Ihr könnt mich alle am Arsch lecken…

…ich lasse mir das nicht länger gefallen!

Diese Szene aus der – oskarprämierten und genial-bissigen – Satire „Network“ ( http://de.wikipedia.org/wiki/Network_%28Film%29 ) kommt mir in letzter Zeit immer häufiger in den Sinn.
Im Film prangert der Hauptprotagonist die Medien, die ReGierenden, deren Schamlosigkeit, schlicht, die verheerenden, gesellschaftlichen Zustände an, deren Opfer er letztlich selbst wird. Er empört sich über die mediale Manipulation und die herrschende Verlogenheit…

Fiktion vs. Realität

Wenngleich Network auch „nur“ ein Film ist und jedweder Vergleich zu den heute herrschenden Zuständen dadurch fast schon zwangsläufig hinken muss, so wünsche ich mir doch immer häufiger, dass die Menschen bundes(Europa/Welt)-weit ebenso ihre Fenster aufrissen und ihrem Zorn, ihrer Empörung zunächst einmal mit diesen drastischen Worten Luft machen.
Dass empörtes Schreien übergehen möge in vielfältige widerständische Handlungen.
Dass sich ein (vermutlich weit verbreitetes) diffuses Gefühl des „hier stimmt doch etwas nicht“ verwandelt in politisches Interresse, in Hinterfragen, Erkennen und letzten Endes in Agieren.
Dass die deutschland(Europa/Welt)-weiten Lügen und Manipulationen nicht mehr stoisch-( oder sich macht-und hilflos fühlend) abnickend hingenommen werden.

Natürlich sind nicht „alle Menschen“ lethargisch und desinteressiert. Es gibt Unmengen an kritischen Geistern, bekannte und unbekannte.
Doch deren Rufe verhallen, von der „breiten Masse“ ungehört und den Machthabern konsequent ignoriert, wie dereinst die warnenden Rufe der Cassandra.

„Gutmenschen“, Naivlinge und Verschwörungstheoretiker

Ich könnte in Teilen aufzählen, wo ich welche (medial hochgehaltenen und wiederholten) Lügen und Manipulationen als besonders widerwärtig empfinde, welche Auswirkungen diese gesamtgesellschaftlich betrachtet hatten, haben und haben werden.Ich könnte von Tibet und China schreiben, vom neu-alten Rassismus in den USA, von Hungertoten in Griechenland, von der Ukraine“Krise“, und und und…der Artikel würde dann Taschenbuchformat bekommen.
Daher belasse ich es bei Deutschland.
Diejenigen, welche die hiesigen Misstände hier unermüdlich anprangern, werden verunglimpft als – wahlweise – „Gutmensch“ (Nazi-Sprech und ob der Verdrehung der Wortbedeutung von „gut“ hin zu einem Schimpfwort zudem pervertiert), naiv, VT’ler ect…bestenfalls werden sie belächelt.
Es ist erschreckend, welche gesellschaftlichen Auswirkungen allein die (Sozial)Politik der letzten 10 Jahre – Agenda 2010/“Hartz 4″ – hatte.
Dramatische Folgen, bis in die kleinste Zelle innerhalb der zwischenmenschlichen Interaktion (Familie, Freunde) hinein.
So, wie ein morscher Baum keine guten Früchte tragen kann, so, wie auf steinigem Boden keine ertragreichen Pflanzen zu wachsen vermögen, genau so wenig kann in einem durch und durch verderbten System der Spaltung, der Diffarmierung, der Ausgrenzung, der Angst und der Lügen ein angenehmes „Mit-Menscheln“ gedeihen.
Mit dieser unsäglichen Mischung aus Entwürdigung, medialen (von Politikern wie Clement, Müntefering usw gewünschte und forcierte) In-den-Dreck-tretens von Millionen Menschen, permanenter Existenznöte wurde ein Klima der Angst geschaffen.
Angst essen Seele auf…

Stimmen

Es mag an dieser Stelle genügen, wenn ich Menschen zitiere, welche – obschon „gebildeter“, „klüger“ oder schlicht mehr in der politischen Materie zuhause als ich – meine „gefühlte“ Auffassung(en) bekräftigen. Meine Worte sind letztlich „nur“ die einer – irgendwie – Mit-Betroffenen der (A-Sozial)-Politik, eher emotional denn sachlich. Eine Stimme unter vielen.
Lassen wir also ein paar der eher Rationalen bzw. der Nicht-Betroffenen zu Wort kommen ->

Götz Werner (Gründer der DM-Drogerie-Kette und Antroposoph) Zitat:

„Hartz IV ist offener Strafvollzug. Es ist die Beraubung von Freiheitsrechten. Hartz IV quält die Menschen, zerstört ihre Kreativität.“ – Interview mit dem stern, 18. April 2006

Prof. Dr. Christoph Butterwegge (Politikwissenschaftler), Zitat:

„…Hartz IV war ein Gesetz der Angst und hat aus unserer
Gesellschaft eine Gesellschaft der Angst geformt. Sie ist rauer und härter
geworden. Durch die Agenda 2010 werden die Reichen immer reicher und die
Armen immer ärmer. Als Folge dieser sozialen Kluft ist auch eine zunehmende
politische Spaltung zu beobachten. Hartz-IV-Bezieher gehen inzwischen
deutlich seltener zur Wahl als Menschen, die in gesicherten materiellen
Verhältnissen leben. Die Armen ziehen sich zurück, weil sie nicht ganz zu
Unrecht den Eindruck haben, dass in der Politik ihre Interessen immer
weniger vertreten werden. Hartz IV war für viele von ihnen ein Einschnitt,
ein Symbol für den Abbau des Sozialstaates…

komplettes Interview -> http://www.aachener-nachrichten.de/news/politik/hartz-iv-hat-eine-gesellschaft-der-angst-geformt-1.961585#plx2001431037

Bernd Riexinger (Bundesvorsitzender Die Linke) Zitat:

„…Nicht nur die Prekarisierten, also die, die total von der kulturellen und
gesellschaftlichen Teilhabe ausgegrenzt werden, sind betroffen, sondern
alle. Wenn die Kernbeschäftigten, die noch unter Tarifverträge fallen und
soziale Absicherung haben, immer mehr eingekreist werden durch prekär
Beschäftigte, dann drückt das Löhne und Arbeitsbedingungen. Außerdem führt
es inzwischen bei den Lebensverhältnissen nicht nur zur sozialen und
kulturellen Ausgrenzung, die schlimm genug ist, sondern dazu, dass Menschen
politisch abgehängt werden...“

