Mitläufer und Abnicker – alles Normopathen* oder was?

Irgendwann habe ich aufgegeben.
Aufgegeben, begreifen verstehen zu wollen, was Menschen dazu bringt, tatenlos mit anzusehen, wie anderen fühlenden Wesen Unrecht zugefügt wird.
Aufgegeben, unterscheiden zu wollen zwischen Denjenigen, die schädliche Handlungen begehen und Denjenigen, die sie zulassen und/oder unwidersprochen hinnehmen.
Generell. In allen Lebensbereichen.
Daher eben auch – oder insbesondere – innerhalb der Jobcenter…

Verstehen vs. „ErklärenKönnen“

Es gab in der Vergangenheit immer wieder einmal Diskussionen mit Bezug auf mein vermeintliches „Verständnis“ für eigentlich „nicht hinnehmbare Taten“.
Es verwunderte nicht, dass (nicht nur) mir – insbesondere, aber nicht nur – von gegnerischer Seite unterstellt wurde, „böse Taten“ zu relativieren und zu „verstehen“.
Auch Kollegen  unterstellten mir bisweilen „Verständnis“ für die (Schand)Taten der Jobcenter-Mitarbeiter….
An dieser Stelle möchte ich daher zum wiederholten Male darauf hinweisen, dass ein „ErklärenKönnen/Wollen“ nichts, aber auch rein gar nichts mit Verständnis im originären Sinn zu tun hat.
Es handelte und handelt sich bei meinen Versuchen des „VerstehenWollens“ dem Grunde nach nur um die Nutzung des „Krückstocks Rationalisierung“.
Rationalisieren…
…weil es (für mich) gerade keinerlei tiefes inneres Verständnis für so viele schädliche Handlungen und Unterlassungen gibt.
…weil das Verhalten vieler Menschen in „Macht“positionen mich noch immer fassungslos macht, mich häufig zutiefst entsetzt.
Soziologie, (Sozial)Psychologie und sogar die buddhistische Lehre helfen bei dieser Rationalisierung zwar ungemein…und doch bleibt eine Leere, die auch dieser „Krückstock“ nicht füllen kann.Mit dieser „Leere“ werde ich wohl lernen müssen, zu leben…

Normopathen*

Während es mir noch einigermaßen gut gelingt, rationale Erlärungen zu finden für die Handlungen so mancher – ich nenne sie jetzt einfach einmal so – „Direkt-Täter“, fällt es mir ungeheuer schwer, Mitläufer-und Abnickertum – dieses oft sogar wider besseres Wissen resp. Gewissen – zu versachlichen.
Wenn ich ganz tief in mich hineinlausche, muss ich zudem feststellen, dass mich diese Menschen fast noch mehr anwidern als die Sorte Täter, die ihre schädlichen Handlungen als richtig befinden, Überzeugungstäter also…dies mag durchaus auch auf die diversen Erfahrungen in letzter Zeit zurückzuführen sein.
Irgendwann einmal stieß ich auf das Wort „Normopath“…und befand es für so treffend, dass ich es nur zu gerne künftig stellvertretend für Mitläufer, Abnicker und Ja-Sager verwendet hätte…aber:
Wäre ich so anmaßend, allen Abnickern eine psychische Erkrankung zu unterstellen (ich mag die inflationäre Verwendung psychischer Diagnosen aus nicht-berufenem Munde ohnehin nicht), so spräche ich sie gleichsam auch frei von Schuld oder Verantwortung…und das ist nun gewiss nicht meine Intention.
* https://de.wikipedia.org/wiki/Normopathie

Ein paar Sätze über den Charakter eines „typischen Ja-Sagers“

…ein subalterner (= untergeordneter/unterwürfiger) Bürokrat ohne nennenswerte eigene Initiative.
…sowohl diabolischer (= teuflischer) Charakter und ideologischer Fanatismus fehlen, jedoch erstickt systematisch vorangetragene Indoktrinierung jedweden Ansatz von Solidarität.
…ungewöhnliche Beflissenheit, alles zu tun, was dem eigenen Fortkommen dient, verbunden mit persönlichem Ehrgeiz hinsichtlich irregeleiteter Pflichterfüllung, der in bürokratischen Kadavergehorsam mündet.
…sich nicht vorstellen können, was man anstellt (=Schutzwall gegen die Realität:absoluter Mangel an Vorstellungskraft)
…Nutzung von „Amtssprache“ á la Phrasen. Dahinter könnte man Gedanken vermuten, die aber nicht vorhanden sind. Die Unfähigkeit, sich selbst auszudrücken, ist eng verbunden mit dem nicht selbst denken können,d.h.,sich aus dem Gesichtsfeld eines anderen Menschen heraus, etwas vorstellen zu können.
…Rückzug auf die Funktion: Wenn ich es nicht mache, macht es ein Anderer
…Rückzug auf die Statistik: Einer muss es ja machen
…der psychologische Habitus (Einstellung zu Familie/Freunden) ist völlig normal bis vorbildlich

