Ist Mitgefühl noch zeitgemäß?

 

Zugegeben, dieser (Unter) Titel ist geklaut 😉
Eine liebe Freundin benachrichtigte mich heute kurzfristig ,um mir mitzuteilen, dass im WDR gleich eine Sendung mit Inge Hannemann anfange.
Hier ein link zur Sendung Des anderen Freud und Leid


Gut, ich kenne Inge nun (oberflächlich) persönlich und wenngleich ihre Arbeit unter den Erwerbslosen(Vertretern) nicht unumstritten ist…ich persönlich wertschätze diese, mag ihre natürliche,hanseatisch-feinhumorige Art und höre ihren Einlassungen – nicht nur deswegen – immer wieder gerne zu.
Womit ich eigentlich schon beim Thema „Empathie“ angelangt wäre… 😉

Empathie vs. professionelle Distanz

Vor wenigen Tagen erst hatte ich ein – für mich recht frustrierendes – Gespräch mit einer weiteren lieben Freundin. Die „Vorhalte“, welche ich mir anhören durfte (und welche mit Sicherheit aus freundschaftlicher Besorgnis rührten!) waren nicht neu:
Ich sei auch (oder gerade?) in meiner Arbeit zu emotional, ich wahre nicht genügend professionelle Distanz, ich schade mir damit nur selbst ect.pp.
Soweit, so (bedingt) richtig.
Ob man jenseits von Supervision und/oder Ausbildung im sozialen Bereich sich diese Distanz „erarbeiten“ kann und vor allem – wie- das zu thematisieren war ich nicht mehr in der Lage. Denn irgendwann fiel der Satz, es sei nur ein Glücks/Zufall , dass mein „Klientel“ noch nicht Schaden erlitten hätte aufgrund meiner emotionalen Art.
Peng, das saß!

Fast sieben Jahre…

…versuche ich bislang, Menschen im Kampf gegen Jobcenter-Willkür zu unterstützen, und ja, insbesondere die U25er nehme ich zunächst an die Mutterbrust 😉 Hand. Irgendwann später geht es dann in Richtung „Hilfe zur Selbsthilfe“ und bislang hat das auch immer funktioniert.
Gretchenfrage: Trotz oder wegen meiner niemals versteckten Emotionalität?

Weitere Fragen

Die heutige Sendung im WDR kam passgenau. Denn ich war doch schon arg im Zweifel, ob ich mich künftig besser „verstellen“ sollte, die Distanzierte mimen.
Mimen, schauspielern zugunsten Anderer (wobei der Nutzen sich dann erst einmal beweisen müsste) , meine „Art“ gewaltsam verändern?
Kann ich das und vor Allem: Will ich das?
Selbstreflektion…kann ich mir vorstellen, „anders“ zu sein und gehören „Enttäuschungen“ (und die damit einhergehenden Tiefs) nicht einfach zu mir dazu? Schließlich empfinde ich ja auch Positives sehr stark, dies scheint mir doch als ein logisches „Yin-Yang“…

Exmanager und Erich Kästner

Wie bereits geschrieben, die Sendung hat mir meinen Kopf wieder gerade gesetzt 😉
Die Fotografin, welche seit vielen Jahren in Kriegsgebieten tätig ist und auch die Kriminalpsychologin gehen „professionell distanziert“ mit ihren Erlebnissen um.Die Psychologin erwähnte, dass sie eine zerstörte/verstörte Seele ähnlich betrachtet, wie sich ein Automechaniker ein defektes Auto anschaut.Die Fotografin denkt bei aufkommendem Mitleid daran, dass sie ihrem Auftrag (Job) nachgehen muss und der ist eben, das Leid bildlich zu übermitteln.
Ich denke, in diesen höchstbelastenden Berufen ist diese Haltung unbedingt wichtig und richtig.
Und doch war es zwar sehr interessant, diesen Menschen zuzuhören…wirklich angenehm aber waren Inge Hannemann und vor allem der Ex-Manager Patrick D. Crowden.
Das Buch Neustart…ab jetzt zählt der Mensch, welches er vorstellte, ist schon auf meiner Wunschliste.
Ganz spannend finde ich die überzeugende Logik Herrn Crowdens, welche bereits von Erich Kästner – Ansprache an Millionäre – aufgezeigt wurde. Vergleicht einfach selbst… 😉

Menschen sind es, die Unternehmen erst erfolgreich machen, doch von den Betriebswirten übers Management bis zu den Aktionären starren alle immer nur auf wirtschaftliche Kennziffern. Aber es gibt ein Mittel gegen sture Zahlenhörigkeit: Respekt, Achtsamkeit und Vertrauen…
Selbstbestimmte Mitarbeiter und steigende Profite schließen sich darin nicht aus, im Gegenteil: Wenn sich Unternehmen darauf einlassen, werden alle gewinnen!
(Crowden)

Ihr helft, wenn ihr halft, nicht etwa nur ihnen.
Man kann sich, auch wenn man gibt, beschenken.
Die Welt verbessern und dran verdienen –
das lohnt, drüber nachzudenken…
(Kästner)

Ergebnis

Die professionelle Distanz verhinderte aus meiner persönlichen Sicht, dass die zuvor genannten Damen empathisch wirkten. Obwohl sie doch nur in einer Talkrunde saßen…also von ihrer Professionalität durchaus hätten ablassen können.Doch…können sie es noch?
Offenbar dringt dieser nützliche Selbstschutz also früher oder später auch in andere Lebensbereiche ein…und nein, so möchte ich dann doch nicht sein.
Man(n) 😉 wird mich also weiterhin so nehmen müssen, wie ich bin. Zu schnell begeistert, zu emotional, zu euphorisch, zu aufopfernd…oder wie auch immer.Unprofessionell? Gewiss.
Vielleicht aber auch nur:
Derzeit.
Andere Zeiten, andere Sitten, heißt es so schön. Und vielleicht kommt die Zeit, in der großes Mitgefühl und emotionales Einbringen DIE Professionen sind.Wer weiß das schon…

Sinn oder Unsinn? Gedanken zur Petition zur Abschaffung von Sanktionen

Vorweg:
Ja, ich habe diese Petition „natürlich“ gezeichnet.
Und nochmals ja, ich sammele weiterhin Unterschriften auf papiernen Formularen.
Und nein, ich sehe diese Aktion keinesfalls „blauäugig“, Inge Hannmann ist in meinen Augen auch kein „Heilsbringer“, vielmehr „nur“ ein Mensch, der sich den Ungerechtigkeiten nicht (mehr) beugen will.

Diskussionen, auch mit engen Freunden, liefen einige Male in die Richtung…“wenn das Quorum nicht erreicht wird, ist das Wasser auf die Mühlen der ReGIERung“ oder
„…das Sanktionssystem ist systemimmenent,damit wird die Wettbewerbsfähigkeit durch Angst (und damit Durchsetzung zur Annahme von prekärster Arbeit) am Leben erhalten“…sehr schön u.A. hier nachzulesen, fast deckungsgleich mit den Argumenten der Petitionsverweigerer, mit welchen ich diskutierte:
Zitat…“In diesem System wird man nur auf eines reagieren, nämlich wenn man entscheidende Nachteile zu erwarten hat, oder wenn die perfiden Ideen nicht durchsetzbar sind. Dies wiederum bedeutet aber eine Abkehr vom Glauben an das Gute im Menschen, hin zu aktiven Handeln.“

 

Quelle:ALI Gegenwind
Die, in Teilen sehr schlüssige, Argumentation kann und will ich nicht kleinreden. Was aber bedeutet „Abkehr vom Glauben an das Gute“ i.V.m. „Handeln“?

Sind „gewaltsame“ Proteste die vermeintlich einzig noch verbleibende Option?

Da dürfte ein Blick nach Spanien, Griechenland usw usf doch ziemlich rasch eines Besseren belehren. Trotz massiver Protestbewegungen, trotz Verletzter und Toter hat sich nichts, aber auch gar nichts geändert zum Vorteil für das Volk, das Gegenteil ist der Fall.

Ein Kommentar auf dem Blog von Inge Hannemann spricht mir aus der Seele, mehr vermag ich selbst nicht zu schreiben.Alles andere wäre nur eine weitere Formulierung gleichen Inhaltes…

Es gibt seit Jahren genügend Länder auf Erden, die mit Gewalt versuchen, menschliche Grundrechte durchzusetzen, indem sie z.b. Diktatoren stürzen.
Die Folge war und ist nachwievor, dass dann andere Diktatoren den Platz des alten Diktators einnehmen, oder z.b. das Militär wie jetzt in Ägypten.
Natürlich versprechen sie dem Volk, sich ab jetzt FÜR das Volk einzusetzen und alles besser zu machen wie die Regierenden zuvor.

 

Was ich damit sagen will: Gewalt wird immer wieder Gewalt hervorrufen. Wenn im Herzen der Hass vorherrscht, wird sich dieser auch immer wieder manifestieren

 

Sie werden auch nichts ändern, indem sie die Grundgesetz-Volkstreter mit Gewalt vertreiben.
Sie können nicht für die Menschenwürde stehen und gleichzeitig um sich schlagen.

 

So weh es auch tut, und solange es auch dauert: Wichtig ist und bleibt, die Menschenwürde auch mit dem Herzen zu vertreten und das auch so nach Außen zu zeigen. Sie werden sehen, dass es sich lohnt.

 

Widerstand ja, aber nicht mit Gewalt, weil diese nur das fördern wird, was Sie eigentlich “weghaben” wollen, nämlich Verstöße gegen das Grundgesetz.

 

Ich verstehe dennoch, dass Sie die Petition nicht unterschreiben wollen. Ich gebe Ihnen sogar Recht damit, dass die herrschenden Politiker nichts am SGB II ändern wollen, und doch habe ich unterschrieben.

 

Warum ich das machte? Weil mir bewußt ist, dass ENERGIE seinen Weg finden wird. Wenn 50.000 Menschen nach Außen bekunden, dass sie gegen Sanktionen in Bezug auf das Existenzminimum sind, dann hat das eine gewaltige Kraft und Energie.
Die meisten Menschen unterschätzen die Kraft der Gedanken, Worte und der Tat. Es braucht keine Gewalt, um Wichtiges zu verändern, Energie sucht sich oftmals seinen ganz eigenen Weg. Wenn sich die Menschen einig darüber sind, was Menschenwürde ist und wie diese nach Außen gelebt werden sollte, DANN wird sich dieses auch entsprechend manifestieren, ohne dass der Mensch zunächst weiß, wie diese Manifestation aussehen soll.