Konstantin Wecker (Liedermacher, Poet, Rebell und Pazifist) Zitat:

„…Im Moment habe ich das Gefühl, wer dieses System nicht angreift, kann nicht bei Verstand sein. Mich hat am meisten die Prognose für das Jahr 2016 erschüttert. Ein Prozent der Menschheit wird dann so viel besitzen wie die übrigen 99 Prozent zusammen. Das finde ich ungeheuerlich! Man kann nur noch zu dem Schluss kommen, dass die Menschheit restlos versagt hat. Wir erleben eine so ungeheuerliche Ungerechtigkeit, die jedem denkenden Menschen sofort auffallen muss, aber kaum etwas passiert. Ich frage mich, wie man immer noch ein System verteidigen kann, das solche Zustände hervorbringt und zulässt.“

Quelle: http://www.melodieundrhythmus.com/mr-3-2015/konstantin-wecker-tabubrueche/

Fazit

Empört Euch ( Stéphane Hessel , Konstantin Wecker) !
Wehrt Euch (Rainer Kahni ) !
Ein lautstarkes, zig-tausend(millionen)faches

„Ihr könnt mich alle am Arsch lecken, ich lasse mir das nicht länger gefallen!“

könnte ein erster, kleiner und doch mutiger Schritt sein…Hoffnung habe ich diesbezüglich aber leider nur sehr wenig. Und doch gestatte ich mir diesen „Traum“…

 

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Der Fluchtweg: “Freitod” aus Hartz IV


Vorwort
Der nachstehende Artikel von Holdger Platta leg
t auf einfühlsame Weise den Finger in eine der (noch) verborgensten Wunden des „Hartz4 Desasters“.
Geht man doch – nachdem die Manipulation, Erwerbslose als „faule Schmarotzer“ zu stigmatisieren, vorzüglich funktionierte – seit geraumer Zeit dazu über, die Betroffenen als oft psychisch krank zu pathologisieren. Sie entsprechend zu „behandeln“ oder  Zwangs-Maßnahmen für „psychisch Auffällige“ zuzuweisen.
Das eröffnet auch der  den MaßnahmeträgerMafia Unternehmen lukrative, neue Möglichkeiten.
Dazu in Kürze mehr…

Ursache und Wirkung werden gekonnt verdreht.
Nicht die gesamtgesellschaftliche Entwicklung sei verantwortlich dafür, dass Menschen im unwürdigen „Sozial“leistungssystem kleben bleiben und dadurch erst erkranken, nein der Einzelne sei selbst schuld daran, so lautet nach wie vor der Tenor.
Die Klassifizierung ist schnell gemacht:

Der Erwerbslose ist a) faul, oder b) bereits zuvor psychisch krank gewesen oder c) ungebildet. Oder alles zusammen.
Schuld hat er alleweil immer selbst.

Dass es tatsächlich zu einer rasanten Zunahme der psychischen Erkrankungen (insbesondere der Depressionen) innerhalb der letzten Jahre kam, ist durch Studien belegt. Dass der „Ausweg Suizid“ oft in Folge einer depressiven Erkrankung gewählt wird, ist naheliegend.
Doch wer oder was ist „schuld“ an dem inflationären Gallopp der Depressionen innerhalb der Bevölkerung – insbesondere bei den prekär Lebenden, den Veramten – ?
Die Antwort liegt auf der Hand…

http://dieopferderagenda2010.wordpress.com/

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Der Fluchtweg: “Freitod” aus Hartz IV – von Holdger Platta

Gern wird in “unseren” Kreisen zugestanden, dass Hartz IV unbequem ist, stressig, deprimierend, demütigend sogar. Aber dass Hartz IV töten kann – von den wenigsten wird diese äußerste Konsequenz ins Auge gefasst, schon weil die Zusammenhänge nur sehr selten völlig zweifelsfrei nachgewiesen werden können. Trauen wir uns nicht, offen auszusprechen, dass Hartz IV mordet, dass somit auch alle, die es installiert haben und weiter betreiben, morden? Oder wie sollte man es sonst nennen, wenn unzähligen Menschen das Existenzminimum gekürzt wird – als “Strafe” für Ungehorsam? (Was geschieht, wenn jemand weniger hat als das Minimum?) Wie soll man es sonst nennen, wenn unzählige Menschen sehenden Auges in eine Situation hineingetrieben werden, die die Wahrscheinlichkeit einer schweren Depression beträchtlich erhöht? Können wir etwas tun gegen die äußersten Gefährdungen durch Arbeitslosigkeit? (Holdger Platta)…

Weiterlesen auf Hinter den Schlagzeilen http://hinter-den-schlagzeilen.de/2014/11/25/der-fluchtweg-freitod-aus-hartz-iv/comment-page-1/#comment-195526

In aller Kürze – Sonntagsgedanke

Diese weisen Worte sind nicht von mir geschrieben. Ich unterschreibe sie jedoch ohne jede Einschränkung.

Wenn ich hier etwas schreibe, ist das nie aus der Sicht eines Oberlehrers oder gar selbsternannten Gurus, sondern einzig aus der Sicht eines Suchenden, oft auch Zerrissenen, der sich seiner Unzulänglichkeiten stets bewusst ist.

Konstantin Wecker

Allen Lesern wünsche ich einen angenehmen Sonntag

Was hat Spiritualität auf einer linken Webseite zu suchen?

Dieser äußerst bemerkenswerte Artikel von Holdger Platta (erschienen auf der Seite von Konstantin Wecker) kommt  zum genau passenden Zeitpunkt!
Besser gesagt, zum genau für mich passenden Zeitpunkt.
Aus – somit durchaus auch (!) ein wenig „eigennützigen“ Motiven heraus 😉 ein ganz besonders herzliches Dankeschön an Holdger Platta an dieser Stelle.

