MainArbeit – Vorsicht Jobbörse!

Die Geister, die ich rief …schon Goethes Zauberlehrling ächzte unter Unvorhergesehenem 😉

Nun, eigentlich müsste ich mittlerweile daran gewöhnt sein, dass in den ersten Wochen nach Erscheinen eines Presseartikels „MainArbeit/Vaudlet“ die Hilfeersuchen zunehmen. Diesesmal hat der Bericht über „Zwangskäufe“ ein sehr großes Echo ausgelöst. Die letzten Wochen waren entsprechend stressig, der Extra-Tipp wird nicht nur in Offenbach gelesen. Dementsprechend gab es auch Anfragen aus dem LK Offenbach und dem Main-Kinzig-Kreis.
Bedauerlicherweise scheiterten hier meine Versuche, diese Arbeit an Kollegen zu delegieren.
Kurzum, viel Arbeit – kaum Privatleben.

Insider?

Erfreulicherweise kommentierte in diesem Zusammenhang hier vor Kurzem ein mir persönlich nicht bekannter Leser zum Thema MainArbeit mit offenbar fundiertem (Insider?)Wissen.
Ich habe die nachfolgend kopierte Warnung noch nicht hinsichtlich „Wahrheitsgehalt“ überprüfen können, habe aber keinerlei Zweifel an dem Geschilderten. Dennoch (der guten Ordnung halber) muss ich darauf hinweisen, dass die Darstellung meinerseits ungeprüft ist.

Vorsicht – Jobbörse –

Auszug aus einem der insgesamt wirklich beachtenswerten (!) Kommentare von Joe Donner, verfasst zum Artikel Erstausstattung spezial

Zum Schluss noch eine weitere Information: jeder Kunde der Mainarbeit sollte
für die gesamte Dauer des Kontaktes peinlich genau auf seine persönlichen
Daten achten und das vor allen Dingen in Verbindung mit der Nutzung des Portals “Jobbörse – Mainarbeit”!
Die dort hinterlegten Daten sind zum einen ent
gegen der Zusicherung der Vermittler
nicht “intern und vor Zugriff geschützt”,

sondern sie werden auf der Portalseite eines Privatunternehmens veröffentlicht.
Zugang zu dieser Portalseite kann man sich anonym über eine Legenden-Mail
an die Bundesagentur für Arbeit leicht beschaffen -oder man geht in die Firma
nach Hanau, in der mit den persönlichen Profilen der Arbeitssuchenden ein Ge-
schäft als “Personal-Vermittler” gemacht wird. Die streuen die Profildaten mit der
Gieskanne in der Gegend mit der Hoffnung herum das sich irgendwann einmal
irgendein Firmenchef für irgendeinen Arbeitssuchenden interessieren könnte.

Eingliederungsvereinbarung und Jobbörse

Man möge mich bitte umgehend korrigieren, sollte ich jetzt Unrichtiges schreiben!
Aus meiner Sicht gibt es keine Rechtsgrundlage, die dem Betroffenen abverlangt, sich in einer Jobbörse registrieren zu müssen.
Der so beliebte § 66 SGB 1 (Mitwirkungspflicht) gibt dies nicht her. Wie jetzt der äußerst schwammige § 2 SGB 2 (Grundsatz des Forderns) diesbezüglich zu interpretieren ist…?
Zitat „Eine erwerbsfähige leistungsberechtigte Person muss aktiv an allen Maßnahmen zu ihrer Eingliederung in Arbeit mitwirken“
Ist der Eintrag in ein Online-Portal eine „Maßnahme“, welche eingefordert werden darf?
Oftmals ist in der(überwiegend nicht maßgeschneiderten)Eingliederungsvereinbarung die Jobbörse als „Angebot“ eingetragen, noch nie sah ich dies unter „Pflichten“ vermerkt.

Insbesondere aus datenschutzrechtlichen Gründen rate ich aus meiner Sicht von einem Eintrag in die Jobbörsen ab, denn:

Auch „anonym“ ist nicht anonym

Viele Jobbörsennutzer fühlen sich sicher, da ihr Profil auf Wunsch anonymisiert eingestellt wird. Leider ist es ein Leichtes, diese Anonymität auszuhebeln, wenn man es denn möchte.