Falls Du, geneigter Leser, jetzt vermutest, dass ich…

…genau „Deinen“ unempathischen Sachbearbeiter zu beschreiben versuchte, dass mit diesen Sätzen haargenau „Dein“ Arbeitsvermittler gemeint sein könnte oder der Teamleiter „Deines“ persönlichen Ansprechpartners im Jobcenter treffend skizziert wurde…
weit gefehlt.
Diese Beschreibung eines kadavergehorsamen Bürokraten ohne eigenständige Meinung ist bereits über 50 Jahre alt, stammt nicht aus meiner Feder und ist – das „Grundsätzliche“ wiedergebend, leider noch immer brandaktuell.
Manche Dinge ändern sich offenbar nie wirklich.
Ich habe mir erlaubt, die zitierten Sätze minimalst umzuformulieren, es dürfte dennoch kein wirkliches Problem darstellen, ihre Quelle herauszufinden… 😉

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8 Kommentare zu “Mitläufer und Abnicker – alles Normopathen* oder was?

  1. Hallo Ellen!
    Ich habe mir auch irgendwann einmal aufgegeben, verstehen zu wollen, was Menschen und mich dazu bringt, tatenlos mit anzusehen, wie Unrecht über Unrecht geschieht. Auch Unrecht als Reaktion auf Unrecht.
    Und weil ich –hauptsächlich vor anderen- unbedingt richtig sein wollte, fiel es mir sehr schwer, dies Aufgabe zu lösen, mich zu entblößen. Nicht, dass ich mir diese Aufgabe so ganz bewusst und zu einem bestimmten Zeitpunkt gestellt hätte. Sie hat sich mir gestellt und ich bin immer wieder über sie gestolpert. Ich musste ob meiner „Verfehlungen“ darüber stolpern.
    Anfangs war diese Aufgabe umgänglich. Jedenfalls so lange ich sie relativ leicht umgehen konnte. Später aber wurde sie eindringlich und immer eindringlicher und schließlich unumgänglich. Oft wollte ich diese Aufgabe aufgeben, und zuweilen glaubte ich auch, ich hätte es bereits getan. Pustekuchen! Sie ging unzustellbar an mich zurück! Nach tausend und abertausend fehlgeschlagenen Versuche, meine Aufgabe aufzugeben habe ich mich entschlossen, sie zu lösen. Nunmehr stellt sich mir diese Frage nicht mehr.
    Ich klaue zwar nicht mehr, was ich als Kind, als Jugendlicher und junger „Erwachsener getan habe, und ich esse kein Fleisch mehr, was, würde ich das unter den gegebenen Fleischbeschaffungsmaßnahmen tun, ein Unrecht gegen zukünftige Generationen wäre, aber, es blieben und bleiben dennoch viele Handlungen und Nichthandlungen mit schädigender Auswirkungen. Da gibt es den ganz normalen Wahnsinn der Normalität, der – auch ohne Ausschluss von Mitgefühl bzw. Empathie dennoch- mich und die Welt beherrscht; in einem höheren Maße, als „uns“ bewusst ist, und der mehr zu wiegen scheint als alle unsere Ideale.
    Das verführte mich eine zeitlang noch dazu, doch lieber verstehen zu wollen, was andere dahin bringt, das zu tun, was sie tun, oder das zu lassen, was sie tun sollten; besonders dann, wenn ihr Tun oder Nichtstun im Widerspruch zu ihren lauthals verkündeten Ideale steht. Nunmehr stehe ich mitten drin im Unverständnis der anderen für mein Verständnis, und auch neben ihnen.
    Neben dem einen mit meinem Verständnis für den anderen, wofür der kein Verständnis hat, ich es ihm aber gerne verständlich machen würde. Geht aber nicht, der versteht es nicht, der ist so schnell in seiner Abwehr, das er nicht mal richtig zuhören kann, der lässt mich nicht mal aussprechen. Der glaubt nämlich sofort, ich könne ihn durch mein Verständnis seiner Eierabtheorie berauben.
    Da begegne ich einer Grenze, die sowohl dessen Grenze als auch meine Grenze ist. Und wieder könnte ich versucht sein zu fragen, was es denn ist, dass er nicht verstehen will oder verstehen kann, wenn ich nicht wüsste, dass seine Grenzen und meine Grenzen, dass seine Begrenztheit und meine Begrenztheit sich nach den einen für alle geltenden Gesetzmäßigkeiten herausgebildet haben, es für mich also keinen Grund gibt, seine Abwehr, seine Grenzen, seine geistig-seelischen Begrenzungen als nicht richtig anzusehen.
    Hätte er das Vermögen zuzuhören und verstehen zu lernen bzw. seine Ängste zu sehen und ihnen entgegen neues zu wagen, er täte es. Gesetzmäßig gesetzt aber ist auch das Zustandekommen unseres Seinszustandes, inklusive Hunger et cetera, etc., pp.. Richtiges steht – wenn unsere Existenz richtig ist- Richtigem gegenüber und baut richtigerweise Begrenzungen auf oder ab. Und ohne Mandat kann ich niemanden helfen, sich seine Grenzen und Begrenzungen anzuschauen. So, wie ich mir meine Begrenzungen, also jene Grenze, welche meine Begrenzungen schützt, kaum gewahr werden kann, wenn ich keinem ein Mandat erteile.(Vorsicht! Manchmal werden Mandate ausgegeben, ohne dass es bewusst ist, oder andere übernehmen es unbewusst, ohne dass es ausgegeben wurde. Als Glücksspiel der Gesetzmäßigkeiten?) Ok, das Leben hat dieses Mandat!