Ich empfehle, insbesondere der „Entweder/Oder – Fraktion“, ein langsames und bedächtiges Lesen. Einen Teil, der aus meiner Sicht durchaus auch mein „widersprüchlich erscheinendes Verhalten“ wunderbar „erklärt“, nehme ich hier vorweg:

Hinter den Schlagzeilen

„…
5. Diese andere, diese neue „Spiritualität“ versteht sich in Augenhöhe mit anderen Menschen;
6. sie wendet sich der Welt mit ihren sozialen und sonstigen Problemen zu, nicht von ihnen ab;
7. sie bemüht sich um Empathie mit anderen Menschen – mit Unterdrückten, Niedergemachten, Gequälten und Gepeinigten zumal;
8. sie sieht sich, aufgrund der wahrgenommenen Verbundenheit mit der Welt und ihren Menschen, in der Verantwortung, beizutragen zu einer herrschaftsfreien und gewaltfreien Welt, zu einer Welt ohne Hunger, Ausbeutung, Unterdrückung, Unglück und Krieg;
9. sie sieht sich aufgerufen zu liebevollem Handeln, gerichtet gegen eine Welt des Profits und des Konkurrierenmüssens;
10. sie sieht sich aufgefordert, in Verbundenheit mit möglichst vielen anderen Menschen, die Zerstörung der Welt aufzuhalten und mit beizutragen zu einer Welt, für die Mitmenschlichkeit und Solidarität nicht mehr nur Schlagworte sind;
11. und sie will das alles nicht nur großpolitisch oder gar großmäulig realisieren, in Parlamenten, auf Podien und Kongressen, sondern nicht zuletzt auch Tag für Tag im eigenen ganz persönlichen Alltag.

Konstantin Wecker hat das in seinem Buch mit Bernard Glassman „Es geht ums Tun und nicht ums Siegen“ (herausgegeben von Christa Spannbauer) auf Seite 45 so ausgedrückt: „Was Albert Schweitzer ‚tätiges Mitgefühl’ nannte, ist für mich gelebte Spiritualität.“ Und wer Wecker und seine Lieder kennt, ebenso Bernard Glassman und Roland Rottenfußer, der weiß: das schließt sehr viel Zärtlichkeit mit ein, aber auch den Zorn, das nimmt den Nächsten ernst, aber auch die sogenannt-große Politik. Alle die genannten Autoren sehen sich da in der Mitte zahlloser anderer liebevoller Rebellen.

Ich wünschte mir, die Mitrebellen sähen es ebenso und ebenfalls liebevoll. Gibt’s Chancen dafür?

 

Künstler

Vorweg, ich mag sehr viele Formen der Kunst und lasse mich dabei weder auf ein Genre festnageln noch diskutiere ich verbissen über Sinn (oder Unsinn) manch kreativer Schöpfungen.
Auch für die Kunst gilt aus meiner Sicht, dass Schönheit nun einmal im Auge des Betrachters (oder Zuhörers) liegt…

Lebenskünstler

Wenngleich manche Menschen vermeintlich „gar nix tun“, nichts produzieren oder herstellen, so wohnt aus meiner bescheidenen Sicht auch vielen von ihnen ein Künstler inne, der Lebenskünstler eben.
Ich durfte in meinem Leben einige dieser Menschen kennenlernen und denke, es ist eine hohe Kunst, in all den Widrigkeiten des Alltag sich selbst treu zu bleiben, sich nicht zu verbiegen…sei es um des Geldes wegen oder oder…
Die teils heitere Gelassenheit, das Leben mit all seinen Facetten als das anzunehmen, was es ist – vergänglich – sich innerlich zu befrieden in diesem Wissen, das ist gar eine große Kunst.

Ein Gedicht …

…welches in der deutschen Übersetzung als ein Werk von Joseph Beuys dargeboten wird, bringt meine Gedanken auf einen weiteren Punkt:
So Vieles könnten wir von den Kindern lernen, sie sind, solange sie noch unverfälscht sind, die wahren (Lebens)Künstler!
Von wem dies Gedicht auch immer sein mag (Quellenfund auf der Seite von Konstantin Wecker), ich werde es Euch nicht vorenthalten 🙂

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Jeder Mensch ist ein Künstler

Lass Dich fallen. Lerne Schlangen zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die „ja“ sagen
und verteile sie überall in Deinem Haus.

Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue Dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen,
schaukle so hoch Du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.

Pflege verschiedene Stimmungen,
verweigere Dich, „verantwortlich zu sein“ – tu es aus Liebe!
Mache eine Menge Nickerchen.
Gib Geld weiter. Mach es jetzt. Das Geld wird folgen.
Glaube an Zauberei, lache eine Menge.
Bade im Mondschein.

Träume wilde, phantasievolle Träume.
Zeichne auf die Wände.
Lies jeden Tag.
Stell Dir vor, Du wärst verzaubert.
Kichere mit Kindern. Höre alten Leuten zu.
Öffne Dich. Tauche ein. Sei frei. Preise Dich selbst.

Lass die Angst fallen, spiele mit allem.
Unterhalte das Kind in Dir. Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken. Werde nass. Umarme Bäume.
Schreibe Liebesbriefe.

 

 

 

 

Aufruf für einen „Europäischen Frühling“

 

Liebe Freunde und Leser dieses Blogs
Nachfolgenden Aufruf verbreite ich sehr gerne weiter und hoffe auf rege Beteiligung. Die aufschlussreiche PDF findet Ihr hier -> Aufruf Europäischer Frühling
die Unterstützer-Mails sendet bitte an


hamcha@hamcha.de

Danke!

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Liebe Freunde, MitstreiterInnen und alle, die mir auch ansonsten nahestehen,

beigefügt geht Euch der Aufruf für einen „Europäischen Frühling“ zu, den ein Freundeskreis um Konstantin Wecker in den letzten Tagen erarbeitet hat.

Diese Gemeinschaftsresolution, die m. E. nicht zuletzt auf den „Aufruf zur Revolte“ zurückgehen dürfte, den vor einigen Monaten Konstantin Wecker und Prinz Chaos II veröffentlicht haben – Ihr bekamt auch diesen Text seinerzeit von mir zugesandt -, kann, so hoffe ich, jede und jeder von uns unterstützen. Auch unser Mitstreiter Rainer Thiel übrigens hat bereits vor einiger Zeit – auf der lesenswerten Website von Konstantin Wecker www.hinter-den-schlagzeilen.de – den Vorschlag zu einem großen Kongress ins Gespräch gebracht.

Selbstverständlich: jedem wird noch irgendein Punkt fehlen (oder sogar mehrere). Sicher bin ich aber eigentlich, daß die Positionen, die in diesem Aufruf vertreten werden, von uns allen geteilt werden können – sowohl, was die ‚Pro-Aussagen‘ betrifft, als auch die ‚Kontra-Aussagen‘.