Seit der Änderung der Nutzungsbedingungen der Jobbörse der Arbeitsagentur ist es dem Arbeitgeber möglich, Name und Anschrift des anonymen Stellensuchers zu erfahren, wenn er selber ein Stellenangebot aufgibt und das passende, anonyme Bewerberprofil durch das JC als VV erhält, siehe:

§ 10 Weitere Besonderheiten bei anonym veröffentlichten Angeboten

(1) Ein Arbeitgeber, der als Nutzer der JOBBÖRSE registriert wurde, hat die Möglichkeit, bestimmte Einzelheiten eines mit dem Status „anonym veröffentlicht“ in die JOBBÖRSE eingestellten Bewerberangebotes einzusehen, wenn er ein Stellenangebot in die JOBBÖRSE eingestellt hat, welches von der Bundesagentur für Arbeit betreut wird und einen Vermittlungsvorschlag erhalten hat. In diesem Fall kann der Arbeitgeber über die Seite „Bewerbungen“ alle Vermittlungsvorschläge einsehen und den Bearbeitungsstand der Bewerbungen abfragen. Auf diese Weise kann der Arbeitgeber Kenntnis des Namens, der Anschrift und der Kontaktdaten des Bewerbers erlangen, der sein Bewerberangebot „anonym veröffentlicht“ hat.
(2) Diese Daten darf der Arbeitgeber aber ausschließlich für die konkrete Stellenbesetzung nutzen und nicht an Dritte weitergeben. Ein Verstoß gegen diese Bestimmungen berechtigt die Bundesagentur für Arbeit, die betreffenden Angebote – ohne Benachrichtigung der Anbieter – zu löschen und den Zugang zur JOBBÖRSE zu sperren.

Quelle:
Nutzungsbedingungen – www.arbeitsagentur.de

Widerwärtiger Agit-Prop der BA:Inge Hannemann gefährdet tausende Mitarbeiter der Jobcenter

Es ist unglaublich…unglaublich widerlich, was die Bundesagentur in ihrer Pressemitteilung da so vom Stapel lässt.Wider besseres Wissen, unterstellend, verunglimpfend, despektierlich!
Und verlogen!
Ich bitte meine Leser, den Satz …“
Weder gibt es eine Anweisung oder eine Zielvorgabe, über Sanktionen Geld einzusparen“ mit Seite 12 der nachstehenden PDF abzugleichen.

http://www.bundeskongress-sgb2.de/foren-doku-content/forum_d4/downloads/D4_4_Hempfling%20%28Praesentation%29.pdf

Meine Oma pflegte zu sagen: „Getroffene Hunde bellen“

Bevor sogar bei mir der Geifer trieft (die vielen Unsäglichkeiten fallen mir derzeit schwer, sie zu ertragen) belasse ich es zunächst hierbei. Die meisten Leser meines blogs sind ohnehin „insider“ und Selbstdenker…auch das unsägliche „Hartz4“ betreffend.

Ein offener Brief an die BA wird noch verschickt und wer von den geschätzten Lesern hier seiner Empörung ebenfalls Luft machen möchte, nachstehend die mail-Adresse der BA

E-Mail: zentrale.presse@arbeitsagentur.de

Leiter Presse und Marketing: John-Philip Hammersen

Stv. Leiterin Presse und Marketing: Ilona Mirtschin

Ansprechpartner: Anja Huth; Frauke Wille; Susanne Eikemeier; Paul Ebsen

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Presse Info 035 vom 14.06.2013

Angesichts der anhaltenden öffentlichen Attacken der (inzwischen freigestellten) Mitarbeiterin des Hamburger Jobcenters Inge Hannemann sieht sich die Bundesagentur für Arbeit gezwungen, Stellung zu nehmen – allein schon zum Schutz der vielen tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die durch die Äußerungen von Frau Hannemann beleidigt, herabgewürdigt und in Gefahr gebracht werden.

Die Behauptungen von Frau Hannemann sind falsch und führen die Öffentlichkeit in die Irre. Weder widerspricht die Grundsicherung („Hartz IV“) dem Grundgesetz, noch verletzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jobcenter durch ihre tägliche engagierte Arbeit die Würde der Kunden. Weder gibt es eine Anweisung oder eine Zielvorgabe, über Sanktionen Geld einzusparen, noch gibt es „tausende von Selbstmorden“ unter Kunden der Grundsicherung. Und in den Jobcentern arbeiten auch keine seelenlosen Maschinen, die nur Zielvorgaben, nicht aber die Menschen im Blick haben. Die Kolleginnen und Kollegen in den Jobcentern arbeiten Tag für Tag daran, Menschen in Ausbildung und Beschäftigung zu bringen.

Frau Hannemann missbraucht ihre angeblichen Insider-Ansichten, um sich in der Öffentlichkeit als einsame Kämpferin für Entrechtete darzustellen und behauptet dabei auch noch, für die Mehrheit der Jobcenter-Mitarbeiter zu sprechen. Darüber hinaus gefällt sie sich in der Rolle der Märtyrerin, die von ihrem Arbeitgeber (der Freien und Hansestadt Hamburg) „kaltgestellt“ werden soll.