 

Es braucht nicht für alles einen exakten Plan, der mit Gewalt durchzusetzen ist; der Mensch muss sich nur seiner eigenen Kraft zur Manifestation bewußt werden, denn schon vor Jahrtausenden hat er vergessen, dass er diese Kraft besitzt, und genau deshalb wird er seit Tausenden von Jahren re-gier-t und ist von Außen steuerbar (bis hin zur Steuerung der Gedankenmuster).

Vor allem wird diese Kraft immer größer, je mehr Menschen ähnlich denken. Wenn möglichst viele Menschen mit der Unterschrift ausdrücken, dass sie keine Sanktionen mehr wollen, dann wird das seine Wirkung nicht verfehlen.
Nur wird das Universum evtl. andere Wege finden, dieser Energie zur Manifestation zu verhelfen als durch ein Umschwenken herrschender Politiker

Quelle: altonabloggt

Inge Hannemann – Petition Abschaffung der Sanktionen und Leistungseinschränkungen

 

Liebe Freunde, Leser und Mitstreiter,
ich bitte auf diesem Wege herzlich um Weiterverbreitung und Mitzeichnung dieser Petition:

https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2013/_10/_23/Petition_46483.nc.html

Danke dafür im Voraus…die Zeit drängt, Zeichnungsschluß ist bereits am 18.12.2013

Heute nun ist die Petition von Inge Hannemann zur Abschaffung der Sanktionen und Leistungseinschränkungen bei Hartz IV und Sozialhilfe auf der Bundestagswebseite freigeschaltet worden. Sie kann ab sofort mitgezeichnet werden.

Jede Unterzeichnung zählt!
Bis zum 18.12. 2013 müssen 50.000 Mitzeichnungen erreicht werden, damit der „offene Strafvollzug Hartz IV“ endlich auch in einer Anhörung im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags öffentlich skandalisiert werden kann.

Die Petition von Inge Hannemann kann im Internet online mitgezeichnet werden:
„Arbeitslosengeld II – Abschaffung der Sanktionen und Leistungseinschränkungen (SGB II und SGB XII)“
https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2013/_10/_23/Petition_46483.nc.html

Auch für diejenigen, die noch kein Passwort für eine Mitzeichnung einer öffentlichen online-Petitionen an den Deutschen Bundestag haben, geht das einfach.
Hier
https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2013/_10/_23/Petition_46483.mitzeichnen.registrieren.html
trägt man sich einmalig ein. Damit sind auch zukünftig andere Petitionen unkompliziert mitzeichenbar. Auch das Petitionsforum ist nutzbar.

Die Petition von Inge Hannemann kann statt über das Internet auch schriftlich mitgezeichnet werden.
Hier das Formular auf Inge Hannemanns Blog:
http://altonabloggt.files.wordpress.com/2013/11/ersatzlose-streichung-sanktionen-leistungseinschrc3a4nkungen-sgb-ii-und-sgb-xii.pdf

Wichtig ist, dass das Formular mit allen notwendigen Angaben der UnterzeichnerInnen vollständig und gut leserlich ausgefüllt und bis zum 11.12. 2013 an die im Formular angegebene Anschrift postalisch übermittelt wird. Spätere Übermittlungen können zur Erreichung einer öffentlichen Anhörung zur Petition im Deutschen Bundestag nicht berücksichtigt werden.
Achtung: Eine Doppelunterzeichnung schmälert das Ergebnis!

Los geht es also! Gegen den „offenen Strafvollzug Hartz IV“!

Aufruf, vorm Spiegel zu verweilen – Ein Ex-Fallmanager appelliert an seine Kollegen

Kurzes Vorwort/persönliche Meinung:

Inge Hannemann und Burhard Tomm-Bub (beide Ex-Mitarbeiter versch. Jobcenter) sind in der Erwerbslosen-Aktivisten-Szene nicht unumstritten. Vielfach werden ihnen eigennützige, monetäre,narzisstische oder sonstwie geartete negative Beweggründe unterstellt.

Ich teile diese Auffassung nicht, schlicht, weil ich diese Menschen nicht kenne und mir daher keine negative „Beurteilung“ anmaße!
Und ja, ich verstehe die Wut, den Zorn der Betroffenen, welche unter Kollegen dieser beiden Aussteiger unsäglich gelitten haben.
Für Hasstiraden aber, die diesen beiden Mitmenschen schon entgegenschlugen, habe ich keinerlei Verständnis.
Wir, die Aktivisten, haben in acht Jahren des Widerstandes wenig, zu wenig erreicht!

Es ist an der Zeit, über den Tellerrand hinweg zu schauen und diesen Aussteigern den Schulterschluß anzubieten!
Es ist an der Zeit, den Aussteigern ihre frühere „Naivität“ zu verzeihen!
Ja, Naivität – denn Überzeugungstäter steigen niemals aus!
Es ist an der Zeit, zu begreifen, dass „wir“ die eigenen Reihen nicht zu überzeugen brauchen, denn „wir“ wissen, wie der Hase läuft!
Vielmehr brauchen wir weitere Aussteiger, um die Noch-Nichtbetroffenen zu erreichen.
„Wir“ schaffen es alleine nicht, „wir“ sind (wahlweise) die Unpersonen, die Kommunisten, die Faulen, die Schmarotzer, die professionellen Jammerer…
„wir“ sind nicht glaubwürdig!
Bedanken wir uns dafür bei Politik und den willfährigen Medien.

„Amts-Menschen“, Insider oder wie man sie auch nennen mag, wirken per se glaubwürdiger auf die nicht betroffene Bevölkerung.
Das ist zwar schei**, aber leider Fakt!
Und diesen Fakt sollten wir uns zunutze machen!
Potentielle weitere „Whistleblower“ zu verprellen ist da schlicht töricht.

Suchten wir nicht jahrelang nach einer deutschen Fabienne? Und jetzt beäugen „wir“ Aussteiger mit Argusaugen und hauen ihnen verbal ihn in’s Gesicht?
Muss ich das verstehen?

Was  hindert „uns“, neue Wege zu probieren? Mehr als nicht funktionieren kann es doch nicht!

Zur Erinnerung: Solidarität und Tellerrand

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Aufruf vorm Spiegel zu verweilen!

FallmangerInnen, ArbeitsvermitterInnen – KollegInnen!


Einige von Euch werde ich mit meinen Worten nicht erreichen, zumindest nicht ihre Herzen … (vielleicht aber doch ihren Verstand).

 

Einigen ist recht vieles egal, einige legen es sich so zurecht, dass Andere schuld sind, die Kunden, die Gesetze, die Chefs, …

 

Einigen ist es wichtig, ihre Ruhe zu haben, ein gutes Auskommen, Versorgung für die Kinder, evtl. sogar noch ein kleiner beruflicher Aufstieg. Das kann man verstehen.

 

DOCH VIELEN IST ES NICHT EGAL

 

Ich kann Euch hier nur Schlagworte liefern – doch sie sind belegt (s.u.).

 


 

  • Bei UNGÜNSTIGSTER Rechnung haben wir für JEDE (!) offene Stelle ZWEI verfügbare und topmotivierte ALG II – BezieherInnen. WARUM konzentrieren wir uns auf die Kontrolle und Sanktionierung von (angeblich) Unwilligen?

 


 

  • Ein ExistenzMINIMUM kann man schon vom Begriff her nicht mehr kürzen. Auf keinen Fall aber um 60% oder 100%. Das ist verfassungswidrig und unmenschlich, in einem reichen Land wie unserem allemal.

 


 

  • Das handling von Fallzahlen, EGV`s, Maßnahmezuweisungen, Sanktionsquoten, Bewerbungsnachweisen, u.ä. hat schon lange das Urkonzept vollständig verraten und wird immer sinnloser und absurder.

 

Schon diese wenigen Beispiele reichen völlig aus, finde ich.

 

Aufruf vorm Spiegel zu verweilen

 

Wir alle wissen, dass es stimmt, was oben beschrieben wird.

 

Wir alle stehen am Morgen vor dem Badezimmerspiegel.

 

Verweilt. Schaut Euch in die Augen.

 

Was kann ICH tun, um das zu geben, was ich ja auch selbst bekommen will?
Was kann ICH tun, um etwas mehr Würde, etwas mehr Gerechtigkeit, etwas mehr Menschlichkeit zurück zu bringen in die (jobcenter-) Welt?

 

Vielleicht etwas ganz Großes. Kündigen, Klage einreichen, etwas in dieser Art. Vielleicht etwas anderes. Im Alltag den MENSCHEN helfen. In Teamgesprächen diskutieren. In Foren im Internet mitreden. Leserbriefe schreiben. Mit Kollegen reden. Mit den örtlichen Hartz IV – Gruppen / Beratungsstellen Kontakt aufnehmen. Etwas noch ganz anderes, kreatives.

 

Und dann schaut wieder in den Spiegel. Ihr werdet schöner aussehen, stärker und stolzer – versprochen! Mein Wort darauf.

 

Unterstützt von / Unterstützend für:

 


Marcel Kallwass, Student a.d. Hochschule der BA (Bundesanstalt für Arbeit).

 

 

Norbert Wiersbin, (Dipl.-Päd., Dozent und Ex – Fallmanager)

 

 

Inge Hannemann, z.Zt. suspendierte jobcenter – MitarbeiterinBlog: http://altonabloggt.wordpress.com/

 

V.i.S.d.P.: Burkhard Tomm- Bub, M.A., 67063 Ludwigshafen, 

 

Mailto: ogma1@t-online.de
(Ex – Fallmanager)

 

BELEGE im Blog „tombbloggt“: http://tombbloggt.blogspot.de/

 

 

 

D/F: Die dunkle Seite des „deutschen (Beschäftigungs)Wunders“

Le côté obscur du miracle allemand

So titelt die französische „Sud Ouest“ von heute.

Inge Hannemann, agent des services du travail, a perdu son emploi pour avoir dévoilé les conséquences des réformes de l’ex-chancelier Schröder

Inge Hannemann poursuit en justice l’administration qui l’a relevée de ses fonctions pour avoir dénoncé des injustices.