Ich bitte also alle um Unterstützung – um eigene Unterschrift also – wie auch um Weiterverbreitung dieses Aufrufs nun auch von Eurer Seite aus.

Die Unterstützermails schickt bitte direkt an Michael Vilsmeier (Mailanschrift siehe oben!) – ich glaube, den Hauptverfasser dieses Aufrufs. Ggf. auch Cc an mich. Letzteres muß aber nicht sein – wobei, claro, auch ich mich darüber freuen würde, dadurch mitzubekommen, daß hoffentlich ganz viele mitmachen werden bei dieser Aktion.

Übrigens freut sich Michael Vilsmeier auch über kurze Kommentierungen usw. Aber auch dieses, selbstverständlich, ist jedem völlig freigestellt; es befinden sich weder Unternehmer noch Übelnehmer unter uns. 😉

Es wäre schön, sehr bald von sehr viel Resonanz hören zu können.

Mit herzlich-solidarischen Grüßen Euch allen
Holdger (Platta)

Nützliches, Unnützes, Gedanken – Ein Rückblick auf 2013…

…aus meiner ganz persönlichen Perspektive

Ach herrjeh, noch ein Jahresrückblick 😉 wird jetzt manch ein Leser seufzen.
Ich kann es verstehen…dennoch ( und weil ein Blog ja eine Art Tagebuch ist ) schreibe ich jetzt in kalendarischer Abfolge nieder, was mich – unter Anderem – in 2013 bewegte – im Guten wie im weniger Schönen –

Januar

Die mir voreilig gestellte Diagnose Krebs hat sich als falsch erwiesen. Trotz meines Zornes über die oberflächliche und unsensible Art des Arztes war diese Fehldiagnose dennoch nützlich. Ich traf Vorkehrungen, vor denen ich mich seit Jahren drückte, ich beschäftigte mich intensiv mit Themen wie „Sinn des Lebens“, Tod, Wiederbegurt, Karma und stellte fest, dass mir der Tod als solcher keineAngst macht.
Eine der Fragen, welche ich mir stellte, war die, ob ich meine Organe spenden werde. Folgerichtig musste ich mich mit dem Thema „wann ist ein Mensch tot“ auseinandersetzen.Vieles, was ich über die Vorgänge rund um die Organspende las, erschreckte mich zutiefst.
Einmal mehr wurde mir klar, dass die Anbetung des Götzen Geld vor nichts halt macht, der Mensch, seine Würde, wird auch im Sterbeprozess noch häufig genug mit Füßen getreten, des schnöden Mammon zuliebe.Die Entscheidung fiel mir nicht leicht, denn mit den eigenen Organen einem anderen Menschen zu helfen, ist eine nützliche Handlung, und doch entschied ich mich schlußendlich gegen eine Organspende.Im Buddhismus gilt eine andere Auffassung über den Zeitpunkt desTodes welche mit den Vorgehensweisen bei der Organentnahme aus meiner Sicht nicht zu verbinden ist.
Ein lieber Freund stand mir in dieser schwierigen Lebensphase wohltuend zur Seite, für ihn schrieb ich das Gedicht Dunkles Licht
Es sollte das letzte Mal sein, dass wir uns so „nahe“ waren…

Februar

Grau, kalt und düster kam der Februar daher. Der Alltag nahm seinen Lauf, die Ungerechtigkeiten – auch in Offenbach – zu. Eine liebe Freundin verzweifelte fast an ihrer Erwerbslosigkeit, eine zunächst vielversprechende Weiterbildungsmaßnahme erwies sich als Flop. Gegen die Offenbacher Sozial-Aktivisten vom SGB2-Dialog ging die MainArbeit mit Hausverboten vor, in schöner Regelmäßigkeit erreichten mich Hilfeersuchen bzgl. Problemen mit dem hiesigen Jobcenter.
Und Gustl Mollath sitzt noch immer in der forensischen Psychiatrie ein…

März

Hugo Chavez und Margret Thatcher sind verstorben. Bei letzterer hielt sich meine Anteilnahme durchaus in Grenzen…dennoch empfand ich die Hohn-und Spott-Abgesänge („Ding-Dong, the witch is dead“) als unfassbar gruselig.Eine derartige Verachtung, ein solcher Hass…nun, es gibt Dinge, die ich wohl nie verstehen werde…
Gestorben ist auch die Beziehung zu einem Freund, den ich sehr schätzte, der wie kaum ein zweiter mein Leben bereicherte. Verstanden – im Sinne von rationalem Nachvollziehen – habe ich die Aufkündigung dieser Freundschaft bis heute nicht…sind „falsch“ gewählte Worte wirklich unverzeihlich? Wenn ich es recht bedenke, war der Anlass eine Nichtigkeit. Ich litt sehr unter diesem (für mich völlig unvorhersehbaren) Bruch, habe aber die Aufforderung, alle Kontaktdaten zu löschen, sehr schweren Herzens respektiert und umgesetzt.

April

Die unterstützende Arbeit in Sachen „Hartz4“ nimmt ihren Lauf, wie schon Jahre zuvor auch. Und doch bemerke ich zunehmend eine Art „Ambivalenz“ in mir, wenn ich mich mit diesem Thema auseinandersetze. Vielleicht mitausgelöst durch Inge Hannemann vielleicht auch durch die Bekanntschaft mit einem so gar nicht „Rauh’en Gesellen“ 😉 in der MainArbeit Offenbach frage ich mich zusehends, ob und wie sich mein Menschenbild mit einer pauschalen Verurteilung ALLER Jobcentermitarbeiter vereinbaren lässt.
Ich musste feststellen, es passt nicht.
Somit beschloss ich, mit meiner Wut gegenüber den demütigenden und menschenverachtenden „Hartz4-Gesetzen“ künftig anders umzugehen.Wenn die „Gegenseite“ schwärzeste Pädagogik als probates Mittel versteht, mit Bedürftigen umzugehen, so ist das eine Sache. Mit gleicher Münze zu antworten, sollte künftig nicht mehr meine Sache sein. Einmal mehr griff ich nach „meinem Lehrbuch“  🙂   Walden 2 und versuche  seitdem, mit der (auch) dort geschilderten positiven Bestärkung zu „arbeiten“. In kleinen und kleinsten Schritten, aber nicht ganz erfolglos…

Mai

Tagesgeschäft Hartz-Beratung und immer neue, politische Schweinereien gegen den Menschen/die Menschlichkeit, wohin das Auge blickt.Meine „Ambivalenz“ aus April setzt sich fort, ich musste (!) diese Gedanken niederschreiben, bevor ich doch betriebsblind werde.Eine Auszeit in „meinem“ Kloster tat dringend Not…und entsprechend gut.
George Moustaki, ein Ausnahmekünstler, verstarb am 23ten.