    Knallhart und ohne Pardon und wenn es den Menschen gar den Garaus macht. Hat der Mensch –vom Leben bereits gezeichnet- dennoch keine Interesse oder keine Möglichkeit mehr herauszufinden, was ihn zu seinem Tun inklusive Unterlassungen treibt bzw. was ihn begrenzt oder erweitern könnte, bleibt nur noch zu fragen, wie ich ihm bzw. seinem Verhalten gegenüber reagieren und ihm begegnen will. Rotze ich in heilsamer oder zerstörerische weise gegen sein Verhalten oder auch noch gegen ihn an? Benutze ich meine Empathie ihm gegenüber, ihn aus der Verantwortung zu entlassen. Ist mir bewusst, dass die Ursache für die durch sein Verhalten ausgelösten Empfindungen in mir, ebenso in mir liegt wie mein Empfinden, habe ich die Chance sachgemäß zu reagieren.
    Nicht aus meiner Empörung oder meinem Mitleid heraus, sondern dem Vorgang entsprechend und zielorientiert. Und auch danach, ist es ratsam, mich –falls vorhanden- meinem Verlierer oder Siegerempfinden nur in der weise hinzugeben, als ich dessen Stellenwert bezüglich meines Selbstwertgefühles wahrnehme kann; und dadurch eher in der Lage bin, die Leere in mir, mit anderem zu füllen, als mit dem Erfolg meines Vorhabens, die Welt zu retten.
    Und möglicherweise ist mein Beitrag, die Welt zu retten, besser gestellt, wenn ich mich mal erst selbst rette. Mein „tieferes inneres Verständnis –nicht nur-„für so viele schädliche Handlungen und Unterlassungen“, sondern auch dafür, dass ich das hier jetzt geschrieben habe obgleich auch anderes ansteht, gründet in meiner Einsicht, dass ich es nicht hätte anders tun können, als ich es getan habe. Was mich nicht davon entbindet, später anders handeln zu müssen. Und je bewusster ich handele, das heißt mit zunehmender Selbsterkenntnis, desto größer ist die Chance, das Müssen und Wollen zusammen kommen. Allerdings verkommen Möglichkeiten –die gemäß dem Gesetz der Folgerichtigkeit nicht jeder hat, leicht zu einem leeren Konzept, wenn es nur Kopf gibt und keine Hand.