Dazu drei einfache Feststellungen:

  • Frau Hannemann spricht bei ihrer Kampagne gegen die Grundsicherung, die Millionen von Menschen die Existenz sichert, nicht für die Belegschaft der Jobcenter. Im Gegenteil: Sie bringt ihre Kolleginnen und Kollegen in Gefahr, die sich zunehmend Aggressionen von Seiten der Kunden ausgesetzt sehen.
  • Frau Hannemann ist keine „Whistleblowerin“, die Missstände aufdeckt, denn die behaupteten Missstände gibt es nicht – sie kann daher auch keine „Hartz IV-Rebellin“ sein.
  • Wer in einem Jobcenter arbeitet, hat sich an Recht und Gesetz zu halten. Es kann nicht sein, dass eine Mitarbeiterin nach Gutdünken handelt und persönliche, politische Vorlieben auslebt.

Frau Hannemann hat sich den falschen Beruf ausgesucht. Sie sollte nicht ihre Kolleginnen und Kollegen darunter leiden lassen.

http://www.arbeitsagentur.de/nn_27044/zentraler-Content/Pressemeldungen/2013/Presse-13-035.html

Bildungsgutschein „Teil 4“ – die schwere Geburt

Es gibt so Tage, da zweifelt mensch an seinem Verstand – oder dem der Anderen, das kann mensch sehen, wie er will –

Wie hier, klick berichtet, stand die Möglichkeit, eine aus der Erwerbslosigkeit heraus führende Weiterbildung beginnen zu können, auf Messers Schneide. Die Agentur für Arbeit war nicht fähig, innerhalb von 5 Wochen die bewilligten Kosten für Fahrt,Übernachtung und Verpflegung zur Anweisung zu bringen. Ohne dieses Geld wäre bereits die Anreise schlicht gescheitert.
Die Nerven meiner Bekannten lagen so blank, dass sie bereits psychosomatische Beschwerden bekam, angesiedelt im Magen-Darm-Trakt und nicht nur für sie schmerzhaft, auch für ihr Umfeld war ihr Dauererbrechen doch recht unangenehm.

Des Dramas letzter Akt – Mitarbeiter kennen ihr VerBis (Anm.:PC-Programm) nicht

Nach Beschwerden in Nürnberg und Frankfurt per mail und Telefon ging es wie von Zauberhand auf einmal recht fix. Die Teamleitung der „outgesourcten“ Leistungsstelle erwies sich sich als einsichtig und nach mehrmaligen Telefonaten stand dann auch endlich die richtige Höhe des Anspruchs fest (nein, ich bin nicht sarkastisch, wenn ich jetzt anmerke, dass es recht schwierig sein muss, fünf Posten zu addieren ohne einen davon zu vergessen 😉 )
Vereinbart wurde, dass ein Barscheck bis 12.30 Uhr am Empfang der AfA abgeholt werden könne, die Mitarbeiterin solle einfach den Vorgang in der entsprechenden VerBis-Maske abrufen, da sei alles hinterlegt.
Am Empfang scheiterte der Versuch des Abwimmelns, jedoch musste im Beratungsbereich vorgesprochen werden. Dumm nur, dass ich davon ausging, die Scheckübergabe liefe unproblematisch und meine Bekannte allein zur AfA ging.
Noch dümmer, dass die Nebenkosten der Weiterbildung in der Höhe nahezu identisch sind mit der monatlichen ALG-Zahlung. Weder die Mitarbeiterin, bei der meine Bekannte vorsprach, noch ihr Kollege waren in der Lage, den VerBis-Eintrag zu finden. Stereotyp wurde wiederholt, dass ihr Arbeitslosengeld [sic] doch angewiesen sei!
Die mehrfachen Einwände meiner Bekannten, dass es sich um Weiterbildungskosten handele und eben nicht um das reguläre ALG, wurden ignoriert.
Ein einfacher Klick plus ein wenig scrollen hätten da genügt…

Kurz vor dem Eklat, Ende gut, Alles gut

Meine Bekannte fühlte sich zusehends verschaukelt und beharrte darauf, keinen Schritt Richtung Tür zu gehen, bevor sie nicht den Barscheck in Händen hält, die Stimmung kochte hoch.
Da mir die Zeit zu lange dauerte ( die Agentur ist in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung) und ich ein ganz unangenehmes Bauchgefühl hatte, rief ich nochmals den Teamleiter der Leistungsabteilung an. Dieser reagierte schnell und richtig, er kontaktierte sofort die Offenbacher AfA und der Scheck konnte dann endlich ausgestellt werden, mit einer gegenseitigen Entschuldigung verabschiedeten sich die beiden „Parteien“.
Mein persönlicher Fazit:
Ein – völlig unnötige – Schwerstgeburt. Mit etwas Sachverstand wäre dieser Stress locker vermeidbar gewesen.
Da offenbar Lesen und Verstehen nicht zu den Stärken mancher Mitarbeiter gehört, empfiehlt es sich, auch zu den vermeintlich „einfachen Behördengängen“ – wie Scheckabholung beispielsweise – niemals ohne (möglichst sachkundigen) Beistand zu erscheinen.
Meine Güte, eine solche Empfehlung war noch vor wenigen Jahren schlicht undenkbar…