Das Aufzeigen der anderen Seite des „exportträchtigen Erfolgsmodells Agenda 2010“ erobert in Gestalt Inge Hannemanns jetzt erstmals die europäische Presse.

Das ist in der Tat ein „Exportschlager“!

Wem es mit dem Übersetzen so ergeht wie mir (das Schulfranzösisch ist mittlerweile merde 😉 ) dem sei der etwas skurille google Übersetzer empfohlen. Oder die liebe Kommentatorin Ecem erbarmt sich… 🙂

http://www.sudouest.fr/2013/09/15/le-cote-obscur-du-miracle-allemand-1169263-2361.php

taz Panterpreis für Inge Hannemann

Den diesjährigen taz Panterpreis für ihr Engagement erhielten am 14. September, im Deutschen Theater Berlin der LeserInnen: Inge Hannemann, Preis der Jury: „Welcome2Europe“.

taz: „Der taz Panter Preis ist ein Preis für Menschen, die sich mit großem persönlichen Einsatz für andere starkmachen und mutig Missstände aufdecken. Menschen, die uneigennützig und hartnäckig für eine bessere Welt kämpfen, ohne viel Aufhebens um ihr Engagement zu machen. Mit dem Preis möchten wir die Arbeit all dieser Engagierten würdigen und sie ins Licht der Öffentlichkeit rücken.“

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Von mir an dieser Stelle nur 3 Worte:
Herzlichen Glückwunsch
und
wohlverdient! 🙂

Peter Gutzeit/Inge Hannemann – Ein Schrei geht durch das Land

Die Güteverhandlung Inge Hannemanns am 28.08.2013 vor dem Arbeitsgericht endete ohne Einigung.

Das verwundert kaum, wenn man die Auffassung der gegnerischen Seite so liest, Zitat:

(…)Weiterhin verlangte der Anwalt den öffentlichen Widerruf der bisher getätigten Aussagen durch Hannemann und sie solle die Medien zu Räson bringen. Diese Aussage hat Kopfschütteln bei den Besuchern, Medienvertretern aber auch durchaus beim Richter hervorgerufen, der auf die freie Meinungsäußerung einging (…)

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Spiegel online schreibt dazu

Hamburg – Es fing schlecht an für das Jobcenter Altona. Der Richter im vollkommen überfüllten Saal 112 des Hamburger Arbeitsgerichts begrüßte zuerst Inge Hannemann und ihren Anwalt, dann suchte er nach der Gegenseite, dem stellvertretenden Leiter des Jobcenters Altona, Oliver Weiße, und dessen Anwalt. Er fragte, rief, suchte den Saal mit den Augen ab. Keiner da. Die Zuschauer johlten, riefen „Sanktionen für Nichterscheinen!“ Es war ein Heimspiel für die „Hartz-IV-Rebellin“(…)

(…) Sie sagte es vor dem Gütetermin und danach: Sie will ihren alten Job zurück, das ist seit der Suspendierung im April ihr Ziel – eine Abfindung sei keine Option.
„Ich bin nicht käuflich“, sagte Hannemann (…)

Quelle

Peter Gutzeit von der Hamburger GruppeGutzeit

sorgte vor der Verhandlung für mentale Unterstützung 😉 durch ein eigens zu diesem Thema komponierten Lied

Ich hoffe wirklich inständig, dass die sprichwörtlichen „aller guten Dinge drei sind“, zwei Anläufe, an den Verhandlungen teilzunehmen, scheiterten.Vielleicht klappt es zur Hauptverhandlung

Aufstehen! Frau von der Leyen – offener Brief von Inge Hannemann

Hamburg, im Juli 2013

Sehr geehrte Frau Dr. von der Leyen

Die Zeit ist reif, auch Ihnen einen offenen Brief zu schreiben. Auf eine Kurzvorstellung meiner Person verzichte ich, da ich fest davon ausgehe, dass ich Ihnen inzwischen bekannt sein dürfte.

Sie, Frau Dr. von der Leyen sitzen in Berlin, bald im Urlaub und lächeln. Ein jahrzehntelanger Mechanismus, mit dem Sie bereits als Kind aufgewachsen sind. Mir ist leider schon lange nicht mehr nach Lächeln zumute, wenn ich mir die Umsetzung der desolaten Agenda 2010 ansehe. Als zeitlich begrenzte Verantwortliche im Bundesministerium für Arbeit und Soziales sämtlicher vermeintlich demokratischer Mächte der Arbeitsmarktpolitik schauen Sie schweigend den Kämpfen innerhalb der Jobcenter zu. Von Ihnen folgt nichts. Ein Aussitzen im schwarzen, tiefen Loch aller geschädigten Erwerbslosen und Abhängigen in den Jobcentern.

Ich spreche hier nicht, wie die Bundesagentur für Arbeit aus selbstverständlicher Subjektivität es tut, von Einzelfällen. Ich spreche hier von vielen Hundertausenden. Umso erstaunlicher ist es, dass Sie nicht von Einzelfällen sprechen, wenn die Mitarbeiter in den Jobcentern verbal angegriffen werden. Hier sind es auf einmal alle Mitarbeiter, die unter den Erwerbslosen leiden, die durch diese psychisch krank werden oder überlastet sind. Somit wenden Sie eine Verdrehung des Kollektivs zum Nachteil und weiterer Stigmatisierung der Leistungsberechtigten an. Aus meiner Sicht jedoch sind es im Ursprung nicht die Betroffenen beider Seiten des Tisches, sondern die Politiker, und damit auch Sie, die jedwede Zustände zulassen und noch viel schlimmer: akzeptieren durch Aussitzen.

Es wird zugelassen, dass Behörden wie die Bundesagentur für Arbeit eine eigene Souveränität erhält, ohne Kontrolle von wirklichen messbaren Zielen durch Ihr Ministerium. Es wird zugelassen, dass jedes einzelne Jobcenter sich Autonomiemächte greifen kann und greift, die zu Lasten von Menschen gehen. Und es wird zugelassen, dass Menschen aus Verzweiflung über das System und deren Handhabung aufgeben. Das sind nicht nur die Bittsteller, denen ein Rechtsanspruch auf Sozialleistungen zusteht und zum Teil verweigert wird. Es sind ebenso teilweise die Beschäftigten in den „heiligen“ Räumen der Jobcenter. Auch hier finden sich Mutlosigkeit, Ignoranz, Wegsehen und das automatische Funktionieren. Beim genaueren Hinsehen ein gespenstisches Agieren von gezüchteten „Marionetten“, die vor lauter Angst ihren Arbeitsplatz zu verlieren, keine eigene Meinung äußern oder nur im stillen Kämmerlein. Darunter leiden die Familien, Kollegen aber auch Freunde, die das interne „Jammern“ nicht mehr hören wollen. Diese Ängste sitzen tief. Damit sage ich nicht aus, dass diese ihre Arbeit nicht im Sinne der Erwerbslosen ausführen. Durchaus zeigt sich an manchen Orten die Empathie und der unbedingte Wille etwas zu bewirken. Zum Glück. Aber spätestens bei der Umsetzung der Paragrafen 31 und 32 kommt die Mauer und für viele Erwerbslose die Not. Nun hat der Mitarbeiter jedoch immerhin rechtskonform gehandelt, wozu ein schlechtes Gewissen und wozu darüber hinausdenken. Die erzwungene Loyalität zum Arbeitgeber wird in diesem Moment höher angesetzt, als die Loyalität gegenüber unserer Gesellschaft. Die Gesellschaft sind wir – ob in Arbeit oder nicht – von klein bis groß, von jung bis alt, von gesund bis krank. Einfach alle.

Ein Trauerspiel, ohne Mut mit fatalen Konsequenzen. Sowohl für den Einzelnen, als auch für unsere Gesellschaft und somit auch für den Erhalt unserer Demokratie.

Möglich durch die konsequente und immer verschärftere Umsetzung der Hartz IV-Gesetze und mit Ignoranz unseres Grundgesetzes, welches unsere Grundlage darstellt. Sind die geringen Lebenserhaltungskosten der Regelsätze eine Sache, so sind die damit verbundenen Zwänge und Beschränkungen eine andere. Menschen dürfen ihre Stadtgrenzen nicht verlassen, Alleinerziehende werden trotz Elternzeit in das Jobcenter gezwungen, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen werden in Tätigkeiten gepresst, die nicht zu bewältigen sind, Zwangsarbeit wie Zeitarbeit sind staatlich verordnet, Schülern und jungen Menschen werden Aus- oder Schulbildungen verweigert, zu pflegende Angehörige werden alleine gelassen, weil Jobcenter diese Pflege nicht schätzen, Gelder werden nicht ausbezahlt, weil die Jobcenter hoffnungslos unterbesetzt sind und jede zweite Klage vor Gericht gewinnt, weil die Gerichte die Arbeit der Sachbearbeiter aus den Jobcentern übernehmen. Die Liste ist um vieles zu ergänzen. Frau von der Leyen, es stimmt nicht mehr im System, aber Sie lächeln.

Weder die Jobcenter mit diesen unmenschlichen Bestimmungen, noch die übergeordneten Behörden haben das Recht und die selbst zugeschriebene Macht, alle Akteure zu entmündigen und somit zu bevormunden. Die Würde des Menschen ist unantastbar (Art. 1 GG). Jeder hat ein Recht auf ein Leben zu führen, das der Würde entspricht (§1 SGB II). Das ist jedoch täglich erlebte Realität – zum Leid vieler Millionen und schlussendlich zur Fragestellung: Was ist Ihnen unsere Demokratie noch wert? Und nein, auch diesmal erwarte ich keine Antwort. Weiß ich auch so, dass dieser Brief Sie erreichen wird und das ist zunächst mal, für heute, ausreichend. Stehen Sie auf! Jetzt!

Inge Hannemann – Offener Brief an meine Unterstützer

Liebe Unterstützer/innen

 

Seit dem 4. März 2013 verteidigen wir unsere Würde und Menschenrechte, welche durch die Agenda 2010 immer mehr verloren geht, gegangen ist und wie sehr viele Mails, Nachrichten und Anrufen von Betroffenen an mich bestätigen. Eine Würde, die uns nach dem Grundgesetz Art. 1 mehr als zusteht und es hier keiner Diskussion bedarf.