    • Hallo Friedrich Peter,
      wie Du anhand meines letzten Beitrags sehen kannst, habe ich „mich selbst gerettet“, die Reißleine gezogen.
      Du hast in Vielem sicherlich recht. Deine Abhandlungen spielen aus meiner Sicht auf einer philosophischen und eher theoretischen „Wie-funktioniert-gedeihliches-Miteinander-Ebene“.
      Im „normalen“ Miteinander mag – sofern wir in der Lage sind, immer wieder zu reflektieren und das Reflektierte g’scheit umzusetzen – Dein Vorgehen sicher hilfreich sein.

      Im Leben und Agieren gegen die Umsetzer einer menschenverachtenden Gesetzgebung – kurz: Als Helferin in der Elo-Szene – funktioniert es NICHT!

      So grausam es sich anhört:
      „Wir“ haben es hier mit struktureller, politisch geförderter Brachialgewalt gegenüber Hilfsbedürftigen zu tun.
      Wer diese Gewalt bewusst (!!) ausführt und/oder charakterlich so gestrickt ist wie der, den die von mir etwas verfremdeten Zeilen beschrieben (kadavergehorsamer Bürokrat), den erreicht man nicht mehr.
      Der Gehorsam ist zur 2ten „Seele“ aufgestiegen, die Empathie findet keinen Raum mehr während der Bürozeiten.
      Ein/e (fiktives?) Beispiel/Frage:
      Wie soll man einem Menschen begegnen, der sich während eines Jobcenter-Inquisitions-Gesprächs wie folgt äußert
      (Ausgangssituation -> Ein eLB hat vor Jahren den praktischen Teil seiner Gesellenprüfung nicht geschafft. Als er seine 2te Prüfung hätte nachholen können, wurde gg seine Mutter Gewalt verübt. Er hatte für nichts mehr Nerven wegen seiner, nach dem Übergriff suizidalen, Mutter und ließ den Nachprüfungstermin verstreichen = kein Gesellenbrief):
      „Und das ist ein Grund, die Prüfung nicht nachzuholen?“

      Sorry, aber Wesen, denen selbst hier jedwedes Mitgefühl abgeht, möchte ich den (ohnehin zu hinterfragenden) Begriff des „Mensch(lich)-Seins“ ohne wenn und aber absprechen.

      Ich pack das nicht mehr. Das sind doch (während der beruflichen Ausübung) seelenlose Roboter mit Haut über dem metallenen Korpus!
      Oder (weniger theatralisch)
      Solche Menschen sind allesamt Eichmann 2.0

      Somit wäre auch das „Rätsel“ enthüllt, von wem die verfassten Zeilen stammen:
      Die Beschreibung dieses Bürokraten-Typus entstammt (fast wortgenau) aus Hannah Arendts „Eichmann in Jerusalem/Banalität des Bösen“
      Und gegen einen solchen Täter-Typus kann und will ich nicht mehr – Don Quichotte gleich) kämpfen.
      Ich pack das nicht mehr, denn hier ist weder mit Empathie, noch gesundem Menschenverstand, noch geltendem Recht beizukommen.
      Und wenn solche Täter dann noch befeuert werden von narzisstischen Soziopathen, dann gute Nacht.
      Da hilft auch keine philosophische Betrachtung, was hülfe, wäre ggf Herkules (Augiasstall und so)…aber ich tendiere dazu, um im Fabelbereich zu bleiben, die Apologeten des „Hartz4“ mit der Hydra zu vergleichen:
      Selbst wenn man einen Schädel runterschlägt, wachsen zwei weitere sofort nach. Und der Hauptkopf ist unsterblich, es sei denn, dass…
      Wie geschrieben, ich bin raus aus der Nummer, in Gänze.
      Sollte es jedoch (damals war der Hydra-Vergleich übrigens sehr beliebt) tatsächlich doch noch zu einem „Sturm auf die Bastille“ kommen, dann – ich schwöre es – bin ich an vorderster Front mit der Mistgabel dabei!