Erwerbslos und krank? Darüber befinden wohl künftig SB und MDK!

MDK, der medizinische Dienst der Kassen, ist bisher zu meinem Erstaunen noch nicht für den Medizin-Nobelpreis vorgeschlagen worden. Unverständlich, sorgte er doch bisher schon mannigfach für Wunder-Genesungen.
Da waren Kranke nach der „Untersuchung“ wieder vollzeit-arbeitsfähig, Behinderte benötigten keinen Pflegedienst (mehr) usw usf.
Ob dies einmal mehr „bedauerliche Einzelfälle“ von Fehlentscheidungen waren? Die Statistiken bei beispielsweise VdK sprechen da eine etwas andere Sprache.
Somit bin ich sicher, dass der MDK bereits sehr viele Wunderheilungen bewirkt hat.
Nun soll künftig der

MDK als Gutachter bei „fragwürdiger“ Krankmeldung von ALG2-Berechtigten

eingeschaltet werden.
Über die Plausibiltät einer ärztlich beurkundeten Arbeitsunfähigkeit entscheidet im Vorfeld
die Arbeitsvermittlung
Erstaunlich, was nicht-medizinisches Personal in Zukunft beurteilen darf, da wird ein Verwaltungsmensch also entscheiden dürfen, ob eine ärztliche Entscheidung (Krankschreibung) anzuzweifeln ist.
Respekt. Offenbar sitzen in den Büros der Jobcenter wahre Multitalente…
Die künftig geplante Vorgehensweise hat Inge Hannemann gebloggt, Auszug daraus:

Vorgehen in den Jobcentern

  • Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung muss durch den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Jobcenter vorliegen
  • Der Zweifel muss durch das Jobcenter begründet sein und dokumentiert werden.
  • Postalischer Auftrag an die zuständige Krankenkasse des Leistungsberechtigten zur Einschaltung des MDK sollte durch eine Führungskraft freigegeben sein
  • Dieses gilt nicht für Privatversicherte – hier fehlt es bislang an einer gesetzlichen Regelung
  • Prüfung durch die Krankenkasse.
  • Die Krankenkasse kann zusätzlich den MDK einschalten.
  • Der MDK wird den Betroffenen, ohne Belehrung über die Rechtsfolgen, zu einer Begutachtung auffordern. Das Jobcenter erhält darüber Kenntnis.
  • Das Jobcenter muss nun die fehlenden Rechtsfolgen des MDK ergänzen und lädt den Betroffenen förmlich zu diesem Termin ein.
  • Das Jobcenter muss in diesem Fall die Fahrtkosten zur Begutachtung nach § 59 SGB II i.V. m. § 309 SGB III übernehmen.
  • Folgen für den Betroffenen
    Stellt nun der MDK fest, dass keine Arbeitsunfähigkeit besteht, trotz Vorlage dieser zuvor beim Jobcenter, kann nach §§ 31 bzw. 32 sanktioniert werden. Der Betroffene muss nun das Gegenteil beweisen. Dabei gilt, dass die subjektive Rechtsvorstellung der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, nicht für die objektive Feststellung von wichtigen Gründen durch das Jobcenter,  ausschlaggebend sind.http://altonabloggt.wordpress.com/ 

Und selbstverständlich kann eine Überprüfung auch nach Aktenlage erfolgen

Hierzu bitte ich um Beachtung der den HEGA beigefügten Auftragsbögen Auftragsformular für den MDK

Die HEGA mit Gültigkeit ab 20.03.2013 hier Fachliche Hinweise

Alsbald vogelfrei?

Die Tür zu noch mehr Willkür wurde weiter aufgestossen. Ich hege Zweifel daran, ob Betroffene in den Ärzten oder Ärztekammern „Verbündete“ finden werden. Daran, ob sich die Mediziner wehren werden gegen eine nicht-fachliche Unterstellung, eine Arbeitsunfähigkeit ohne Grund zu attestieren (analog zu Gefälligkeitsgutachten)
Ich fürchte eher, dass nunmehr viele Ärzte Erwerbslose nur noch dann „krankschreiben“, wenn diese den Kopf schon unter’m Arm haben. Erspart u.U. sehr viel Arbeit und Ärger…
Gerade bei psychischen Erkrankungen dürfte sich hier eine ganz üble Entwicklung den Weg bahnen.