 

Wir betreiben einen stillen Widerstand, der jedoch nach meinem subjektiven Empfinden immer lauter wird. Auch das steht uns zu und ist zu finden im Grundgesetz Art. 20 (Widerstandsrecht).

 

Warum schreibe ich diesen Brief an euch? Das hat einen einfachen Grund. Zum einen bin ich für den TAZ Panter Preis 2013 nominiert. Ein Portrait meiner Person über die Nominierung wird vermutlich Ende Juli oder August in der TAZ erscheinen. So schrieb die TAZ am 24. Mai 2013 an mich:„taz.die tageszeitung verleiht den taz Panter Preis einmal im Jahr für soziales, politisches und menschliches Engagement. Es ist ein Preis für solche Heldinnen und Helden, die sich selbstlos, mutig und kreativ für andere einsetzen. Eine interne Jury hat aus 253 Bewerbungen sechs HeldInnen nominiert, und Sie sind eine davon!“ Die TAZ begann dieses Wochenende mit der ersten Portraitvorstellung von „Stille Straße 10 e.V..” Gratulation an “Stille Straße 10″!

 

Weiterhin bin ich für den „Deutschen Engagementpreis 2013“ nominiert. Dieses Schreiben kam per Post am 21. Juni 2013. Hier muss ich noch den Fragebogen ausfüllen.

 

Ebenso bin ich für den „Whistleblower-Preis“ der „Vereinigung Deutscher Wissenschaftler“ vorgeschlagen und betitelt sich folgendermaßen: „Mit dem Preis sollen Persönlichkeiten geehrt werden, die in ihrem Arbeitsumfeld oder Wirkungskreis schwerwiegende, mit erheblichen Gefahren für Mensch und Gesellschaft, Umwelt oder Frieden verbundene Missstände aufgedeckt haben (“Whistleblower”).“ 

 

Nominierungen, die nicht mir gebühren, sondern all den Unterstützern, also Euch!

Manchmal braucht es einen Menschen, der mit dem Widerstand beginnt, laut oder leise. Widerstände gegen die unsäglichen Missstände um und mit Hartz IV gibt es seit Jahren. Die Foren, die privaten Blogs und die Klagen in den Erwerbsloseninitiativen, bei den Beiständen und schlussendlich die vielen, auch gewonnenen Klagen vor den Gerichten zeigen, dass es Missstände und Widerstände gibt. Stimmen, die kaum einer hören wollte, die von den Medien unter den Tisch gekehrt wurden und entsprechend sogar durch diese als „faule Hartzer, die neue Unterschicht“ propagiert wurde. So sagten mir letztens mehrere Journalisten und Redakteure, es fehlte eine Bestätigung von Innen heraus. Das kann ich nachvollziehen, aufgrund einer Glaubwürdigkeit. Ich kann aber nicht nachvollziehen, warum all diese Millionen Stimmen in der Vergangenheit keine Lobby hatten und haben. Sind diese nichts mehr wert, in unserer Demokratie? Das erschreckt mich und darf so nicht sein. Aber genau diese Lobby ist es, die unseren Widerstand am Leben hält. Niemals hätte ich das so bis heute in dieser Macht und Schnelligkeit in die Öffentlichkeit bringen können. Und somit bedanke ich mich bei: (Die Reihenfolge stellt keine Wertigkeit dar – diese ist nämlich gleich!)

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Brutalstmögliche Dummheit und Anderes zum Thema „Hart4-Kritik“

Mit leerem Kopf nickt es sich leichter.
Zarko Petan, slowenischer Satiriker

Vorweg: Ich bin gesundheitlich derzeit nicht so gut drauf, Schmerzschübe machen mich wohl ein wenig dünnhäutiger…und/oder bissiger?

Nach nahezu schlafloser Nacht quälte ich mich aus dem Bett, Café, Zigarette und mails checken, danach stand ein Termin bei der MainArbeit an.
Sehr enttäuscht nahm ich zunächst lesend zur Kenntniss, dass meiner spontanen Idee vom Wochenende eine Abfuhr erteilt wurde. Aber gut, einen Versuch war es wert, und auch Inge Hannemann hatte diese Idee für witzig befunden.

Skandaaal um Inge 😉

Der ein oder andere Leser erinnert sich gewiss noch an die „Spider Murphy Gang“ mit dem Lied „Skandal im Sperrbezirk“ (Skandal um Rosi). Ich habe mir nach dem unsäglichen Pamphlet aka „Pressemitteilung der Bundesagentur für nicht vorhandene Arbeit“ in Bezug auf Inge Hannemann den Spaß gemacht, den Text umzuschreiben und beim Management der SMB angefragt, ob eine nichtkommerzielle CoVersion öffentlich aufzuführen gestattet sei (dabei dachte ich an den nächsten Prozesstag vor dem Arbeitsgericht Hamburg am 30.07.) Aber leider erhielt ich das OK nur von Inge, die Band winkte dankend ab. Sei’s drum…

Von der Dehnbarkeit des § 13 SGB X…

…“erfuhr“ ich dann im Jobcenter. Um es kurz zu machen: Trotz Vollmacht war man seitens der pAP und der Teamleitung nicht gewillt, mir ohne Anwesenheit des Betroffenen (er ist im Vollzeitpraktikum) die bewilligte Akteneinsicht zu gewähren. Es entspann sich eine kurze Diskussion über den Wesensgehalt des §13 SGB X, klick.
Meiner angeschlagenen Verfassung folgend – und vor Allem, weil kein zeitlich zwingender Grund für schnelle Akteneinsicht vorhanden war – habe ich nachgegeben. Ein neuer Termin, zusammen mit dem Betroffenen, wurde vereinbart.
Gänzlich unspektakulär – eigentlich –
Uneigentlich aber wurde erneut das SGB2 i.V.m. dem SGB X zu Ungunsten der Betroffenen ausgelegt. Der Teamleiter behauptete steif und fest, nur für Rechtsbeistände gälte die Einsichtnahme ohne den „Kunden“. Hierfür gibt es natürlich keinerlei Rechtsgrundlage und wäre es ein dringender „Fall“, hätte ich gewiss anders reagiert und das Recht durchgefochten. Heute aber waren mir die Schmerzen wichtiger als ein „Zoff“.
Immerhin bekam ich eine dergestalt begründete, schriftliche Ablehnung…nach Aufforderung, versteht sich.

Nachdenklichkeit

Ich sprach die pAP dann noch an, weshalb ein Termin, den der „Kunde“ wünscht, als sanktionsbewehrte Vorladung nach §59 SGB2 i.V.m. §309 SGB3 verschickt wurde.
Das sich daraus ergebende Gespräch war gar nicht unangenehm. Der pAP war überhaupt nicht klar, was eine solche „Drohung“ bei einem Betroffenen bewirken kann (und bewirkt hat), sie nutzte, O-Ton, „doch nur die Textbausteine“. Ich hatte auch im weiteren Verlauf den Eindruck, als sei sie nachdenklich geworden, ein kleines Stückchen sensibilisiert. So hoffe ich, zumindest in Bezug auf Achtsamkeit bei angewandten (und verschriftlichten) Worten + Einfühlenwollen, auch nachhaltig etwas bewirkt zu haben.
Ist halt nur „klein-klein“…aber viel wenig ergibt irgendwann auch viel.
Die ganze Stimmung wurde nebenbei zusehends entspannter, für und von beide/n Seiten.

So töricht muß man erst mal sein

Vorhin las ich die neuen Kommentare bei Inge Hannemann. Und da äußert sich doch glatt ein (Bezahl)Schreiberling der BA. Das ist ja nun nichts Neues. Neu aber ist, sich mit erkennbarer E-Mail-Adresse von der BA und der unverschlüsselten IP so ungeheuer zu entblöden. Dem Stile nach könnte es sogar der Verfasser der Pressemitteilung sein.
Ich sag dazu nur: „Herr, lass Hirn regnen“ 🙂 , das ist wirklich brutalstmögliche Dummheit…
Naja, lest einfach selbst, im Kommentarfeld ist diese DummDreistigkeit unter dem Nick „Jetzt“ zu finden, gepostet um 10.10 Uhr. Das „Bloßstellen“ folgt danach und ist grau unterlegt…

http://altonabloggt.wordpress.com/2013/06/14/bundesagentur-fur-arbeit-diffamiert-inge-hannemann/

 

 

 

 

Empört, böse und polemisch – Mein offener Brief an die BA wg. Inge Hannemann…

…ich konnte nicht anders, sonst wäre ich „geplatzt“

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Sehr geehrter Herr Alt, sehr geehrte Damen und Herren Pressesprecher,

ich nehme Bezug auf Ihre Presseerklärung vom 14.06.2013, in welcher Sie Stellung nehmen zu den Sachverhaltsdarstellungen bzgl. „der Jobcenter“ – geschrieben und veröffentlicht von der  Bürgerin Inge Hannemann.
Lassen Sie es mich vorweg nehmen:
Ich bin empört. Ich bin empört und zutiefst angewidert. Dies aus mannigfachen Gründen.

Frau Hannemann selbst hat ja bereits zu den einzelnen Punkten Ihrer „Presseerklärung“ dezidiert Stellung genommen, somit reduziere ich meinen Brief auf das, was Sie getrost Polemik nennen dürfen, qui dicit que vult, audit que non vult, nicht wahr?


Meine Empörung ist zu groß, als dass ich mich auf die Sachebene zurückziehen will und im Gegensatz zu den Vertretern Ihrer Anstalt denke, fühle und schreibe ich selbst, bediene mich somit auch keiner unverständlichen Textbausteine.

Was haben Sie – das „wenn überhaupt“ setze ich hier wohlwollend voraus – sich bei dieser Pressemitteilung eigentlich gedacht?
Zunächst einmal bedienen Sie sich eines Duktus‘, welcher nach meinem Empfinden dem „völkischen Beobachter“ oder dem „Stürmer“ durchaus zur Ehre gereicht hätte.
Sie diffarmieren und diskreditieren Frau Hannemann auf eine Art und Weise, die aus meiner Sicht an hetzerische Schmähkritik grenzt.
Warum?
Es steht zu vermuten, dass Frau Hannemann mit ihrer öffentlichen Kritik den neuralgischen Punkt der BA getroffen hat. Es darf Ihnen -nebenbei- konstatiert werden, dass die Bürgerin (!) Hannemann damit lediglich von ihrem grundgesetzlich verbürgten Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat – nicht mehr und nicht weniger –

Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff?