Juni

Die Gentrifizierung blüht bundesweit, in Hessen sieht der amtierende Ministerpräsident keinerlei Notwendigkeit, sich für den Bau von mehr Sozialwohnungen stark zu machen und noch immer gibt es Misstände bei den Mietobergrenzen für bedürftige Offenbacher Bürger.
Die Wiederaufnahmeanträge von Gustl Mollath wurden abgelehnt, der Jenaer Stadtpfarrer König soll – auf Gedeih und Verderb – wegen Landfriedensbruchs und Aufwiegelung abgeurteilt werden…und auch in Ungarn ist man auf dem rechten Auge zusehends mehr und mehr blind.

Juli

Das Tagesgeschäft 😉 nimmt an Fahrt auf, ein junges Paar sucht um Hilfe, die junge Frau ist schwanger.
Es war ein Déja vu der obdachlosen Art.Und dieses Pärchen werde ich noch viele Monate begleiten…
Genau an meinem Geburtstag tritt Konstantin Wecker in Wertheim auf, es war ein phantastischer Abend zwischen Zärtlichkeit und Wut Am 26ten verstirbt ein ganz große Künstler: JJ Cale.

August

So viele Einladungen, allzu gerne hätte ich eine Auszeit genommen. Aber meine noch immer erwerbslose Freundin wartet  darauf, endlich ihre Prüfung zur Luftsicherheitskontrolletti 😉 abzulegen, der Termin kann täglich eintrudeln…und ohne Katzensitter kann ich nicht weg aus OF. Es ist eine harte Lehre in Sachen Geduld, denn eine Einladung ist gar aus Friesland, und was gibt es schöneres als die Nordseee bei herrlichstem Wetter?
Die Geschehnisse um „meine“ schwangere Obdachlose reißen nicht ab, fast täglich muss ich ran. Schwerstarbeit, aber dennoch von zügigen Erfolgen gekrönt. Zorn, gepaart mit Sachlichkeit, haben Wirkung und einmal mehr spüre ich, dass es richtig ist, die zuständigen Mitarbeiter bei ihrer Menschlichkeit zu packen. Lediglich der GF ist die altbekannt-emotionslose Amöbe, nur: An ihn wende ich mich ja auch nicht…

September

Über das Wahldesaster schreibe ich nicht, der deutsche Michel wird wohl noch einige Male wiedergeboren werden müssen, um zu begreifen, dass es nicht klug ist, als Schaf den Metzger zu wählen.
Einige meiner „Be-Beistandeten“ haben Hartz4 hinter sich gelassen, ich freue mich sehr darüber. Der Kontakt besteht dennoch weiterhin, das Schönste aber ist, dass sie nun ihrerseits ihr neu erworbenes „Wissen um Widerständigkeit“ 😉 weitergeben…für mich ein neuerlicher Beweis, dass sich alles gegenseitig bedingt.
Die Arbeit als solche aber reißt nicht ab…

Oktober

„Meine“ Schwangere erklärt mich kurzerhand zur Geburtshelferin und künftigen Oma 🙂 Gut, so bin ich auf meine alten Tage noch einmal Mutter einer Tochter geworden, es gibt wahrlich Schlimmeres.
Aus anderen Hilfsaktionen wuchsen neue Bekanntschaften, aus Hilfesuchenden wurden (fast) Freunde, die auch mich „einfach mal so“ fragen, wie es mir geht.Alte Freundschaften hingegen standen auf dem Prüfstand…und haben es überlebt.
Dem Grunde nach bin ich mit mir im Reinen, nur manchesmal fehlt es mir an Abwechslung…denn immer nur Offenbach geht mir gehörig auf den Keks.
Trotz dieser unschönen Gefühle weiß ich aber, auch sie sind nur eine weitere Schulung in Sachen Geduld. Wieder einmal kommt mir das Gelassenheitsgebet in den Sinn:

Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

November

Der Totenmonat, wie der Volksmund sagt.
Dieter Hildebrandt und Doris Lessing gingen von uns.
Und, um es mit Konstantin Wecker zu sagen: „Die Diktatur ist noch nicht ausgereift, sie übt noch…“ bereiten mir die europäischen Zustände (Spanien, Griechenland, Lampedusa, Ungarn ff) wie auch weltweite Entwicklungen zunehmend Sorge.
Auch in Deutschland scheinen sich die Enddarmbewohner der Wirtschaft rasant zu vermehren. Dennoch gibt es Anlässe, die Hoffnung machen, Mut geben…der „neue“ Pabst scheint den ursprünglichen Auftrag zu mehr Menschlichkeit ernst zu nehmen, erstmals fanden sich bundesweit zig-tausend Menschen als Gegner der „Hartz4-Sanktionen“ zusammen…
Vielleicht ein Anfang, ein Schritt hin zu mehr Mitgefühl?

Dezember

Ja, ich genieße die Adventszeit. Ich mag den Duft von von frisch gebackenen Plätzchen, ich liebe den Flitter und Tand der geschmückten Wohnung…
Den alljährlichen Konsumterror lehne ich hingegen strikt ab. Freude kann mensch auch mit kleinen Dingen bereiten: Sich Zeit nehmen für die Nöte des Nachbarn, Freunde einladen…es gibt vieles, womit man seinem Mitgefühl bzw. der Nächstenliebe Ausdruck verleihen kann.
Daher mag ich die Darstellung, dass „Weihnachten für Arme nicht machbar sei“, so auch nicht unterschreiben. Zu häufig wird in derartigen Diskussionen das „Fest der Liebe“ an Materiellem festgemacht.
Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass der Regelsatz viel zu niedrig bemessen ist. Insbesondere Kinder haben nun einmal „Wünsche an das Christkind“…
Nelson Mandela ging von uns.