„Bayern-News“ 4 – Arbeitsvermittlung ohne Augenmaß: Augsburgerin soll in einer Bordellbar arbeiten

Vorab: Selbstverständlich sollte es jedem Menschen freigestellt sein, wo und als was er nun arbeiten möchte.
Ich habe auch keinerlei Probleme oder Berührungsängste in Bezug auf das sog. „Rotlichtmilieu“.
Leben und leben lassen…solange auch solche Arbeit auf freiwilliger Basis stattfindet.
Ich bin dennoch der Meinung, dass „Arbeit in der Sexbranche“ nicht durch Agenturen oder Jobcenter angeboten oder vermittelt werden sollte.

Da Vermittlungsvorschläge – anders als durch die AfA im Artikel dargestellt – nahezu immer ohne Ansicht, Neigung oder „Qualifikation“ des Erwerbslosen verschickt werden, „Prinzip Gießkanne“ – dazu überwiegend sanktions-oder Sperrzeitbewehrt sind – sind „Fehlgriffe“ vorprogrammiert.
Und die Abwehr solcher Angebote kann durchaus – mit etwas Pech – zunächst einmal an die existenziell nötigen  Einkünfte gehen. Auch wenn eine mögliche Sperre schnell von den Sozialgerichten einkassiert würde, so wären doch zuerst Ärger, Widerspruch und vorübergehende finanzielle Einbuße angesagt.

Auch die Verniedlichungen, Verharmlosungen und Relativierungen in Kommentaren und anderen Medien halte ich (nicht nur) aus den genannten Gründen für reichlich daneben.

Zitat
Die Augsburger Agentur für Arbeit hat einer 19-Jährigen eine Stelle als Servicekraft in einem Bordell vorgeschlagen. Die Frau sollte in dem Bordell Gästen an der Theke Getränke ausschenken. Voraussetzung sei ein „ansprechendes Auftreten„, heißt es in einem Brief des Arbeitsamtes…

der ganze Artikel hier

„ansprechendes Auftreten“ , altbekannt unter Animieren in entsprechend aufreizender Kleidung, zieht zwangsläufig Gegrapsche und weiterführende Angebote potentieller Freier nach sich, da hat sich nun rein gar nichts geändert in Bordellen. Und deshalb widert mich der Januskopf der Leserschaft und Journalisten momentan einmal mehr gewaltig an:
Ein medialer Aufschrei geht durch’s Land, weil ein Politdarsteller sich zu schlüpfrigen Sprüchen hinreißen ließ. Die Empörung über ein absurdes „Angebot“ einer deutschen Behörde wird jedoch als „überflüssiger Hype“ betitelt und der Vorgang (fast schon schmunzelnd) als „kurios, Panne oder Versehen“ bezeichnet.

Weiterbildungsmaßnahme, die ihren Namen kaum verdient – eine Schilderung

Ich berichtete ja vor geraumer Zeit über den „Kampf“ um einen Bildungsgutschein

Diese Fortbildungsmaßnahme meiner Freundin ist nunmehr beendet, das Ergebnis katastrophal!
Da ich bereits seit Wochen mir das Dilemma (und die daraus resultierenden Zukunftsängste) anhören muss in Bezug auf die „Bildungsinhalte“ und Vieles mehr, bat ich meine Freundin darum, sich täglich Notizen zu machen.

 
Exkurs: Dass die sogenannten „Maßnahmen“, mit welchen die AfA und die Jobcenter ihre „Kunden“ beglücken, häufig sinnentleert sind, dürfte hinreichend bekannt sein. Dass diese Art Maßnahmen (Bewerbungstraining,PC-Kurs und häufig das „Auffinden persönlicher Hemmnisse“ ect.) weitestgehend nur der statistischen Bereinigung dienen – Maßnahmeteilnehmer zählen nicht als erwerbslos – hat sich mittlerweile auch herumgesprochen. Dass aber Bildungsträger, die -teuer bezahlt- tatsächlich benötigtes Fachwissen vermitteln sollen, derart grottenschlecht arbeiten, war auch mir neu.

