Jung, erwerbslos = Faule Krippel (Krüppel) ? Den Verdacht auf Volksverhetzung…

…lasse ich mittels Strafanzeige/Strafantrag prüfen (und ja, das Ergebnis ist mir bereits vor Absenden der Anzeige klar, dennoch)


Da mag das MdB, Stephan Stracke CSU, sich im Nachgang noch so sehr im relativieren versuchen, gesagt ist gesagt – und GENAU SO auch gemeint gewesen, dessen bin ich mir sicher! In bester, politischer Tradition macht auch er keinen Hehl (mehr) aus seiner menschenverachtenden Einstellung.

Die Originalzitate aus seiner Rede und den dann folgenden, verschwurbelten „Erklärungsversuchen“:

(1) „Es nützt nichts noch so viele Hilfesystem zu haben, wenn man halt einer fauler Grippel ist und einfach nicht arbeiten will, sondern dann muss man ihn entsprechend ertüchtigen und die notwenigen Sanktionen notfalls auch ausüben, um in diesen Bereich auch Jungendliche den richtigen Weg zu führen.“

(2) „Das was ich gesagt habe ist vielleicht ein bayrisch-allgäuischer Slang, in dem Bereich, wenn man von einem ,faulen Grippel‘ spricht. Es ist kein Krüppel, sondern ein ,Grippel‘. Das ist jemand, der beispielsweise zurückhaltend seiner Arbeit, äh, nachgeht. Und das war gemeint und keine in irgend einer Art und Weise Verunglimpfung, so wie Sie (Abgeordnete Katja Kipping) verstanden hatten, äh, und äh, deswegen, äh, bitte ich hier dies entsprechend zur Kenntnis zu nehmen.“

Ach wirklich, Herr Stracke?

Das sieht in der bayrischen Mundart vielleicht (!) auf den ersten Blick so aus. Doch bei genauem Hinschauen ->
Zitat: ‚Grippl‘ ist ein zunächst einfach ein ‚Krüppel‘eine auf einen Mann gemünzte besonders nachdrückliche Abwertung.

http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/wir-in-bayern/host-mi-bayerisches-woerterraten-hundsgrippl-miserabliger100.html

Und jetzt komme mir bitte keiner mit den Feinabstufungen innerhalb des Bayrischen, selbst im Hessischen ist es eine verunglimpfende Bezeichnung eines bösartigen Menschen (auch ohne Behinderung!), bezeichnet man ihn als „en beese Kribbel“.

Weiter in der Bedeutung:

Im österreichichen Raum nannte man bereits vor Jahrhunderten elende, arme Menschen „Krippel“, in erster Linie waren damit Bettler gemeint.

http://books.google.de/books?id=gNddzom4VmoC&pg=PA264&lpg=PA264&dq=krippel+elender&source=bl&ots=NQT3VnGzNT&sig=fy5I2FXKTDZr4A3ZtdYFrLhqpu8&hl=de&sa=X&ei=HNASVNCBCMfiaIb2gegI&ved=0CCYQ6AEwAQ#v=onepage&q=krippel%20elender&f=false

In Wort gegossene Verachtung

Dem Grunde nach bin es müde, zu wiederholen: Ja, es gibt Menschen, die nicht (mehr) arbeiten wollen. Die Gründe hierfür sind vielfältig, lassen einäugige Schuldzuweiungen deshalb nicht zu.
Bei einem (offiziellen, die Trickserei auch hierzu ist ebenso sattsam bekannt wie die statistische Beschönigung der Erwerbslosenzahlen!) Vorhandensein von 1 Mio „Jobs“ und einer  gegenüberstehenden Anzahl von ü3 Mio Erwerbslosen ist es müßig, über „die Faulen“ zu schwadronieren!

Bringt doch erst einmal die Menschen in EXISTENZSICHERNDE Arbeit, die (noch) arbeiten können und wollen!
Könnt Ihr nicht, trotz aller Repression, denn wo nichts ist, dahin kann man auch nicht vermitteln!

Wie auch immer:
Wohlwissend, dass auch der folgende Strafantrag ausgehen wird wie das berühmte Hornberger Schießen, werde ich ihn dennoch stellen.

Einfach nur als meinen ganz bescheidenen Beitrag, ein Zeichen zu setzen gegen die zunehmende Verrohung, die Verächtlichmachung und den despektierlichen (hier: „nur“ verbalen) Umgang mit Erwerbslosen.

strafanzeige stracke

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