Versuche ich Ihre „Presseerklärung“ nachzuvollziehen, so scheint mir, dass die mediale Aufmerksamkeit – gerichtet auf eine Mitarbeiterin – Ihnen offenbar weitaus unangenehmer ist als die von Betroffenen selbst zahllos aufgezeigten Mißstände.
Es dürfte auch Ihnen klar sein, dass es Nicht-Betroffenen des Verelendungssystems Hartz4 noch immer leichter fällt, einer „Beamtin vom Arbeitsamt“ zu glauben als einem Leistungsbezieher.
Dass nun auch diejenigen „genauer hinschauen“, welche (noch) nicht an der Zitze des Jobcenters saugen müssen.
Dass auch innerhalb der Jobcenter die Mitarbeiter ihr Gewissen (wieder)entdecken.
Dass ein Umdenken stattfinden könnte.
Nur so kann ich mir Ihre, an Boshaftigkeit und (!) trauriger Lächerlichkeit kaum zu übertreffende Pressemitteilung erklären.

Tatsachen ver- und Strick drehen

Abschließend sei Ihnen noch Folgendes in’s Stammbuch geschrieben:
Frau Hannemann gefährdet nicht einen Mitarbeiter, schon gar nicht Tausende. Das Gegenteil ist der Fall.
Allein aus der Tatsache heraus, dass Betroffene endlich (!) erkennen können, die „andere Seite des Schreibtischs“ besteht nicht ausschließlich aus empathielosen, emotionalen Amöben (mit einer Haltung, die Hannah Arnedt vorzüglich in ihrem Buch „Die Banalität des Bösen“ beschrieb) ist für die übrigen Mitarbeiter schon viel gewonnen.
Und noch etwas sei gesagt:
Mit Ihrer stoisch-verweigernden Haltung, die oft grottenschlechte und häufig willkürliche Umsetzung eines ohnehin schlechten Gesetzes anerkennen zu wollen, strafen Sie Tausende und Abertausende Betroffene und deren Helfer nochmals ab.
Indirekt bezichtigen Sie nämlich nicht nur Frau Hannemann der Lüge mit dieser, Ihrer Erklärung, sondern Tausende von Menschen, welche unter den gegebenen Bedingungen Höllenqualen litten und leiden.
Obendrein wollen Sie auch dem (noch) arbeitenden Volk erneut die Mär von „Alles in Ordnung in den bundesweiten Jobcentern“ auftischen.
Das ist nicht nur arrogant, es ist auch dreist sondersgleichen. Glauben Sie wirklich, die Menschen seien noch immer so gutgläubig-naiv, Ihnen das weiterhin abzukaufen?
Lassen Sie sich gesagt sein: Der Stammtisch und die Ewiggstrigen werden weniger!
Daran wird auch eine „Presseerklärung“ nichts ändern.

Ein Positives jedoch hatte Ihr Schreiben:
Heute habe ich gelernt, was das Wort „Fremdschämen“ bedeutet.

Mit durchaus unfreundlichen Grüßen

Bürgerin Ellen Vaudlet

Widerwärtiger Agit-Prop der BA:Inge Hannemann gefährdet tausende Mitarbeiter der Jobcenter

Es ist unglaublich…unglaublich widerlich, was die Bundesagentur in ihrer Pressemitteilung da so vom Stapel lässt.Wider besseres Wissen, unterstellend, verunglimpfend, despektierlich!
Und verlogen!
Ich bitte meine Leser, den Satz …“
Weder gibt es eine Anweisung oder eine Zielvorgabe, über Sanktionen Geld einzusparen“ mit Seite 12 der nachstehenden PDF abzugleichen.

http://www.bundeskongress-sgb2.de/foren-doku-content/forum_d4/downloads/D4_4_Hempfling%20%28Praesentation%29.pdf

Meine Oma pflegte zu sagen: „Getroffene Hunde bellen“

Bevor sogar bei mir der Geifer trieft (die vielen Unsäglichkeiten fallen mir derzeit schwer, sie zu ertragen) belasse ich es zunächst hierbei. Die meisten Leser meines blogs sind ohnehin „insider“ und Selbstdenker…auch das unsägliche „Hartz4“ betreffend.

Ein offener Brief an die BA wird noch verschickt und wer von den geschätzten Lesern hier seiner Empörung ebenfalls Luft machen möchte, nachstehend die mail-Adresse der BA

E-Mail: zentrale.presse@arbeitsagentur.de

Leiter Presse und Marketing: John-Philip Hammersen

Stv. Leiterin Presse und Marketing: Ilona Mirtschin

Ansprechpartner: Anja Huth; Frauke Wille; Susanne Eikemeier; Paul Ebsen

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Presse Info 035 vom 14.06.2013

Angesichts der anhaltenden öffentlichen Attacken der (inzwischen freigestellten) Mitarbeiterin des Hamburger Jobcenters Inge Hannemann sieht sich die Bundesagentur für Arbeit gezwungen, Stellung zu nehmen – allein schon zum Schutz der vielen tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die durch die Äußerungen von Frau Hannemann beleidigt, herabgewürdigt und in Gefahr gebracht werden.

Die Behauptungen von Frau Hannemann sind falsch und führen die Öffentlichkeit in die Irre. Weder widerspricht die Grundsicherung („Hartz IV“) dem Grundgesetz, noch verletzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jobcenter durch ihre tägliche engagierte Arbeit die Würde der Kunden. Weder gibt es eine Anweisung oder eine Zielvorgabe, über Sanktionen Geld einzusparen, noch gibt es „tausende von Selbstmorden“ unter Kunden der Grundsicherung. Und in den Jobcentern arbeiten auch keine seelenlosen Maschinen, die nur Zielvorgaben, nicht aber die Menschen im Blick haben. Die Kolleginnen und Kollegen in den Jobcentern arbeiten Tag für Tag daran, Menschen in Ausbildung und Beschäftigung zu bringen.

Frau Hannemann missbraucht ihre angeblichen Insider-Ansichten, um sich in der Öffentlichkeit als einsame Kämpferin für Entrechtete darzustellen und behauptet dabei auch noch, für die Mehrheit der Jobcenter-Mitarbeiter zu sprechen. Darüber hinaus gefällt sie sich in der Rolle der Märtyrerin, die von ihrem Arbeitgeber (der Freien und Hansestadt Hamburg) „kaltgestellt“ werden soll.

Dazu drei einfache Feststellungen:

  • Frau Hannemann spricht bei ihrer Kampagne gegen die Grundsicherung, die Millionen von Menschen die Existenz sichert, nicht für die Belegschaft der Jobcenter. Im Gegenteil: Sie bringt ihre Kolleginnen und Kollegen in Gefahr, die sich zunehmend Aggressionen von Seiten der Kunden ausgesetzt sehen.
  • Frau Hannemann ist keine „Whistleblowerin“, die Missstände aufdeckt, denn die behaupteten Missstände gibt es nicht – sie kann daher auch keine „Hartz IV-Rebellin“ sein.
  • Wer in einem Jobcenter arbeitet, hat sich an Recht und Gesetz zu halten. Es kann nicht sein, dass eine Mitarbeiterin nach Gutdünken handelt und persönliche, politische Vorlieben auslebt.

Frau Hannemann hat sich den falschen Beruf ausgesucht. Sie sollte nicht ihre Kolleginnen und Kollegen darunter leiden lassen.

http://www.arbeitsagentur.de/nn_27044/zentraler-Content/Pressemeldungen/2013/Presse-13-035.html

Inge Hannemann – „offener“ Brief an Sigmar Gabriel

Emotional und dennoch sachlich, eine Mischung, die ich nicht nur an Inge Hannemann sehr schätze.

Der Anstoß für den offenen Brief war der gestrige Gewaltakt gegenüber einer Mitarbeiterin des Jobcenter Leipzig. Ein klein wenig – und ich hoffe, das kommt jetzt nicht allzu vermessen daher – erinnert er mich an meinen offenen Brief an U.v.d.Leyen. Geschockt von der Bluttat in Neuß, weitaus weniger sachlich aber als Frau Hannemann versuchte ich, an Vernunft und Mitgefühl der Arbeitsministerin zu appellieren…ein vergebliches Unterfangen. Vielleicht bewirkt der Brief von Frau Hannemann mehr? Vielleicht sind die bevorstehenden Wahlen und die Popularität dieser engagierten Frau „Druckmittel“?
Die Hoffnung stirbt zuletzt….

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Inge Hannemann
Jessenstraße 10
22767 Hamburg 21. Mai 2013

SPD-Parteivorstand
Sigmar Gabriel
10911 Berlin

via Email: sigmar.gabriel@spd.de

Sehr geehrter Herr Gabriel

Mit Erschrecken und in einem Schockzustand befindend, über den heutigen gewalttätigen Angriff auf meine Kollegin des Jobcenters Leipzig, schreibe ich Ihnen diese Mail.

Grundsätzlich möchte ich zum Ausdruck bringen, das Gewalt niemals eine Lösung ist und sein darf!

Die Gründe über den Angriff auf meine Kollegin sind mir noch nicht bekannt. Allerdings mache ich mir durchaus Gedanken, warum sich die Gewalt gegenüber Jobcenter-Mitarbeiter, nach meinen subjektiven Eindrücken, in der Vergangenheit zusehends steigert. Das macht mich betroffen und ich suche die Ursachen.