      • liebe Ellen,
        bei allem Verständnis für Deine Situation und Reaktion, möchte ich dich doch bitten, die direkten Bezüge zu der Vernichtungmaschinerie des 3. Reiches, Eichmann (2.0) und Hannah Arendts Beitrag dazu, noch einmal zu überdenken. Wenn du das namentlich so benennst, vergleichst du nicht Vergleichbares.
        Die damaligen Opfer hatten keine Chance. Selbst wenn sie versucht hätten sich „anzupassen“, die letzte Möglichkeit einer Vernichtung zu entgehen, es hätte und hat nichts genutzt.
        Über das heutige Ausmaß der „Vernichtung“ und die Motive kann man trefflich streiten, es gibt allerdings die Möglichkeit der Ab-/Gegenwehr auch schon vor Anpassung und/oder völligen Unterwerfung. Das ist, neben der nicht postulierten Vernichtung, der gravierende Unterschied.
        Wenn sich der Typus „regimetreuer Bürokrat“ einmal ändert oder gar ausstirbt wäre das sicher „ein großer Schritt für diese Menschen und ein kleiner für die Menschheit“. Da aber seit Menschengedenken und nicht erst seit 33 vorhanden, ist damit eher nicht zu rechnen.

        • Du hast, besser, hättest zu 100% Recht, wenn ich denn die Situation/das Ausmaß verglichen hätte.
          Jedoch habe ich mich ausschließlich auf die Charakterisierung eines kadavergehorsamen Abnickers beschränkt. Einen Typus Mensch zu vergleichen, ist meiner Auffassung nach legitim.
          Dieser Typus Mensch ist unverändert unfähig, das Unrecht und die Auswirkung seines (auch passiven) Verhaltens zu erkennen. Nur darum geht es mir, um das Erkennen-Können und Wollen unter Ausblendung seiner eigenen Karrierechancen, Zitat Arendt -> ……ungewöhnliche Beflissenheit, alles zu tun, was dem eigenen Fortkommen dient, verbunden mit persönlichem Ehrgeiz hinsichtlich irregeleiteter Pflichterfüllung, der in bürokratischen Kadavergehorsam mündet.
          Bleiben wir beim „Unvergleichbaren“, sind die heutigen Ja-Sager moralisch sogar noch mehr zu verurteilen als damals. Denn in der Nazi-Zeit hatten auch die (potentiellen) Täter kaum eine/keine Chance, sich gegen das herrschende System zu stellen. Das wäre ihr Todesurteil gewesen.
          Heute hingegen endete Insubordination nicht mit standrechtlichem Erschießen.
          Heutzutage gibt es das Remonstrationsrecht, ich würde dies gar als Remonstrationspflicht bezeichnen…so man noch einen Rest von Moral und Ethik in sich aufbewahrt hat.
          Haben diese Sorte Mensch aber nicht…nachdem das Büro betreten wurde, wird das ersichtlich.

          Davon abgesehen, sind „vorsichtige Vergleiche“ mM durchaus kein No-Go. Holdger Platta schrieb eine bemerkenswerte Abhandlung mit dem Titel „Brief ohne Antwort“ zu diesem Thema. Leider kann ich in der Kommentarfunktion keine pdf hochladen, ich schicke sie Dir gerne per Mail.

          • „Eichmann“ zunächst ist ein Synonym für den industriell betriebenen Massenmord und steht erst in 2. Linie für den absolut hörigen Bürokraten.
            Das dieser Typus die Vorbedingung für das Folgende ist, kein Zweifel. Dennoch ist die Situation nicht vergleichbar, auch nicht „vorsichtig“.
            Ohne den „Brief“ von H.P. zu kennen hatte ich bereits eine Antwort darauf gegeben, es fehlt heute die formale Instruktion („Mein Kampf“ ff. u.a. „Nürnberger Gesetze“, „Wannseekonferenz“) und es gibt heute die Möglichkeit sich zu wehren.
            (o.t. auch wenn ich das SGB II manchmal sarkastisch die „Nürnberger Gesetze 2.0“ nenne)
            Das ist keine Relativierung oder „Verharmlosung“ sondern nüchterne Bestandsaufnahme. Daran ändern weder die Tatsache, dass es Tote im unmittelbaren Zusammenhang mit Hartz4 bereits gegeben hat, noch die Ausfälle einiger Politiker noch das Bemühen bestimmter gesellschaftlicher Gruppierungen etwas.
            Die durchaus wahrgenommene Möglichkeit dem etwas offen, und nicht nur im Widerstand, entgegenzusetzen, ist ein weiterer Punkt der Unvergleichbarkeit.
            Das die damaligen Täter kaum eine/keine Chance hatten sich dem zu widersetzen, ist, jedenfalls für den Bereich der Wehrmacht/Wachmannschaften, ein gerne kolportiertes Märchen der Täter. Es ist nicht ein (1) Fall dokumentiert, in dem die Weigerung daran teilzunehmen zu standrechlichen oder sonstig rechtlichen Konsequenzen geführt hat.
            Das damit die Abordnung an „die Ostfront“ besiegelt war, steht auf einem anderen Blatt.