 
Aus den Notizen und den vielen Gesprächen mit meiner Freundin ist zu entnehmen, dass die letzte Klasse eine Quote von 90% „Durchfallern“ aufwies, dass die Dozenten(?)Fluktuation extrem hoch war, dass permanent der neue Dozent das als Unfug abtat, was der Kollege vor ihm vermittelte.
Dauerhafte Verunsicherung der Schüler also, die zum Schluß nicht mehr wussten, was nun aktuelle Gesetzeslage ist, welche Vorgänge zwingend vorgeschrieben sind.
Für viele der meist älteren Schüler ist dies die letzte Chance, einen halbwegs „gut“ bezahlten Arbeitsplatz zu erlangen, insofern ist das, was da stattfindet, in meinen Augen eine Schweinerei und Abzockmentalität in Reinkultur.
Das schriftliche Unterrichtsmaterial ist nachweislich nicht mehr aktuell, die Dozenten überließen die Schüler häufig sich selbst, da sie paralell 2 bis 3 Klassen unterrichteten.
Statt schwierige Gesetzestexte einzuüben wurde schwadroniert über Eigenerleben in der beruflichen Laufbahn, statt an den Röntgenanlagen zu üben, wurden „lustige Fliegerfilme“ auf you-tube gezeigt – von der Dozentin, wohlbemerkt –
Ein Praktikum fand nicht statt, stattdessen sollen die Schüler nach Ablauf der Maßnahme jetzt „irgendwann“ von einer Sicherheitsfirma angerufen werden, die ihnen dann das Praktikum zuweist.

Mir ging als Erstes die völlig unklare versicherungsrechtliche Bedeutung durch den Kopf, dann ist ein Praktikum, welches nicht während einer Fortbildung stattfindet, zumindest vertraglich abzusichern und ggfs. auch zu dotieren. Und wo bleibt übrigens der Datenschutz, wenn private Telefonnummern seitens des Trägers an eine Firma weitergegeben werden?
Ein Prüfungstermin steht noch nicht fest, teilweise sind jetzt „Durchfaller“ aus dem Sommer 2012 in die Klasse integriert worden, die als erstes „irgendwann im Februar“ geprüft werden sollen.
Für eine solche Maßnahme zahlt die Afa pro Nase schlappe 4000.-€, und im Endeffekt wird denen, die mangels geeigneten Unterrichtes durch die Prüfung rasseln (es werden erneut viele sein) , wahrscheinlich gesagt werden: „Selbst schuld“.
Die Schuld wird ja Erwerbslosen immer gegeben, es sind ja immer „persönliche Defizite“, die den Betroffenen angelastet werden. Oder glaubt hier irgendwer daran, dass den Schilderungen des jeweiligen Schülers von seiner jeweiligen „Beraterin“ der AfA/des Jobcenters Glauben geschenkt wird?
Schon allein aus diesem Grund habe ich beschlossen, die Zustände in dieser Bildungsmaßnahme den zuständigen „Chefeinkäufern“ der AfA schriftlich zu schildern. Und das Luftfahrtbundesamt wird ebenfalls Kenntniss erlangen. Beide Institutionen müssen zertifizieren (das LBA prüft alle 3 Jahre) und einem solchen Bildungsträger ist die Zertifizierung mMn abzuerkennen. Ich werde dahingehend mein Bestes tun…

Das Sahnehäubchen zum Abschluss: Diejenigen die durchfallen, können sich für nur 450.-€ (bitte selbst bezahlen, so der Schulungsleiter) 2 Wochen Nach-Unterricht kaufen.
Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen 😉
Gestern behauptete die Dozentin, dass es Luftsicherheitskräften verboten sei, an Demonstrationen teilzunehmen, dass das familiäre Umfeld im Hinblick auf eventuelle Kriminalität überprüft würde und
dass  stichprobenartig die privaten Telefonate abgehört würden.

Nun würde ich ja zunächst sagen, dass die Gute entweder zu viele amerikanische Krimis gesehen hat oder sich einfach nur zu wichtig nimmt.
Dem Grunde nach könnte man also lächeln…wäre da nicht die Verunsicherung der Teilnehmer und mein (verschwörungstheoretischer?) Gedanke im Hinterkopf, dass hier Mitbürger massiv und bewusst manipuliert werden sollen. Generell aber ist eine solche Art der „Kenntnissvermittlung“ zumindest ungebührlich und wer solchen Schwachfug erzählt, sollte nicht mehr als Dozent auf -ohnehin schon unsichere- Menschen losgelassen werden.

Was für eine Woche…und das Phantom der Arbeitsagentur ;)

Etwas spöttisch heißt es ja oft, dass Rentner niemals Zeit haben…ich kann das zumindest für mich in letzter Zeit so unterschreiben.