Friede auf Erden…
…DER Weihnachtswunsch schlechthin. Wo aber beginnt Friede? Doch wohl zunächst im eigenen Inneren. Wie soll aber innerer Friede einkehren, wenn hasserfüllte (nicht wütende/zornige, das ist etwas völlig Anderes) Gedanken gehegt und gepflegt werden?
Es stimmt mich immer wieder traurig, wenn ich sehe oder lese, wie sehr Menschen an hasserfüllten, rachesüchtigen Gedanken festhalten.
Menschen, die vergeben/verzeihen für eine Schwäche halten und nicht bemerken, dass sie sich mit ihren negativen Gedanken dauerhaft selbst schwächen. Es ist eigentlich nicht schwer zu begreifen, dass ohne inneren Frieden niemals ein äußerer Friede einkehren wird.
Ich schrieb oft darüber… und lasse es seit geraumer Zeit sein. Denn die Erkenntniss, dass „Auge um Auge schlußendlich die Welt erblinden lässt“ (Ghandi) muss wohl in jedem selbst erwachsen, „beibringen“ kann man das offenbar nicht oder nur selten…
Daher schließe ich hier mit dem Wunsch, dass ein jeder von uns seinen inneren Frieden finden möge – der äußere folgt dann von selbst.

In diesem Sinne Euch Allen einen guten Start in’s neue Jahr

 

 

 

 

 

stoersender.tv – Episode 14: Aufruf zur Revolte

Wie bereits mehrfach geschrieben, u.A. hier in Form der Rezension von Holdger Platta ist das gemeinsame Werk von Konstantin Wecker und Prinz Chaos aus meiner Sicht für jeden Denker mit Herz ein (kostenfreies) Muss. Stoersender.tv hat sich nun in hervorragender Form dem Aufruf zur Revolte angenommen und auf youtube veröffentlicht. Den „Lesefaulen“ 😉 unter uns ist damit auch Rechnung getragen… Prädikat: Unbedingtes Muss!

Aufruf zur Revolte – Es reicht! Eine Rezension von Holdger Platta

Aufruf zur Revolte

Seit vorgestern kann im Internet der “Aufruf zur Revolte” von Konstantin Wecker und Prinz Chaos II. kostenlos nachgelesen und runtergeladen werden: eine ca. 40-seitige “Polemik” gegen die derzeit weltbeherrschende Politik und eine Ermutigung zum Widerstand.

Aufruf zur Revolte download

Ich hätte diese Streitschrift gerne selbst besprochen ;) doch Holdger war schneller. Und mir bleibt, wie so oft schon, nichts hinzuzufügen.
Einen Satz möchte ich aber doch noch hervorheben:
Für mich die große Kraft dieses Textes: hier wird nicht nur von Kopf zu Kopf gesprochen, sondern wieder und wieder, auf furiose Weise, von Herz zu Herz.
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Nein, kein Zufall: auch mit Blick auf die Landtagswahlen in Bayern und Hessen sowie auf die Bundestagswahlen veröffentlichen die beiden Liedermacher Konstantin Wecker und Prinz Chaos II. am 15. September ihren „Aufruf zur Revolte“ als kostenloses E-Book im Internet. Doch Anlässe wie Intentionen dieser „Polemik“ (Untertitel der Kampfschrift) reichen weit über diese Termine hinaus. Es geht um Darstellung der Weltzustände insgesamt – und um die Frage, was dem entgegenzusetzen ist.

 

Es war im März dieses Jahres, daß sich die beiden Künstler nach einem gemeinsamen Konzert zu diesem Aufruf entschlossen. Noch beglückt vom Publikumsecho, gestanden sich die beiden Sänger „in einer denkwürdigen, coming-out-artigen Situation“, daß ihre „Intuition immer lauter Alarm“ zu schlagen beginnt. Die Autoren wörtlich:

 „…wenn man alle Faktoren zusammenrechnet, die ökologische Situation, die wirtschaftliche Lage, den gigantischen, präventiv ausgebauten Repressionsapparatund auch, ja, leider, die zunehmende Verrohung und Entsolidarisierung der Menschen untereinander, dann muß einem Himmelangst werden.“

Hier nun also das Resultat: ein 40-seitiges Manifest gegen den Kapitalismus – und gegen unsere Mutlosigkeit. Es ist, natürlich, ein literarischer Text, kein kleinteilig, mithilfe marxistischer Kategorien, die Gegenwart durchanalysierender Text. Es ist aber, gleichwohl, ein Text, der mit dialektischer Akribie die Verhältnisse der Gegenwart durchleuchtet, ein Text, der die weltweiten Zusammenhänge der Krise anders, nämlich individuell wahrnehmungsnah, darzustellen vermag.

 

Typisch in dieser Hinsicht schon der Textbeginn: die Verfasser setzen an bei unserer Alltagserfahrung, bei dem, was der Erkenntnis der Zusammenhänge im Wege steht, den weltweit praktizierten Verdrängungsmechanismen,  „Illusionsabfällen und Betäubungsmittel aller Art“, dem nächsten „Sportgroßereignis oder einer neuen Terrorwarnung“ etwa. Um dann vorzustoßen zu eben diesen verdrängten Problemen. Da werden dann zum Beispiel die Finanzkrise angesprochen und die Weltnaturkatastrophe, die Kriegstreibereien und der Überwachungsskandal, das Flüchtlingselend und die illegitime Macht der Weltkonzerne. Und dieses jeweils im Kontrast zur propagandistischen Verdrängungsschreiberei.

 

Zum Beispiel: über die Brutalität Erdogans gegen Occupy Gezi in Istanbul empöre man sich „unisono“, doch der „himmelschreiend brutale Polizeieinsatz gegen Blockupy in Frankfurt am Main (…) mit mehr als 400 Verletzten“ sei fast totgeschwiegen worden. Oder: man beklage immer noch die 139 Berliner Mauertoten –  28 Jahre danach -, aber wo läse man in gleicher Extensität von den rund 2000 Toten, die heutzutage an den europäischen Grenzen ums Leben kommen, jährlich –  Flüchtlinge, gegen die eine Kriegsflotte der EU auf dem Mittelmeer ihre barbarische Arbeit verrichtet?

Der Aufruf zeigt: hier stimmen die Maßstäbe nicht. Er zeigt: hier funktioniert ungeheuer vieles im Dienste westlicher Profitinteressen. Und er zeigt: dem muß nicht nur Gesellschaftstheorie entgegengesetzt werden – da bleiben Konstantin Wecker und Prinz Chaos II. eher vorsichtig -, sondern vor allem auch aufgeklärte Menschlichkeit. Für mich die große Kraft dieses Textes: hier wird nicht nur von Kopf zu Kopf gesprochen, sondern wieder und wieder, auf furiose Weise, von Herz zu Herz.