Meine Erfahrungen, auch als Jobcenter-Mitarbeiterin zeigen, dass Hartz IV Angst macht und diese Angst zu Erkrankungen aller Arten führt. Weiterhin verstärkt sie die Ohnmacht bei den Betroffenen aber auch bei den Mitarbeitern. Es wird agiert, auf beiden Seiten, welches einem Automatismus gleicht. Die Menschen, insbesondere die von Hartz IV Betroffenen, betreten das Jobcenter ohne Mut, mit großer Angst vor Sanktionen und Drohungen durch die Jobcenter und verkriechen sich hinter einer Lethargie, die so nicht sein darf. Die Gefühle bei den Betroffenen sind stärker, als jedes Aufbegehren. Sie haben schlichtweg um ihre Existenz und deren Familien Angst. Der Druck, wie z.B. jede Arbeit annehmen zu müssen, auch wenn sie davon nicht leben können oder es gesundheitlich nicht schaffen, steckt so tief, das der innere Zorn durchbrechen kann. Druck entsteht durch die andere Seite der Schreibtische, aber auch durch die Einführung der Agenda 2010 und der derzeitigen Umsetzung. Die Agenda 2010 war der Startschuss zum weiteren Ausbau des prekären Arbeitsmarktes. Die Jobcenter-Mitarbeiter haben kaum mehr eine andere Wahl, als in diesen Markt hineinzupressen, da kaum andere Tätigkeiten zur Verfügung stehen. Die Zeit-und Leiharbeitsfirmen „sitzen auf dem Schoß der Agenturen für Arbeit“ und drohen den Mitarbeitern bei Nichtbesetzung ihrer Plätze mit der Geschäftsführung einzelner Agenturen. Sie drängen in die Jobcenter für „Zwangsinformationsveranstaltungen“ und drängen auf das Ausfüllen von Personalbögen. Gleichzeitig wird der Niedriglohnsektor mit millionenschweren Subventionen durch die Regierung unterstützt.

Die betroffenen Leistungsberechtigten in den Jobcentern spüren diesen Druck durch die Mitarbeiter, die ganz getreu dem Sozialgesetzbuch II ihre vorgegebene Linie ausführen. Wird dieses nicht umgesetzt, stehen auch sie unter dem Druck der Nichtenfristung, schlechter Beurteilung oder Ermahnungen durch die Führung. Ein Ausbrechen daraus wird nicht geduldet und bestraft.

Dieses ist nur ein kleiner Teil der Unterdrückung auf beiden Seiten. Nach meiner Ansicht entsteht so, ob gewollt oder nicht, eine Volks- und Gesellschaftsteilung, die immer gefährlichere Ausmaße annimmt. Menschen reagieren unterschiedlich. Aber schlussendlich führt es immer zu einer Explosion, Implosion oder Hass auf andere Gruppen – zumeist auf Schwächere.

Hier geht es mir nicht um Schuldzuweisung. Mir geht es darum: Tun Sie was! Und zwar JETZT, bevor es zu spät ist. Das Brodeln in der Bevölkerung, noch tief versunken, wird stärker. Sie, Ihre Genossinnen und Genossen, die derzeitige Regierung, Ihre Oppositionspartner, das Ministerium für Soziales und Arbeit, das Ministerium für Finanzen – Sie alle haben die derzeitige politische Macht eine Änderung herbeizuführen. Die Spaltung der Gesellschaft muss ein Ende finden. Und das geht nur zunächst über die Abschaffung der Sanktionen. Der nächste Schritt muss aber die Abschaffung von Hartz IV sein und über neue Alternativen nachgedacht werden. So z.B. das Bedingungslose Grundeinkommen wie es Götz Werner vorschlägt oder einem Mindestlohn von 12 Euro /Stunde.

Sie sind die Tage in Leipzig und feiern 150 Jahre SPD. Hiermit wünsche ich mir und fordere auch gleichzeitig, dass Sie die verletzte Kollegin im Krankenhaus aufsuchen und ihr meine unbedingte Solidarität aussprechen. Vielen Dank.

Ich ende mit einem Satz von Willy Brandt: „Im moralischen Sinn macht es keinen Unterschied, ob ein Mensch im Krieg getötet oder durch Gleichgültigkeit Anderer zum Hungertod verurteilt wird.”

Mit freundlichen Grüßen einer Ex-Genossin

Inge Hannemann

PS: Wie geschrieben sind meine o.g. Darstellungen nur ein Bruchteil der Misere in den Jobcentern und deren Ausführungen. Weitere Informationen finden Sie auch unter http://www.altonabloggt.wordpress.com

Inge Hannemann 21. Mai 2013 um 17:37

Arbeitsvermittlung und Vollbeschäftigung

Es erfreut mich immer wieder, wenn ich lese, dass „meine“ Einstellung manchmal auch die (teils sehr) kluger Köpfe ist.Ganz neben der Spur kann ich also nicht liegen… 😉
So also freute ich mich auch, als ich „meine“ Gedanken zum Thema „(un)qualifizierte Arbeitskräfte“ und Arbeitsvermittlung im Blog von Gerd Flegelskamp niedergeschrieben fand.

Wenngleich in einem etwas anderen Zusammenhang – Flegelskamp nimmt hier spitzzüngig die Mär von der Vollbeschäftigung auf’s Korn – so könnten doch weite Teile des Artikels auch meiner „Feder“ entspringen.
Diese Passagen zitiere ich nachstehend, empfehle aber den ganzen Artikel, klick

(…)denn bei jedem Job gibt es spezifische Eigenheiten, die man erst wirklich lernt, wenn man sie praktiziert. Und immer spielt dabei auch eine gewisse Veranlagung eine Rolle. Der oder die Eine hat ein Talent und Gespür für technische Dinge, andere sind besonders für Verwaltungstätigkeiten geeignet, wieder andere haben besondere künstlerische Fähigkeiten, um nur ein paar Eigenschaften aufzuführen. Ob jemand gut oder besonders gut in seinem Job ist, liegt oft vor allem daran, dass sich jemand gefunden hat, der diese schlummernden Fähigkeiten erkannt und vielleicht sogar gefördert hat.

(…) ich bin überzeugt davon, dass jeder von uns über Fähigkeiten verfügt, oftmals Fähigkeiten, von denen wir selbst nichts wissen. Dabei ist die Vorbildung oftmals zweitrangig, denn Arbeit hat immer mit Praxis zu tun. Die Theorie ist nur dafür da, den Weg zu weisen und darin kann man durchaus versagen, um dann in der Praxis festzustellen, dass man es nicht nur kann, sondern sogar gut kann. Und manche Arbeiten haben völlig zu Unrecht ein schlechtes Image. Ein Beispiel: Eine Friseuse mag vielleicht Schwierigkeiten in der Mathematik und in der Rechtschreibung haben. Doch mit den Utensilien eines Friseurs entwickelt sie sich zur Künstlerin, wird regelrecht zur Visionärin, denn aus meiner Sicht gehört viel Vorstellungskraft dazu, aus nassem und vielleicht auch verfilztem Haar Frisuren zu zaubern, die dem Typ der Kundin oder dem Kunden entsprechen. Sicher, das gilt nicht für alle, aber aus meiner Sicht für eine Menge der Damen und auch Herren in diesem Gewerbe. Zu Unrecht einer der am schlechtesten bezahlten Berufe.

In der Presse und in einigen Blogs (auch bei Egon W. Kreutzer) wurde über die Hamburgerin Inge Hannemann berichtet, eine Arbeitsvermittlerin, die sich geweigert hat, Arbeitslose zu sanktionieren, die sich mit den Arbeitslosen unterhalten hat, sie auf die vielen Fallstricke des SGB II hingewiesen und auch versucht hat, die Fähigkeiten der von ihr betreuten Menschen herauszufinden, um ihnen evtl. Jobs zu vermitteln, die eine wirkliche Chance darstellten. In Ihrem Blog altonabloggt hat sie einen offenen Brief an ihre Kolleginnen und Kollegen veröffentlicht, in denen sie diese darauf verweist, dass vor ihnen keine „Kunden“, sondern oftmals verzweifelte Menschen sitzen.

(…) Es war nur eine Frage der Zeit, bis das System diese Frau nicht mehr duldete, denn dieses System ist nicht darauf ausgelegt, den Menschen zu helfen, sondern sie zu demütigen und sie als nutzlos abzustempeln. Weil Frau Hannemann nicht bereit gewesen ist, dieses Spiel mitzuspielen, wurde sie freigestellt. Dabei hat sie die Lösung des Problems aufgezeigt. Wer wirklich die Arbeitslosigkeit bekämpfen will, muss die Fähigkeiten eines Talentsuchers besitzen. Dazu muss er aber auch wissen, welche Anforderungen jeweils gestellt werden.

(…) Statt Leute wie Inge Hannemann freizustellen, sollte man versuchen, mehr Leute wie sie zu finden und für den Job in der Arbeitsvermittlung zu interessieren. Und das Management der Arbeitsbehörden, allen voran Ursula von der Leyen, Weise und Alt sollten wenigstens ein wenig von ihr lernen. Das hätten sie bitter nötig.

Inge Hannemann mit sofortiger Wirkung „freigestellt“ – politisch unerwünschte Persona non grata

Radikalenerlass 2.0 ?
Dem Grunde nach war es absehbar.
Aus der „deutschen Fabienne“ wird nun offenbar die „Jeanne d’Arc des Jobcenters“

Einmal mehr erkläre ich mich ausdrücklich solidarisch mit Frau Hannemann und bitte um Mitzeichnung der Petition zur sofortigen Rücknahme der Freistellung

https://www.openpetition.de/petition/online/sofortige-ruecknahme-aller-sanktionen-gegen-die-arbeitsvermittlerin-inge-hannemann
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hier zunächst einige Stimmen dazu, denen ich mich inhaltlich natürlich voll und ganz anschließe

http://livestream.365news.de/jobcenter-sanktionen-an-eigener-mitarbeiterin-hilfe-fuer-inge/

Heute Morgen erreichte und ein Liveticker!
Inge Hannemann, Mitarbeiterin des Jobcenters , die für Menschenrechte und die Einhaltung des Grundgesetzes eintritt, wurde mit sofortiger Wirkung von der Geschäftsführung der Teamarbeit Hamburg freigestellt. Ihren Schlüssel musste sie sofort abgeben, ein Jobcenter darf sie nicht mehr betreten.
Hier möchten wir euch auch noch den OFFENEN Brief den sie schrieb an ihre Kollegen nicht vorenthalten, da könnt ihr auch lesen und nachvollziehen das sie sich sehr für die Gemeinschaft einsetzt.OFFENER BRIEF VON INGE AN DIE KOLLEGEN DES JOBCETERS

Wir unterstützen Inge Hannemann und fordern euch mit auf zu handeln.
Es wurde auch gleich für ihre Unterstützung eine Onlinepetition ins Leben gerufen.
Sofortige Rücknahme aller Sanktionen gegen die Arbeitsvermittlerin Inge HannemannPETITION UNTERSTÜTZUNG FÜR INGE HANNEMANN

“Inge Hannemanns Aktivitäten finden ihre Wurzeln in ihrer unbestechlichen Bindung an das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Eine solch mutige und edle Gesinnung mit einer Freistellung zu bestrafen, zeigt einen beunruhigenden Trend. Zeigen Sie Chuzpe – anstatt Inge Hannemann in ihrer Arbeit zu blockieren, helfen Sie bei der Aufklärung und suchen Sie einen Weg zu einem kooperativen Austausch mit den Hartz IV-Aktivisten und den Betroffenen. Vielen Dank.”