Eine Rückschau auf die vergangene Woche (und ein Blick in den Spiegel 😉 ) sagt mir, dass ich wohl derzeit einen hohen Stresspegel habe. Es ist aber auch zum Haareraufen, es brennt irgendwo immer an mehreren Ecken zeitgleich, jedwedes Prioritätensetzen wäre nicht richtig, nichts duldet wirklich Aufschub.
Ich versuche einmal, die Woche noch irgendwie „zusammen zu bekommen“, die (gefühlten) 30 -40 nicht privaten Telefonate seien nur am Rande erwähnt.
Da waren also das Zeitungsinterview, 3 Gespräche (neiiin, ich berate nicht, ich spreche ja  nur mit „Bekannten“ 😉 ) ausser Haus, der Abend in der Elo-Ini vor Ort, 2 „Gespräche“ bei mir zu Hause. Recherche via Internet…keine Ahnung, wie viele Stunden das waren , der PKH-Antrag für meine Freundin musste ergänzt und verschickt werden, im Internet-Cafe musste ich „Faxen machen“ –  ein eigenes Faxgerät ist wohl die nächste große Anschaffung -.
Resultierend aus den „Gesprächen“ musste ich entsprechend viele liebe „Briefe“ verfassen 😉 mit dem heutigen Tag bin ich bei 22 Stück angelangt.
Ach so, eine Bevollmächtigung in der AfA galt es noch wahrzunehmen, 2x Hilfestellung via mail durchzuziehen und ein lieber „Bekannter“ hatte keine Ahnung, wie er einen Behindertenausweis beantragt…

Die Krönung aber war ein Telefonat mit dem Kundenreaktionsmanagement in Nürnberg.
Nachdem ich vom „Service-Center“ der hiesigen Agentur erfuhr, dass auf Nürnberger Anweisung hin keine Durchwahlnummern/Direkt-Mail-Adressen der Arbeitsvermittler herausgegeben werden dürfen, rief ich beim KRM direkt an.
Hintergrund: Meine Freundin sitzt seit knapp 4 Wochen in der mittels Bildungsgutschein geförderten Weiterbildung und hat bisher noch keinen Cent gesehen von den zugesicherten UND vorverauslagten Kosten (Monatskarte, Führungszeugnis, Fahrtkosten zum Vorstellungsgespräch ect)
Kurzerhand war ich dann eben mal die Frau N. 😉 und musste mir anhören, dass ein Telefonat nur durch Rückruf der AV möglich sei…aber ich habe doch kein Telefon.
Dann eben per mail…ich habe kein Internet.
Immerhin gelang es der Mitarbeiterin im KRM, Einblick in „meinen“ Vorgang zu nehmen.
„Das können Sie doch auch, über Ihre Jobbörse“, so tönte es aus dem Hörer…ich bin aber in keiner Jobbörse.
„Das gibt es nicht“, war die Antwort. „Doch“. „Nein, das KANN nicht sein“. „Doch“…
Bevor es in ellenlange Diskussionen ausartete, teilte ich der Mitarbeiterin mit, dass Frau W. (die Arbeitsvermittlerin meiner Freundin) dann eben „die Bevollmächtigte“ (also mich, grins) zurückrufen solle, es ginge schließlich nur  um ein kurzes Abklären, wann endlich mit dem Geld zu rechnen sei…

Und dann kam es:
Eine Frau W. sei nicht im System! „Meine“ Arbeitsvermittlerin war schon immer Frau P.

Wie bitte? Mit wem hatte ich das denkwürdige Gespräch wg. des Bildungsgutscheines dann bitte? Schwarz auf weiß vor mir – Frau W. –
„Nein“ hörte ich, das sei unmöglich, es gäbe diesen Vorgang nicht, meine AV sei Frau P. Eine Frau W. sei bei mir nie in Erscheinung getreten…

Bevor ich nun vielleicht das Gefühl entwickelt hätte, vollends bekloppt zu sein, bat ich darum, diese Angelegenheit schnellstmöglich zu klären und „die Bevollmächtigte“ anzurufen und beendete das Telefonat.

Am Montag werde ich, wenn die Zeit es hergibt, dann hier vor Ort in der Agentur aufschlagen.
Sollten wir vor 4 Wochen wirklich mit einem nicht-existenten Wesen diskutiert haben?
Hat gar ein Phantom damals meiner Freundin unterstellt, sie sei Analphabet?
Sind wir also entweder bescheuert oder Geisterseher?

Oder weiß in diesem „Haus, das Verrückte macht“ (geklaut bei Asterix 😉 ) in Wirklichkeit doch eher keiner , was er macht, in die Eingabemaske tippt, bewilligt?
Wie sagten wir früher so schön: Wer bei derart Dingen nicht krank wird, der kann nicht ganz gesund sein 🙂 …

Man lernt nie aus…heute in der Agentur für Arbeit

3 Termine in zeitlich extrem kurzer Abfolge, nun ja, Stress hält jung 😉

Zwei der heutigen Termine betrafen „meine“ Großfamilie, da werde ich an anderer Stelle berichten. Schreiben möchte ich hier von der Antragsabgabe in der Afa, die ich stellvertretend für meine Freundin (jaaaa, die vermeintliche Analphabetin ist gemeint, grins) wahrnahm, denn sie drückt ja seit gestern gefördert die Schulbank.