Deswegen ist dieser Aufruf auch beides: ein aufwühlender Text und klug! Deswegen schürt das Manifest mit seinem Doppelcharakter nicht nur die Hoffnung, sondern er spart auch die Gefahr unseres Scheiterns nicht aus. Deswegen begegnen wir hier immenser Empathie und Realismus. Zum Beispiel:

 „Nüchtern betrachtet sind die Risiken der Revolte weitaus geringer als die mitmathematischer Sicherheit katastrophalen Ergebnisse eines weiteren tatenlosenZuschauens uns Mitlaufens. Und wenn wir endlich auch in Deutschland den Mut zurRevolte fassen (…), dann werden wir eine andere Intensität des Lebens erfahrendürfen (…): den Zauber wirklicher Freiheit.“

Dabei versteht sich von selbst: die Autoren setzen nicht nur auf Wahlen – der Zeitpunkt dieser Veröffentlichung stellte insofern ein Missverständnis dar -, sondern vor allem auf eine neue große außerparlamentarische Bewegung. Und sie setzen auf die Inspiration und Intelligenz der vielen Einzelnen in dieser Bewegung, nicht aber auf sogenannt-charismatische Führerfiguren. Ein humaner Anarchismus ist kennzeichnend für diesen Aufruf, Orientierung an Graswurzelarbeit, ohne sich in Kontraposition zu bringen auch – auch! – zu parlamentarischer Tätigkeit. Hier geht es nicht um ein Entweder-Oder, sondern um ein im besten Sinne hellwaches Sowohl-Als auch. Bei allem Blick auf das Große und Ganze schreiben Wecker und Prinz Chaos II. nicht über das Kleine und Kaputte hinweg, aber bei allem Ernstnehmen der Alltagserfahrungen ganz unten wird auch das Treiben derer da oben analysiert. Das ist Gesellschaftskritik ohne das gewohnte Wissenschaftsvokabular und dennoch wissenschaftlich hochinformiert (Beispiel: die Analyse der Situation im vor-revolutionären Frankreich gegen Ende des 18. Jahrhunderts). Hier werden Geschichte und Politik auf allen Ebenen zur Sprache gebracht, und auf allen Ebenen sollten wir uns dem verkehrten Gang der Dinge in den Weg stellen – für mich die Kernaussage, um die es bei diesem Aufruf zur Revolte geht. Im Interesse einer Welt ohne Freiheitsberaubungen und Menschenschinderei, ohne Herrschaft des Geldes und abgehobener Cliquen, ohne Elend und Angst.

Zweifellos: ein packendes und aufklärendes Manifest. Und ich füge hinzu: ein Glücksfall, daß es noch solche politisch-engagierten Künstler gibt. Mögen viele Menschen diesem Beispiel folgen.

Demokratie lebt von unten her oder gar nicht.

 

Konstantin Wecker und Prinz Chaos II. rufen zur Revolte auf.

Am 15.en September erscheint ein kostenloses E-Book.
Weitere Informationen dazu unter Aufruf zur Revolte
Auf diesem Weg zunächst einmal wieder herzlichen Dank an Holdger Platta, der mir diese – wie ich finde, wichtige – Information mailte, Auszug:

…der Ehrenvorsitzende unserer Initiative für eine humane Welt Konstantin Wecker veröffentlicht in den nächsten Tagen – zunächst als kostenloses E-Book im Internet – gemeinsam mit seinem Co-Autor, den ebenfalls politisch immens engagierten Liedermacher Prinz Chaos II., einen

Aufruf zur Revolte

Ich bitte Euch alle, die beigefügte Ankündigung zu diesem Buch mit Euren Mitteln weiterzuverbreiten. Nicht zuletzt im Blick auf die Bundestagswahlen in gut zwei Wochen wäre das wunderbar. Und auch die beiden Landtagswahlen in Hessen und Bayern dürften ja ein entsprechender Anlaß sein.

Das Buch, an dem auch ich mit zahlreichen anderen HelferInnen ein bißchen mitgearbeitet habe, verdient, so meine ich, die Unterstützung aller, denen es an einer einer grundlegenden Veränderung und Verbesserung der Politik liegt, die immer brutaler Millionen Menschen und ganze Staaten in den Abgrund treibt.

 

Konstantin Wecker – Wenn der Sommer… und…Empört Euch

Wie ich vor einigen Tagen bereits ankündigte, gönnte ich mir zu meinem Geburtstag gestern ein Konzert mit Konstantin Wecker.
Es war ein sehr „intimes“ Konzert, ich kann jedem – wirklich jedem – sozialkritischen Selbstdenker, der das Fühlen (und die genußreichen Momente im Leben) noch nicht verlernt hat, einen Konzertbesuch empfehlen
.

Gefühle, wiedergegeben durch Poesie, wütende Lyric, ich kann es nicht beschreiben…somit einfach „unbeschreiblich“

Mir fehlen ein wenig die Worte für meine Empfindungen, auch verlinkte Videos können die Atmosphäre und dieses Gefühl, welches ich empfand, nicht wiedergeben…dennoch hier einmal lyrisch und einmal voller Empörung. Irgendwie…mitten in’s Herz…

Konstantin Wecker

(…) Den meisten ist es peinlich, noch zu fühlen, und statt an Güte glaubt man an die Bonität. Man lullt uns ein mit Krampf und Kampf und Spielen – schau´n wir vom Bildschirm auf, ist es vielleicht zu spät…

 Die Diktatur ist nicht ganz ausgereift, sie übt noch. Wer ihren Atem spürt, duckt sich schon präventiv.
Und nur der Narr ist noch nicht ganz erstarrt, er liebt noch und wagt zu träumen, deshalb nennt man ihn „naiv“ (…)

 

 

 

Nur (?) ein kleiner Glücksmoment – mein Highlight des Tages

Liebe Leser, liebe Freunde

machen wir uns nichts vor, die Zeiten sind  nicht gut (ja, ich schmeichle) sie sind – gerade für die “Überflüssigen”, die Abgehängten dieser Leistungsgesellschaft oft (v)erschreckend , brutal, kaum erträglich.