Uhupardo bringt es auf den Punkt

http://uhupardo.wordpress.com/2013/04/22/job-center-mitarbeiterin-politisch-unerwunscht-entlassen/

Eine rein politische Entlassung, die dem Recht auf freie Meinungsäusserung zuwider läuft und ins Konzept Gesinnungshaft passt. Eine Arbeitsvermittlerin wird “freigestellt”, weil sie Misssstände in ihrem kritischen Hartz IV-Blog öffentlich macht und ihre Kritik am System unerwünscht ist.

Frau Hannemann selbst dazu auf Facebook

http://www.facebook.com/IngeHannemann1?hc_location=stream

 

 

Überlegungen eines ehemaligen Jobcenter-Mitarbeiters zu Solidarität, „Tellerrand“ und mehr

Vorweg von mir:
Ich las diesen bemerkenswerten Beitrag als „Gast-Leser“ in einem Forum. Über Zwischenkontakt holte ich mir bei dem Autoren die Erlaubnis ein, seine Niederschrift hier (entsprechend modifiziert) publizieren und zur Weiterverbreitung freigeben zu dürfen.
Auslöser für seine Überlegungen war, wie ich es verstand, das Unverständnis gegenüber Betroffen des SGB2, wenn sie – ohne Kenntniss der Person –  diese abwerten und ihre positiven Absichten in’s Negative verdrehen.

Auslöser war zunächst also die in Teilen derbe Kritik an Inge Hannemann, kritische Jobcentermitarbeiterin – klick im Ergebnis jedoch geht es weit darüber hinaus. Sehr lang, aber lesenswert.

Mein „Prädikat“ – bemerkenswert und auf den Punkt – bitte urteilt selbst
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einer der Gründe, warum sich auf breiterer Front kein bzw. kaum medial vernehmbarer Widerstand gegen Hartz IV entwickelt, auch daran liegen könnte, dass viele derjenigen, die nicht unmittelbar von Hartz IV betroffen oder bedroht sind, sich durch simplifizierende Dualismen der Art „Wir gegen Sie“ bzw. „Systemfreund gegen Systemfeind“ gerade nicht angesprochen fühlen bzw. diese Feind-Konstruktion sogar als befremdlich und unpassend empfinden?

Nur als Beispiel: Ich arbeite selbst im politischen Bereich, wo es längst nicht nur darum geht, Sozialpolitik zu gestalten, sondern wo es ebenso wichtig – fast sogar noch wichtiger – ist, die eigene Politik entsprechend zu verpacken, sie zu kommunizieren. Schließlich setzt Gestaltungsmacht im Politikbereich immer auch einen Gestaltungsauftrag durch die Wählerschaft voraus. Im Klartext: Ich kann nur gestalten, wenn ich gewählt wurde. Sonst kann ich nur darlegen, was ich tun würde. Gerade hier gibt es seitens der Arbeitsloseninitiativen indes ein riesiges Manko in Form eines Kommunikationsdefizits, welches sich meiner Überzeugung nach aus oftmals völlig falschen Annahmen über das Empörungspotential der Wähler speist.

Ich habe den Eindruck, dass viele der in Arbeitsloseninitiativen engagierte Menschen der Fehlwahrnehmung erliegen, dass sie nur heftig genug auf das System schimpfen und überall Skandal, Menschenrechtsverletzung, Zwangsarbeit, Tod durch Hunger etc. postulieren müssen, dann würden die bisher nicht von Hartz IV Betroffenen endlich „aufwachen“ und die Perversität des Systems erkennen. Dem ist aber nicht so, darauf kann man bis zum Sankt Nimmerleinstag warten.

Was viele Menschen hier im Forum bzw. generell in Arbeitsloseninitiativen nicht zu begreifen scheinen oder vielleicht auch nicht wahrhaben wollen, ist, dass Sozialpolitik sich in Deutschland nicht durch lautstarkes Schimpfen über die Zustände ändern lässt, sondern – wenn überhaupt – nur dadurch, dass man linke, sozialstaatliche Gedanken für die Mittelschicht anschlussfähig macht, welche dank medialer Unterstützung seitens bestimmter Konzerne und Stiftungen momentan eher davon überzeugt ist, dass das neoliberalen Model des from-welfare-to-workfare im Grunde doch gut für Deutschland sei.

Langfristig wird sich keine sozialpolitische Änderung in Deutschland ohne Zustimmung der Mittelschicht durchsetzen lassen. Und ein Großteil der Mittelschichts-Milieus, die statistisch betrachtet häufiger zur Wahl gehen als ärmere Milieus, deren Bürger an Stammtischen über ach so faule Hartzer, zu hohe Sozialabgaben sowie Kopftuchmädchen schimpfen und der Aussage zustimmen, das Leistung nur erhalten solle, wer eine Gegenleistung erbringt, wird für Kritik an Hartz IV gerade nicht empfänglich, indem man das System möglichst schrill und anklagend als menschenunwürdiges Werk neoliberaler Post-Faschisten und Survival-of-the-Fittest-Kapitalisten zu brandmarken versucht.

Im besten Fall verhallt dieses Gekeife über die angeblich menschenunwürdige Perversion Hartz IV ungehört. Im schlechtesten Fall erreicht man dadurch das Gegenteil dessen, was man beabsichtigt hat. Dies dann nämlich, wenn der gemeine Mittelschichts-Angehörige in Reaktion auf einen Online-Artikel oder Foren-Kommentar sich sagt: „Ja haben die denn nichts besseres zu tun, als hier nur rumzustenkern? Sollen sie doch glücklich sein, dass sie überhaupt was bekommen von meinen Steuergeldern. Die müsste man viel härter rannehmen…“

Ein fundamentales Problem scheint mir darin zu liegen, dass viele Hartz IV-Kritiker der Meinung zu sein scheinen, dass sie nur energisch, laut und anklagend genug über Ungerechtigkeiten und Zumutungen des Systems klagen müssten. Dann, so die Annahme, würde man sie schon irgendwann hören, so dass sich der erhoffte Protest dann endlich Bahn brechen würde. Darauf kann man aber lange warten, das funktioniert nicht. Denn wie gesagt: Es geht nichts, wenn nicht auch die Angehörigen der Mittelschichts-Milieus davon überzeugt werden, dass Hartz IV Deutschland längst nicht so gut tut, wie uns das Regierung, große Teile der Opposition und ein Großteil der Medienkonzerne und Industrie-Lobbyisten weismachen wollen.

Wie sich Protest lautstark formieren kann, sieht man am Beispiel Stuttgart 21 und an der Hamburger Schulabstimmung. In beiden Fällen waren es überproportional viele Angehörige der Mittelschicht, die sich für Ihre Belange eingesetzt haben, die Netzwerkarbeit betrieben, die sich in Presse und Politik Gehör verschafften. Im Klartext: Die Wutbürger aus der Mittelschicht werden gehört, weil sie ihren Protest organisieren und marketing-gerecht kommunizieren können. Die Wutbürger aus den armen Milieus werden nicht gehört, was – unter anderem – daran liegt, dass die ärmeren Wutbürger ihre Argumente gegenüber den Denkmustern und Lebenswelten der Mittelschicht-Angehörigen nicht hinreichend anschlussfähig formulieren. (Ein anderer Grund ist freilich auch, dass die besser situierten, oft liberalen Wutbürger nicht in dem Maße medialer Ausgrenzung ausgesetzt sind, wie das viele Menschen sind, die eher linke Ideen vertreten. Das ist aber etwas, was ich hier nicht weiter ausführen möchte, weil darauf schwer einzuwirken ist.)

Sprichwörtlich müssten Mittelschicht-Angehörige mit ins Boot geholt werden. Sie müssten überzeugt werden, dass auch sie ganz schnell in Hartz IV fallen und dann unter einer restriktiven Forder-Politik ohne äquivalente Förderung leiden würden, dass auch sie alsbald konfrontiert wären mit der Forderung, sich für das Amt buchstäblich nackt zu machen, dass auch sie dann ihre Ersparnisse aufbrauchen, gegebenenfalls das Haus verkaufen und sich von unqualifizierten Vermittlern maßregeln lassen müssen, dass sie gefälligst intensiver und dauerflexibler nach Arbeit zu suchen hätten, weil ja schließlich jeder wüsste, dass die, die Arbeit suchen, diese auch finden. Ein Arbeitsloser könne, so die Hartz IV-Logik, folglich nur ein drückebergerischer Sozialschmarotzer sein.

Die Mittelschicht-Angehörigen müssten überzeugt werden, dass auch ihnen ganz schnell ein entwürdigendes Gehirnwäsche-Coaching zu teil würde, bei dem ihnen weisgemacht würde, dass sie allein die Schuld für ihr Scheitern trügen und sie nun keinerlei Ansprüche mehr stellen dürften, damit es bald wieder klappte mit Arbeit über eine Zeitarbeitsfirma für 8,00 € die Stunde, was man dann ja, so es nicht reicht, großzügiger Weise vom Amt aufgestockt bekäme, solange man – trotz Arbeit – immer weiter fleißig Bewerbungen schriebe.

Wie aber, so stellt sich die Frage, erreicht man die Mittelschicht mit Argumenten gegen Hartz IV?

Meiner Überzeugung nach sind mindesten zwei Dinge erforderlich:

1) Charismatische „Frontmänner und Frontfrauen“, die die Funktion von Aushängeschildern und Multiplikatoren der Bewegung verkörpern (auf Anhieb einfallen würden mir Leute wie Sarah Wagenknecht und Ullrich Schneider)

2) Eine zwar energische, aber gleichsam gemäßigte, differenzierte Kritik an Hartz IV, in der Abstand genommen wird von argumentativer Zuspitzung und einer schwarz-weißen Freund/Feind-Zeichnung.