Vollmacht vorgelegt, Ausweis dazu…“ich kopiere mal eben“.
Klar, darf sie das, aber nur die Vollmacht. Stutz und Stirnrunzeln auf der anderen Schreibtischseite…“aber dann könne ich doch telefonisch keine Auskunft erhalten“
Wie bitte? Meine Frage: Läge- theoretisch- denn die Kopie meines Ausweises abgespeichert im System, auf welches die Mitarbeiter des Telefon-Service-Centers Zugriff haben?
Antwort:“ Nein, die liegt hier in der Papierakte“
Ah ja. Und die Vollmacht als solche ist aber im System vermerkt? Antwort: „Ja“.

Ich darauf: „Und was sagt uns das jetzt“? Antwort: „Öhmm,ja, irgendwie unlogisch, ich brauche dann doch keine Kopie…“ 🙂

Die Berechnung des ALG war dann der Hammer.
Trotz des Vorliegens zweier völlig unterschiedlicher Arbeitgeberbescheinigungen (das Gehalt hat sich exorbitant verschlechtert in den letzten 12 Monaten!) kam kein Hinweis auf die variable Möglichkeit des Bemessungszeitraums.

Ich habe die Dame zunächst alles ausrechnen lassen (bezogen auf die geringer dotierten letzten 12 Monate) und wies dann erst auf diese rechtliche Möglichkeit hin.
Die Antwort kam gedehnt:“ Jaaa, das geeeht, aber nur wenn der Kunde das wünscht. Betrachte ich das jetzt als Ihren Wunsch?“

Meine Fre**e, wenn der „Kunde“ sich im Vorfeld also nicht schlaumacht, erfährt er vor Ort keinerlei Beratung! Wie soll er „wünschen“, wenn man ihn nicht aufklärt?

Nun gut, jetzt muß sie alles neu berechnen, auf Kritik für dieses beratungsferne Vorgehen habe ich verzichtet, meine Mimik war wohl ausreichend…süffisantes Grinsen nennt man das, glaube ich…

Nein, aber Spaß beiseite: Auch in der Afa wird man offensichtlich mit einer Geschwindigkeit über den Tisch gezogen, dass ein uninformierter Mensch diese dadurch entstehende Reibungshitze für Nestwärme hält.
Ich möchte nicht wissen, wieviel € an Versicherungsleistung (!) durch ein solches Vorgehen jährlich eingespart werden…

Tod im Jobcenter – offener Brief an Alt (BA Nürnberg) und Schneider (SPD)

Das Betroffenheitsgefasel -unter Ausblendung der Realität- der in der Betreffzeile genannten – Heinrich Alt von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg und Guntram Schneider, NRW Arbeitsminister (SPD) empfinde nicht nur ich, gelinde gesagt, als beschämend!

Konkret gemeint sind die Äußerungen hier gegenüber dem WDR http://www1.wdr.de/themen/panorama/jobcenterneuss100.html

…Auch NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) war vor Ort und sprach Mitarbeitern und Angehörigen sein Mitgefühl und Beileid im Namen der Landesregierung aus. Schneider zeigte sich bestürzt: „Diese Tat ist durch nichts zu rechtfertigen. Weder durch eine schwierige private noch berufliche Situation.“ Die Tat zeige, welchem Druck und welchen Spannungen die Beschäftigten von Jobcentern ausgesetzt seien….

und Alt

…“Nichts, aber auch gar nichts, rechtfertigt eine solche Handlungsweise.“ In den Jobcentern gebe es zwar diverse Sicherheitsmaßnahmen, ein Vorfall dieser Art sei aber leider nicht zu verhindern gewesen. „Unsere Mitarbeiter können sich nicht hinter Schutzglas verschanzen. Wir brauchen eine Vertrauensbasis mit unseren Kunden. Dazu müssen wir eine offene Behörde sein“, sagte er am Mittwoch in Nürnberg

Leider ist es mir nicht möglich, den offenen Brief eines lieben Kollegen und Freundes aus Aachen hier hinein zu kopieren.
Somit bitte ich meine Freunde und die Leser dieses Blogs, sich hier

http://wp3.t-ac.de/archive/911#comment-46

den offenen Brief durchzulesen. Ich denke, Weiterverbreitung ist nicht unerwünscht…