Und doch, es gibt sie noch  – die kleinen Glücksmomente – und ich denke, es ist wichtiger denn je, sie bewusst wahrzunehmen.Wir sollten lernen, sie (wieder) zu sehen. Und derjenige, der es noch kann, sollte es bitte immer beibehalten…Ich möchte an dieser Stelle nun täglich als letzte Niederschrift in diesem Blog meine ganz persönlichen “Highlights” des Tages beschreiben, in kurzen Sätzen Weiterlesen

stoersender.tv exklusiv: Benefizgala Teil 1 – Hildebrandt, Schramm und Wecker in Höchstform

Dieter Hildebrandt und seine – in meinen Augen – besten Kollegen an einem Abend anlässlich einer Benefizgala zweier gemeinnützigen Initiativen
stoersender.tv hat die Bilder exklusiv und bringt Teile der 4stündigen Benefizgala in zwei Sendungen mit einer Gesamtlänge von mehr als eineinhalb Stunden. Im hier eingestellten ersten Teil treten auf:
Dieter Hildebrandt, Konstantin Wecker, Roger Willemsen, Georg Schramm.

Um einmal zu „denglischen“ 😉 : Hier gibt sich das who is who des politischen Kabaretts die Ehre, anschauen lohnt sich auf jeden Fall.

Holdger Platta auf der HP von Konstantin Wecker – Arbeitslosigkeit als Urlaubsparadies – lesenswert

Wer, wenn nicht Wecker 😉 , versteht sich auf die Wirkung von Worten? Auch auf Botschaften jenseits des direkten Wortes? Auf Suggestion mittels ausgewählter Sprache?

update!

Natürlich ist Konstantin Wecker ein phantastischer Texter. Den nachfolgend verlinkten Artikel allerdings verfasste nicht er, der pointierte Text stammt aus der Feder von Holdger Platta.
Diesen Fehler bitte ich zu entschuldigen.

Nun, was einem Konstantin Wecker und anderen „linguistischen Tranchiermessern“ 😉 recht ist, ist den Vertretern des Neusprech schon lange billig.
Sie haben die Macht der Sprache vor Langem erkannt, leider.
Und so muß es nicht verwundern, dass – mit Unterstützung der gleichgeschalteten Presse – der lesende und/oder hörende, verständige Mensch sich täglich mit einer Manipulation sondersgleichen konfrontiert sieht.
Ob Reform, ob alternativlos, ob das eigentlich harmlose Wörtchen „wir“ – im Zusammenhang mit Sparzwang und Gürtel enger schnallen – hierzulande herrscht ein bewußt irreführender Sprachgebrauch.

Cui bono – wem nutzt es?

Holdger Platta zeigt in seinem Artikel auf, dass mensch sich nicht sonderlich gut mit Semantik auszukennen braucht (wenngleich er selbst diese bravourös beherrscht 🙂 ) um die Absicht hinter dem Schönsprech/Neusprech zu durchschauen. Eine Portion gesunder Menschenverstand genügt völlig…

Die soziale Hängematte

Zitat (…) Fazit mithin: Die Metaphorik von der „sozialen Hängematte“ macht aus der Zwangsuntätigkeit der Arbeitslosen so etwas wie einen ewigen Urlaub, aus ihrem Elend ein Luxus-Leben. Und auf die Menschen, die sich an ihrem Arbeitsplatz oft bei spärlichster Bezahlung und unter menschenunwürdigsten Bedingungen abrackern müssen, wirkt das fast wie Unverschämtheit und Provokation. Die wahren Ausbeuter der Gesellschaft scheinen, aus dieser Perspektive betrachtet, die Ärmsten der Armen in unserer Gesellschaft zu sein, nicht aber die sogenannten Eliten in Wirtschaft und Politik. Verkehrte Welt! Psychotricks! Aber so funktionieren die Slogans. Und: so sollen sie funktionieren!

weiterlesen auf: Hinter den Schlagzeilen

Endlich am Start: Störsender.TV – die Spielwiese für alle Störenfriede, die sich nicht abfinden wollen ;)

Die Macher und Unterstützer dieses Projektes lesen sich wie das „who is who“ des deutschen Kabaretts. Mit dabei sind der „Störsender-Erfinder“ Dieter Hildebrandt, Konstantin Wecker, Urban Priol, Georg Schramm, Volker Pispers u.v.m.

Ich wünsche allen Freunden der kritischen Unterhaltung viel Vergnügen bei Episode 1 🙂

Finanzkasinokapitalismus   hier geht es los

Aus gegebenem Anlass ;) Konstantin Wecker – Das Lächeln meiner Kanzlerin/Empört Euch

Wie im Demo-Beitrag bereits erwähnt, war der Auftritt von Wecker bei der Schlusskundgebung in Frankfurt, wie er besser nicht hätte sein können! Kraftvoll (keineswegs ein „müder Alt-68er“ 😉 ) Da es (noch) keine aktuellen Mitschnitte von gestern gibt, hier ältere youtube-Beiträge Weiterlesen

Gutes Gefühl – erste Eindrücke von umFairteilen – Nachtrag

Wenn ich diese Digi verstehen würde, könnte ich Bilder einstellen…es waren vielfältige Eindrücke, die ich versucht habe, festzuhalten. 😦 hier mal stellvertretend -> http://www.flickr.com/photos/umfairteilen/8035449919/in/set-72157631649093274/

Ich kann es (noch) nicht logisch/analytisch angehen, dafür empfand ich die Stimmung als zu „menschelnd“. Und genau das ist, glaube ich, gut und richtig. Aufzuzeigen, halloooo, es geht hier um Menschen – um durchaus auch frohmütige, bunte Menschen – Individuen eben und nicht Zahlen in irgendeiner Statistik.

Und dennoch war es kraftvoll, ernergisch, ein Stück weit „frisch“. Weiterlesen

Die Empörung Konstantin Wecker’s: Griechenland an ein paar reiche Arschlöcher verkaufen?

Gänzlich ohne Anmerkung von mir – es ist alles von Wecker gesagt – meine Hochachtung!

 

von Konstantin Wecker

»Erst wenn die Akropolis zur Empfangshalle der Deutschen Bank mutiert ist, geben sie wohl Frieden.«

Entschuldigt bitte diesen sicherlich sträflich spontanen Beitrag. Und das ist jetzt viel zu unüberlegt, unbedacht,unvorsichtig und meinetwegen auch naiv.

Aber ich höre gerade Nachrichten, und es geht um Griechenland und meine griechischen Freunde, und ich höre zwischen dem üblichen Ökonomiekauderwelsch immer nur: PRIVATISIERUNG. Weiterlesen