            Obgleich es noch andere „singuläre Ereignisse“ in der Geschichte gibt, man denke an die barbarische „Entdeckung“ Südamerikas, Nordamerikas, der Völkermord an Armeniern oder auch der Herero, nicht zuletzt der Völkermord der Hutu an Tutsis, war das „Programm“ zur Vernichtung der Juden, Sinti und Roma sowie die Euthanasie insofern „einzigartig“, als es bereits Jahre zuvor nicht nur gedacht sondern bereits in Buchform bekannt war.

            Wachsam zu sein heißt eben nicht alles an diesem/n Ereigniss/en zu messen. Wohin das führt auch dafür gibt es ein Beispiel – den angeblichen „Hufeisenplan“ der Serben, von Joschka Fischer zu einem „Nie wieder Ausschwitz“ umgedeutet und als Kriegsgrund missbraucht.

            • Lass uns bitte die Tage telefonieren (gerne auch zu diesem Thema) wenn mein Kopf wieder klarer ist, ja?
              Danke und sehr liebe Grüße
              Ellen

  2. http://www.bundestag.de/mediathek/?isLinkCallPlenar=1&action=search&contentArea=details&ids=5891680&instance=m187&categorie=Plenarsitzung&destination=search&mask=search
    Was so in den Köpfen Von CDU,CSU und SPD rum spukt?!

    Und hier das Ergebnis das ich nicht anders erwartet hatte!!
    http://www.jungewelt.de/2015/10-05/030.php
    Die Hartz IV Verantwortlichen machen es vor. Jeder ist nur auf sich und seinen Arbeitsplatz bedacht!
    Der Betroffene spielt dabei nur eine kleine Rolle, er rechnet sich oder nicht.
    Was soll das noch werden??

  3. Manfred Lütz behauptet in seinem Buch: „Irre“, Untertitel: „Wir behandeln die falschen, die Normalen sind unser Problem“ Hitler(und Andere) sei nicht krank gewesen. Begründung: –hier mit meinen Worten- ein Kranker könne nicht bringen, was er gebracht hat, und die Krankschreibung würde ihn von Schuld und Verantwortung frei sprechen.
    Die erste Begründung ist allein schon durch die vielen Burnouts, besonders in Helferberufen, widerlegt; freilich auch in anderen Berufen, wenn die „Berufung“(zu was auch immer) sich in diesem Beruf bzw. durch die Bedingungen am Arbeitsplatzes, nicht erfüllt, und/oder, wenn die meist unbewussten Wünsche nach seelischer Befriedung durch den Beruf oder dessen, was die Tätigkeit abwirft , sich nicht erfüllen. Solange freilich, solange noch Glaube und Hoffnung oder die Illusion auf Erfüllung besteht, oder doch wenigstens das tägliche auskommen einigermaßen abgesichert ist, bleibt das neurotische Gebaren im Verborgenen und es ergießt sich in den täglichen Normalitäten zu denen auch erste und zweite und dritte somatoforme Beschwerden gehören, oder es setzt sich in allerlei Kompensationsversuche ab.
    Was schon bitte, hat Mein Haus, mein Boot, mein Auto mit Krankheit zu tun? Oder meine als Vernunft ausgewiesene Entscheidung? Oder meine ehrenamtliche Tätigkeit im Posaunenchor? Ups! Jetzt könntischmisch grad mal frare, warumisch grad schreibe tu. Ne, da gehisch doch liebä gleich uff derene Begründung mit der Schuld und derene Verantwortung ei.

    Wenn wir –aus welchen Gründen heraus auch immer- Menschen, die Schaden anrichten, auf Grund ihrer psychischen Verfassung, der Strafmündigkeit entheben, bedeutet das nicht automatisch, dass im Falle einer zugeschriebenen oder nachgewiesenen Krankheit eine Freisprechung bezüglich Schuld und Verantwortung statt finden muss.
    Bleibt die Frage, wer schreibt wem die Schuld zu und wer zieht wem zur Verantwortung heran? Aus welcher Sicht? Mit welchem Anliegen? Und auf welcher Art und Weise? Fortsetzung folgt!?

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