tod. Darüber will die Behörde jetzt mit Inge H. sprechen.

Die Anklage der Inge H. – „Und die Bundesagentur für Arbeit schaut zu“

Sehr geehrte Bundesagentur für Arbeit

Wie viele Tote, Geschädigte und geschändete Hartz IV-Bezieher wollen Sie noch auf Ihr Konto laden? Wie viele Dauerkranke, frustrierte und von subtiler Gehirnwäsche geprägte Mitarbeiter wollen Sie in Ihrem Konstrukt Jobcentermaschine durchschleusen?

Fragen, die mich als Jobcenter-Mitarbeiterin bewegen. Fragen, auf die ich keine Antwort erhalte. Und Fragen, die öffentlich Ihrerseits diskutiert werden sollten. Das Internet quillt über von Meldungen über verhungerte, selbstmörderische und schwerst gekränkten „Hartzern“. Nicht geringer sind anonyme Aussagen und Berichte über Jobcenter-Mitarbeiter zu finden, welche den Druck, die gewollte Unmenschlichkeit gegenüber den Leistungsberechtigten und die Erfüllung von Quotenkollonen nicht mehr gewachsen sind. Anonym, aus Angst vor Repressalien und Kündigung durch die Zentralen der Jobcenter oder Ihrer Behörde (…)

Quelle und weiterlesen auf altonabloggt

Ihre Forderungen kann man hier nachlesen

http://altonabloggt.wordpress.com/2012/11/03/eine-jobcenter-mitarbeiterin-fordert/

Erinnerungen an Fabienne Brutus werden wach

Fabienne Brutus war eine Mitarbeiterin der französischen Arbeitsagentur.
Zitat:
Fabienne, ein Beispiel aus Frankreich, wie eine Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit Frankreich nicht mehr mitspielte. Zuerst anonym, später offen entstand eine soziale Dynamik „Nein das machen wir nicht mehr mit“! Ergebnis ein Buch, die Erklärung zur beruflichen und bürgerlichen Ethik von Sud ANPE (Gewerkschaft in der Agentur für Arbeit).

Die „deutsche Fabienne“ wird noch immer gesucht

Quelle und weitere Informationen

Zurück zu Inge H.
Wie geschrieben und hier veröffentlicht, wurde diese engagierte und couragierte Frau nun zum Personalgespräch geladen.

Der Tenor dieses Gespräches dürfte eindeutig sein, wenngleich ich mich mit diesen Worten einmal mehr spekulativ aus dem Fenster lehne.
Ich gehe davon aus, dass „wir“ über Inhalte nichts erfahren werden. Über Inhalte von Personalgesprächen darf der Arbeitgeber wohl berechtigt Stillschweigen fordern.

Wie wird es weitergehen und wo bleibt die Solidarität der Kollegen?

Wie, nicht erst seit Inge H.’s Veröffentlichung, bekannt ist, gibt es eine (hohe) Anzahl von Mitarbeitern in Jobcentern, die nicht unkritisch sind.
Mitarbeiter, die an dem Spagat zwischen ihrem Gewissen und Angst um ihre eigene Zukunft erkranken.

Auch ich möchte diesen Mitarbeitern zurufen:

Fangt an, Euch zu wehren!

Wehrt Euch gegen unerfüllbare Vorgaben, gegen den Druck von oben, den Ihr an das letzte Glied der Kette – den Leistungsbezieher – durchreichen sollt.
Sagt NEIN zu dieser in Gesetz gegossenen Unmenschlichkeit!
Ihr seid nicht allein, und es gibt durchaus legale Möglichkeiten, Eure Rechte zu wahren. Sucht Rückenstärkung bei den Gewerkschaften, und wenn Ihr verbeamtet seid, erinnert Euch an Euer Remonstrationsrecht!
Fangt an zu begreifen, dass Leistungsbezieher und Jobcentermitarbeiter Sklaven eines menschenverachtenden Systems sind, welches damit auch Euch nur durchkaut und wieder ausspuckt, ganz wie es ihm beliebt!

Vielleicht nicht ganz passend, dennoch drängt sich mir in diesem Zusammenhang  die nachfolgende Szene unweigerlich auf