Gerade den Punkt zwei vermisse ich hier im Forum oft schmerzlich. Wenn ich hier manches Mal Sätze lese wie den, dass Hartz IV eine „Sozialpolitische Endlösung“ sei, dass Sachbearbeiter „Systemschergen“ oder „ARGEs Gesindel“ seien, dass überhaupt jeder Jobcenter-Mitarbeiter der „Feind“ sei, dann könnte ich wirklich kotzen, so abwegig ist das. Und wenn ich hier Argumentationsstränge verfolgen, nach denen sich eine Ex-Kollegin nicht habe wundern müssen, dass sie im Büro ermordet wurde, weil sie einen unschuldigen Arbeitslosen (der gar nicht ihr Kunde war), offenkundig so sehr schikaniert haben muss, dass der sich dann quasi genötigt sah, in einem Akt mörderischer Verzweiflung von seinem Notwehrrecht Gebrauch zu machen, dann ist dieses relativistische Geschwurbel, das einen Täter zum Systemopfern hochstilisiert, an perverser Dreistigkeit und Ekelhaftigkeit kaum mehr zu überbieten. Da denke ich wirklich: Geht es noch?

Ich kann es voll verstehen, wenn man seinem Ärger verbal Luft machen will, weil man selbst eine ungerechte Behandlung im Jobcenter erfahren hat, diese als Beistand verfolgt hat oder davon berichtet bekam. Ich kann es nachvollziehen, wenn man verbittert ist und dem Jobcenter als Ganzes bzw. dem System als Solches nicht mehr traut. Aber solche Ausdrücke und Entgleisungen, von körperlicher Gewalt ganz abgesehen, sind für mich völlig inakzeptabel. Ferner tut man anderen erwerbslosen Menschen damit einen Bärendienst, denn wer mit seinem Anliegen, Kritik an Hartz IV zu äußern und Protest zu evozieren, als seriöser Gesprächspartner Anerkennung und medialen Rückhalt finden will, dürfte dies kaum dadurch schaffen, dass er so reißerisch spricht.

Das kann nur nach hinten losgehen, weil sich viele Angehörige der Mittelschicht, die man zu gewinnen versuchen müsste, sich viel eher angewidert abwenden oder die Wut der Erwerbslosen und Hartz-Geschädigten als lächerlich oder gar dummdreist abtun. Dies deshalb, weil Mittelschicht-Angehörige sich eben im Mittel per definition gerade dadurch auszeichnen, dass sie von Extremen eher zurückschrecken. Und das schließt auch Extremformulierungen wie „sozialpolitische Endlösung“ oder „ARGEs Gesindel“ mit ein.

Und was soll es bitte bringen, wenn man sich hier im Forum gegenseitig hochschaukelt und alle Elos, Teil-Elos und Sympathisanten dann ordentlich Beifall klatschen, der umso lauter ausfällt, je heftiger und sprachgewaltiger die Systemkritik ausfällt? Das bringt gar nichts, denn das ist nur „preaching to the quire“. Hier im Forum sind überwiegend ohnehin nur Leute, die nicht mehr überzeugt werden müssen, dass Hartz IV weg muss. Und diejenigen, die noch zu überzeugen sind, lesen weder in diesem Forum, noch sind sie durch den Sprach- und Argumentationsduktus zu gewinnen, der hier vielfach an der Tagesordnung ist.

Wie gesagt: Nicht die Foristen und in ELO-Initiativen engagierten Menschen müssen von der Schattenseite von Hartz IV überzeugt werden, die sind schon überzeugt. Überzeugt werden müssen jene Mittelschicht-Angehörige, die bisher nichts mit Hartz IV am Hut haben. Die aber können mit Zuspitzungen der Art „Wir gegen Sie“ in der Regel nichts anfangen. Mittelschicht-Angehörige wollen das marktwirtschaftliche System vielfach nicht abschaffen (will ich auch nicht), sie sind für marxistisch angehauchte Grundsatzkritik daher gar nicht empfänglich. Um sie für Kritik an Hartz IV zumindest im Ansatz empfänglich zu machen, müsste man wesentlich weniger grundsatz-rhetorisch vorgehen und sich insbesondere mit einer unreflektierten Pseudo-Einteilung der Welt in Systemfreund vs. Systemfeind zurückhalten.

Ich komme zum Ende und damit zum Kern dessen, was ich zum Ausdruck bringen wollte:

Ich finde dieses Form hier eine super Sache. Es ist sehr informativ und bietet eine gute Plattform zum Austausch und zwecks Organisation praktischer Hilfen, damit Menschen zu ihrem Recht kommen.

Was mir aber bisweilen richtig bitter aufstößt, ist die teilweise erschreckende Radikalität, die manche Foristen hier an den Tag legen, was bei einigen schon an Extremismus grenzt. Dieses Gerede von wegen: Wer nicht 100% gegen alles ist, was mit Hartz IV zu tun hat, der ist gegen die Arbeitslosen, der ist ein Neoliberaler, der ist für das System Hartz IV, das geht mir tierisch auf die Nerven. Und es schadet dem Kampf gegen Hartz IV. Und das sage ich als überzeugter linker Realo.
So, ich habe fertig.

Solidarität mit Inge H. – offener Brief von Norbert Wiersbin

Norbert Wiersbin war Fallmanager. Aus ethischen und Gewissensgründen hat er den Dienst quittiert.

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@ jobcenter-team-arbeit-hamburg

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, verehrte                                                                       Kolleginnen und Kollegen,

ich erlaube mir die Ansprache, da ich selbst über 30 Jahre lang in der Arbeitsmarktpolitik aktiv war, zuletzt als Fallmanager und Personalratsvorsitzender eines kommunalen Jobcenters. Sie dürfen also davon ausgehen, dass sich hier ein Bürger an Sie wendet, der über fundierte Kenntnisse des Systems verfügt, der die Entwicklungen der letzten Dekaden intensiv und aktiv begleitet hat und der in der Lage ist, diese zu analysieren und auch darzustellen. Ich nehme das vorweg: Ich bin inzwischen aus dem Dienstverhältnis ausgeschieden, ich konnte es mit meiner Ethik und mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren, an der Verelendung großer Bevölkerungsschichten mitzuwirken. Ich konnte die Ungerechtigkeit und die Unmenschlichkeit nicht mehr ertragen, mit der dieses System beseelt ist und das den Betroffenen wie den Akteuren auf der anderen Seite des Schreibtisches die Seele, die Menschlichkeit raubt.

Ich bin kein Verwaltungsmensch, ich bin Geisteswissenschaftler und daher mag auch mein Blick auf die Realitäten ein anderer sein, als Ihrer. Anlässlich der öffentlichen Diskussion um den Konflikt zwischen Ihrer Behörde und Ihrer Mitarbeiterin Inge Hannemann möchte ich Ihnen ein paar Gedanken mit auf den Weg geben, Leitbilder, die ich schon als Personalrat eingebracht habe. Nicht zuletzt aus Sorge um die (seelische) Gesundheit meiner zahlreichen Kolleginnen und Kollegen.

Wer nicht bereit ist, aus falsch verstandener Loyalität gegenüber einem diffusen „Dienstherrn“, aus egoistischen Motiven oder aus ganz profaner Ignoranz heraus, weg zu schauen, dem muss es sich unmittelbar erschließen, dass in diesem System vieles, wenn nicht fast alles falsch läuft. Sie, verehrte Kolleginnen und Kollegen, werden es auch registriert haben, dass die Unzufriedenheit mit Ihrer Tätigkeit Jahr für Jahr gewachsen ist. Untersuchungen der Krankenkassen weisen seit Jahren exorbitante Krankenstände bei den JC – Mitarbeitern aus, überwiegend sind es psychische Schäden, die sie aus den Socken hauen. Da ist zum einen die unerträgliche Verdichtung der Arbeit, die ausufernde Konzentration auf die Verwaltung des Elends und die offensichtliche Erfolglosigkeit jeden Versuches, Erwerbslose wieder in den „Markt“ zu integrieren. Viel gravierender ist jedoch das wachsende Bewusstsein dafür, als mieser Handlanger missbraucht zu werden, um Menschen zu unterdrücken und sie ihrer Grundrechte zu berauben. Es werden immer mehr, die insgeheim verstanden haben, dass es so nicht weiter geht, dass wir nicht jede Moral und alle Ethik über Bord werfen können, um dem Mammon zu frönen.

Meine Solidarität und mein Respekt gilt Ihrer Mitarbeiterin, Frau Inge Hannemann. Sie hat den Mut, gegen den Strom zu schwimmen und auf Missstände hinzuweisen. Sie engagiert sich damit auch für jeden einzelnen von Ihnen! Wenn Sie in den nächsten Tagen das angekündigte Personalgespräch mit Frau Hannemann führen, so lassen Sie sie doch bitte wissen, dass ihr Engagement auf große Anerkennung stößt. Ich kann nur hoffen, dass Frau Hannemann auch unter Ihnen, der Führung Ihres Hauses und Ihrer Personalvertretung Nachahmer und Unterstützer findet, die bereit sind, eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Wie auch immer werden Sie über kurz oder lang nicht um eine ehrliche Auseinandersetzung mit Ihrem administrativen Handeln umhin kommen. Sie sind gut beraten, sich schon gleich daran zu machen, der Druck im Kessel steigt und führt in absehbarer Zeit in eine Katastrophe. Ich wünsche Ihnen, dass Sie dann mit einem reinen Gewissen in den Spiegel schauen können.

Ach ja: Verbergen Sie sich bitte nicht weiterhin hinter Ihrer „Behörde“. Das klingt so kalt, so technisch. Da stecken doch Menschen dahinter, mit Gesichtern, Namen, Familien, Biographien!? Wenn Ihre Welt wirklich so in Ordnung ist, wie Sie sie gerne hätten, brauchen Sie sich doch nicht zu verstecken. Stellen sie sich der Öffentlichkeit, gerade in den Wind, nennen Sie Ihren Namen und Ihren Dienstgrad, erklären Sie denen, die sie bezahlen, was Sie für deren gutes Geld so anstellen.

In diesem Sinne, mit kollegialen Grüßen, Ihr

Norbert Wiersbin

http://norbertwiersbin.de/offener-brief-solidaritat-mit-inge-h-2/#more-1223